„Sag mal, was würdest du in meiner Situation machen?“ Diese Worte kamen mir manchmal teuer zu stehen. Nichtsahnend gab ich meine Erkenntnisse zum Besten. Ist ja auch eine schöne Sache für das Ego, für kompetent gehalten zu werden.

Die Reaktion auf meine Weisheiten fielen allerdings eher ernüchternd aus. „Ja, aber bei mir ist das ganz anders …“. Mein Gegenüber schien irgendwie nicht an meinen Erfahrungen interessiert zu sein. Es ging eher darum, sein Problem in aller Deutlichkeit zu schildern. Und so redeten wir oft und lange aneinander vorbei.

„Ich habe das so angepackt …“. „Ja, aber bei mir …“

Heute ist mir zum Glück bewusster, worum es bei solchen Fragen in der Regel geht. Es geht weniger um meine Expertise, sondern wie sich mein(e) Gesprächspartner(in) fühlt.

Außerdem geht es nicht um meine Lösung. Wie kann ich auch annehmen, dass meine Antwort für andere passt? Ich kann anderen helfen, ihre Lösung zu finden. Dafür werden sie dankbar sein. Und vor allem motiviert, ihre Antwort umzusetzen.

Folgende Fragen können helfen, mein Gegenüber aus der Reserve zu locken und für mehr Klarheit zu sorgen. „Was genau ist für dich das Problem?“, „Wie stellst du dir eine Lösung vor?“, „Was hindert dich, deine Vorstellung in Angriff zu nehmen?“ „Was könnte der nächste konkrete Schritt sein?“, „Welche Hilfe wünscht du dir?“, „Wo könntest du diese Unterstützung finden?“.

Doch suchen meine Gesprächspartner(innen) nur nach einer Lösung? Ich denke nicht. Oft geht es vor allem um Aufmerksamkeit. Sie möchten gesehen werden. Die einfachste Art einem Menschen zu helfen, ist, ihm zuzuhören. Wenn ich aufmerksam den Gedanken folge, entsteht Vertrauen und ein Gefühl der Verbundenheit. Und ich entlaste mich, für andere eine Lösung zu finden. Guter Rat ist in den meisten Fällen gar nicht gefragt, sondern vor allem eine achtsame Haltung.