Gerade in jungen Jahren fällt es schwer, mit schmerzvollen Gefühlen wie Traurigkeit, Wut, Angst und insamkeit umzugehen. Die Gefahr, dass einen diese Empfindungen überwältigen, ist groß. Deshalb versuchen Kinder in der Regel, Emotionen, die sie aus dem Gleichgewicht bringen, zu vermeiden.

Im Verlauf der Kindheit ordnen wir uns den Vorstellungen und Erwartungen der Umwelt unter. Ohne es zu bemerken, entfernen wir uns im Verlauf der Anpassung von den ursprünglichen Gefühlen und Erfahrungen.

Später erfolgt die Orientierung an Freunde und Altersgenossen. Der Wunsch nach Liebe, Zugehörigkeit und Anerkennung ist so stark, dass wir bereit sind, die Identität teilweise zurück zu stellen. Das Bedürfnis nach Zugehörigkeit ist der Schlüssel für dieses Verhalten.

Und das macht ja auch Sinn. Ohne eine Verbindung zu anderen Menschen, kann ich nicht überleben. Indem ich die Nähe zu meiner Familie oder nahestehenden Personen suche, sorge ich für mein Wohlergehen.

Die Erfahrungen eines Einzelnen verlaufen individuell. Doch jeder von uns durchlebt die Momente, in denen wir spüren, dass die eigenen Gefühle im Widerspruch zu den Erwartungen unserer Umwelt stehen.

Mit zunehmender Selbstverantwortung kann ich mich aus dieser Abhängigkeit lösen. Die eigene Freiheit beginnt aus meiner Sicht, wenn ich mir mein Verhalten bewusster vor Augen führe.

Ich kann es mir nicht aussuchen, unter welchen Bedingungen ich aufwachse. Ebenso habe ich wenig Einfluss auf meine Gefühle in jungen Jahren. Doch mit zunehmender Reife kann ich aus dem Kreislauf des gemocht werden wollen ausbrechen.

Indem ich eigenes unterdrücke, werde ich mir selber fremd. Der Preis meiner Anpassung lautet Selbstverleugnung. Je mehr ich versuche, es anderen recht zu machen, desto mehr bleibe ich auf der Strecke.

Die früh erlernten Strategien wiederhole ich oft unbewusst und zwanghaft. Und je häufiger ich dieses Verhalten fortschreibe, desto selbstverständlicher empfinde ich es. Es entsteht bei mir der Eindruck: So bin ich halt.

Meine erlernten Verhaltensmuster können in bestimmten Situationen sinnvoll sein. Doch sobald sich die Verhältnisse ändern und ich neuen Herausforderungen gegenüber stehe, passen die alten Muster nur noch bedingt.

Um mich wertzuschätzen, darf ich mich erst einmal kennen lernen. Denn sobald ich mich in Ordnung finde, bin ich weniger auf die Anerkennung von anderen angewiesen.

Zuerst habe ich gelernt, indem ich andere nachgeahmt habe. Jetzt suche ich, was mich ausmacht. So kann wieder etwas Neues entstehen. Aus „Ich tue es für Liebe und Anerkennung.“ kann ein „Ich handele, weil es mir wichtig ist.“ erwachsen.