Das Bewusstsein, die richtigen Antworten zu kennen, erlebe ich als beruhigend und kompetent. Mein Ego ist bester Laune. „Wir“ wissen, wo es lang geht. Kein Patentrezept zu haben, löst bei mir ganz andere Empfindungen aus. Unkenntnis führt zu innerer Anspannung und eine gewisse Alarmstimmung macht sich breit.

Das Leben ist keine Einbahnstraße. Wenn ich in meinem gewohnten Trott und meinem begrenzten Wissen
durch die Welt gehe, stoße ich unweigerlich auf Hindernisse. Diese Hürden rütteln mich wach. Sie sagen mir: „Öffne deine Augen für andere Möglichkeiten.“

Wenn ich Aufgaben mechanisch erledige, suche ich gar nicht nach Alternativen. Ich habe auf Autopilot geschaltet. Sobald ich das Gefühl habe, den richtigen Weg zu kennen, spüre ich keine Motivation, meinen Blick schweifen zu lassen.

Ist mein geliebter Lösungspfad versperrt, sieht die Situation ganz anders aus. Meistens regt sich zuerst Unmut. „Was soll das denn jetzt?“ „Hier bin ich doch sonst immer lang gegangen.“

Durch Schimpfen entstehen allerdings keine neuen Lösungen. Jetzt heisst es für mich, Ausschau zu halten. Und hier fängt der konstruktive Prozess an! Ich bin wieder offen für neue Wege.

Wissen und Nichtwissen sind für mich zwei Seiten einer Medaille. Unkenntnis ist oft der Anfang für neue Einsichten. Fragen bilden den Ausgangspunkt für Expeditionen in unbekanntes Terrain.

[pullquote2 quotes=“true“ align=“center“ variation=“orange“ cite=“Rainer Maria Rilke“]Sei geduldig mit allen Fragen in deinem Herzen, und versuche, die Fragen an sich zu schätzen.[/pullquote2]

Aus meiner Erfahrung kann ich neue Lösungen um so besser erkennen, je entspannter ich mit meinen Zweifeln umgehe. Wenn ich weniger mit meinen Ängsten beschäftigt bin, habe ich mehr Energie und Aufmerksamkeit im Außen.