Wenn ich mir in den Buchhandlungen die Regale über Psychologie und Karriere anschaue, bekomme ich den Eindruck, dass viele Menschen verunsichert sind. Sich irgendwie unvollkommen fühlen. Wie ist es sonst zu erklären, dass es so viele Ratgeber zu den Themen Glück, Selbstbewusstsein, Erfolg und Liebe gibt?

Das Wissen, auf das wir heute zugreifen können, ist gigantisch. Bücher, Zeitschriften, Foren und Coaches stehen uns zur Verfügung. Im Internet finden wir Informationen auf Knopfdruck. Doch hilft uns das weiter? Fühle ich mich dadurch entspannter und glücklicher?

Bei mir kam auf jeden Fall irgendwann das Gefühl auf, den vermeintlichen Anforderungen nicht mehr gewachsen zu sein. Das Empfinden, da stimmt etwas nicht. Was ist der Sinn, sich ständig neu erfinden zu müssen und bedeutend zu sein? Die ständige Präsenz von lächelnden und siegreichen Helden in den Medien.

Wieso muss ich eigentlich permanent Erfolg haben?

Erfahrungen zu teilen, Bücher zu lesen und Fortbildungen zu besuchen, macht natürlich Sinn. Doch meines Erachtens besteht dabei eine große Gefahr. Dass mir andere zeigen, wie die Dinge zu sein haben. Was erstrebenswert ist, wie ich glücklich werden kann.

Wenn es mir gut geht und ich aus eigener Motivation neue Wege gehe, dann erfolgt das aus einem Gefühl der Stimmigkeit. Ohne große Zweifel oder die Angst im Nacken. Wird mir dagegen vor Augen geführt, was mir noch zu meinem Heil fehlt, agiere ich aus einem Mangel. Ich bin sozusagen aus dem Paradies heraus gefallen.

Es ist für mich wie in der Werbung. Erst wird ein Defizit aufgezeigt. Dann erscheint das erlösende Produkt, das alles wieder in Ordnung bringt. Vielleicht wissen wir selbst ja am besten, was uns glücklich macht. Vielleicht ist der Schlüssel, unsere Einzigartigkeit anzunehmen.

[pullquote2 quotes=“true“ align=“center“ variation=“orange“ cite=“Samarpan“]Das einzige Problem des Menschen besteht darin, dass er die Vorstellung hat mit ihm sei etwas nicht in Ordnung und das was nicht in Ordnung sei, müsse repariert werden.[/pullquote2]

Es mag sein, dass wir durch das Wissen anderer gelehrter werden. Erfahrung kann ich dagegen nur aus eigenem Handeln gewinnen. So kann Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten entstehen. Das Gefühl, mich frei zu fühlen. Immer weniger zu schauen, wie es denn die anderen „richtig“ machen.

Es gibt eine Energie, eine Lebenskraft die aus dir erwächst. Dieser Ausdruck ist einmalig. Wenn du ihn blockierst, wird er nie existieren. Dazu gehört für mich, alle meine Emotionen anzuerkennen. Traurigkeit, Ungeduld, Zweifel, Freude und Mut. Aus dieser Gesamtheit entsteht etwas Einzigartiges. Mein Reichtum. Meine Möglichkeiten. Mein Ausdruck.