Manchmal bin ich erstaunt, wie verworren die menschliche Kommunikation sein kann.
Vielleicht kennen Sie diese Momente.
Sie unterhalten sich und bekommen zunehmend den Eindruck,
aneinander vorbei zu reden.
Irgendwie scheint Ihr Gegenüber etwas anderes zu verstehen.

Warum ist es mitunter so schwierig, sich untereinander verständlich auszutauschen?
Die richtigen Worte zu finden, kann meines Erachtens nicht so kompliziert sein.
Wir sind keine Anfänger und der deutschen Sprache mächtig.
Besonders wenn ich mit Freunden gemeinsame Zeit verbringe,
sollte das Erlebte übereinstimmen.

Doch so einfach scheint es nicht zu sein.
Menschen nehmen die Welt unterschiedlich wahr.
Wir sehen die gleichen Gegenstände und machen uns ein Bild.

Zum einen nehmen wir Dinge aus unterschiedlichen Perspektiven wahr.
Was ich sehen kann, hängt von meinem Standpunkt ab.
Weiterhin kann ich von äußeren Umständen wie zum Beispiel Lärm
oder bestimmten Lichtverhältnisse beeinflusst sein.

Viel entscheidender ist allerdings aus meiner Sicht,
dass ich dem Sichtbahren (m)eine Bedeutung gebe.
Das was ich wahrnehme, ist abhängig von mir.
Dabei ist es unerheblich, ob es sich um Handlungen,
Gegenstände oder nur bestimmte Begriffe dreht.

Nehmen wir zum Beispiel die Farbe rot.
Für manche ist es die Farbe der Liebe.
Andere assoziieren damit Blut oder denken an süße Früchte.
Am Wasserhahn symbolisiert rot Wärme.
Ein simples Wort kann also ganz unterschiedliche Bilder hervorrufen.
Da Erlebnisse wesentlich komplexer sind,
ist der Interpretationsspielraum entsprechend größer.

Kann es sein, dass wir uns über eine Welt austauschen,
die wir ganz unterschiedlich wahrnehmen?

Ich gebe Dingen, Geschehnissen und Begriffen meinen Sinn.
Das geschieht in der Regel unbewusst.
Unterschwellig treten meine Erfahrungen, Vorstellungen und Gefühle in den Vordergrund.
Mein Gehirn legt nicht nur Fakten resultierend aus meinen Sinneseindrücken ab,
sondern speichert auch meine Gefühle und Beurteilungen.
Und diese Informationen rufe ich irgendwann wieder ab.

Mit zunehmendem Alter besteht die Gefahr,
mehr die innere „Landkarte“ als das eigentliche Geschehen zu sehen.
Ich verknüpfe meine Ängste und Vorstellungen mit den Ereignissen.
Ein Hund kann so schnell zur Bedrohung werden,
obwohl dieser eigentlich nur spielen möchte.

Meine Eindrücke aus Erfahrungen beeinflussen mein Erleben.
Je häufiger ich mir diesen Prozess vor Augen führe,
desto mehr Möglichkeiten habe ich, meine Reaktionen zu hinterfragen.
Vielleicht macht es Sinn, meinen Verhaltensweisen neue Bedeutungen zu geben.
Damit werde ich immer mehr zu Akteur, zum Gestalter.

Die Dinge einmal von einer anderen Seite zu betrachten,
kann meinem Leben eine neue Richtung geben.
Freiheit beinhaltet die Möglichkeit zu wählen.
Welche Freiheit kann ich mir selbst schaffen?

Nicht Verunsicherung ist das Ziel, sondern Neugestaltung.
Ich kann aus dem Traum aufwachen.
Wo vorher eine Einbahnstraße war,
erkenne ich jetzt eine Kreuzung mit vielen Wegen.

Und das ist für mich der entscheidende Punkt.
Welchen Situationen und Verhaltensweisen möchte ich eine andere Bedeutung geben?
In welchen Situationen fühle ich mich unwohl?
Macht es für mich noch Sinn, wie ich in bestimmten Momenten reagiere?

Oder um es mit den Worten von Paul Watzlawick zu sagen.
Der Glaube, es gebe nur eine Wirklichkeit, ist die gefährlichste Selbsttäuschung.

Mir ist auf jeden Fall einleuchtend,
warum das menschliche Miteinander so verworren sein kann.
Wenn das Erleben sich voneinander unterscheidet,
ist es natürlich schwer, dafür die passenden Worte zu finden.