Bei Entspannung dachte ich früher vorwiegend an Ruhe, Urlaub und Wellness. Wohlfühlen fand für mich in der Freizeit statt. Vielleicht mit ein bisschen Meditation oder einem Spaziergang im Wald. Lockerheit im Alltag zu praktizieren, ist schon eine andere Herausforderung. Der geschützte Raum fällt weg und der Einfluss auf unser Umfeld ist geringer.

Doch muss das so sein? Sind Meditation oder Yoga nur Trockenübungen für die eigenen vier Wände? Findet die heile Welt nur Daheim statt?

Ein perfektes Übungsfeld für Entwicklung ist die Rushhour. Umgeben von anderen hektischen Zeitgenossen, entsteht auf engstem Raum ein Druckkessel für menschliche Reife. Eine rosarote Brille hilft jetzt nur bedingt und in den Nahkampfmodus überzugehen, ist auch keine gute Idee.

Wie kann ich meine guten Absichten im Alltag trainieren?

Reflexion bildet in der Regel den Anfang für Veränderung. Wie erlebe ich die Situation? Wie bewerte ich das Geschehen? Welche Wahl treffe ich? Diese Fragen zeigen mir, wo ich zurzeit stehe.

Zwischen Reiz und Reaktion habe ich die Möglichkeit, Verantwortung für mein Handeln zu übernehmen. Mit ein wenig Achtsamkeit und Übung kann ich diesen Augenblick mit der Zeit auszudehnen.

Dieser Freiraum ermöglicht mir die Freiheit zu wählen. Umgebe ich mich mit Freunden oder Volltrotteln? Setze ich auf ein Miteinander oder suche ich die Konfrontation?

Nun ist Veränderung oftmals kein Zuckerschlecken. Meine ersten Achtsamkeitsübungen im Verkehrsgewühl endeten zugegebenermaßen schnell in Frustration. Je mehr ich mich über die „anderen“ aufregte, desto frustrierter war ich über mich. Gelassenheit fühlt sich anders an.

Das lag vor allem an meiner immensen Erwartungshaltung. Veränderungen bedürfen der Übung. Beim Gewichtheben stemmen wir ja auch nicht gleich 150 kg. Trainieren bedeutet, sich in Etappen zu steigern. So gelang es mir zunächst 5, später 10 und bald 15 Minuten relaxt im Verkehrsgewühl zu agieren.

Gelassenheit und Achtsamkeit stellen sich natürlich nicht von selbst ein. Sie sind vielmehr die Früchte meines Einsatzes. Beachte ich im Vorfeld die nachfolgenden Punkte, sind die Voraussetzungen für meinen Erfolg günstig.

Motivation – Wenn mich das Ziel nicht begeistert, werde ich wenig Energie verspüren, lange durchzuhalten. Deswegen sollte ich gute Antworten auf 3 Fragen finden. Was ist mein Ziel? Welche Vorteile ergeben sich? Welchen Gewinn haben andere?

Sichtweise – Meine Gedanken steuern mein Erleben in einem hohen Maße. Hierbei macht es natürlich wenig Sinn, mir lediglich etwas einzureden. Mein Gefühl muss schon dazu passen. Sehe ich zum Beispiel meine Mitmenschen als Freunde auf dem Weg, entsteht eine Atmosphäre der Zuneigung. Nahen Menschen gewährt man gerne einen Gefallen. Schätze ich dagegen meine Umgebung als bedrohlich ein, sind Anspannung und Misstrauen das Ergebnis.

Entspannung – Körperliche Lockerheit ist eine gute Basis für ein entspanntes Miteinander.
Da Haltung und Atmung zu meinem Wohlbefinden beitragen, macht es Sinn, beides bewusst einzusetzen.

Die Belohnung meines Einsatzes ließ nicht lange auf sich warten. Zuhause angekommen, fühlte ich mich entspannter. Doch das Bemerkenswerteste war die Resonanz der anderen Verkehrsteilnehmer. Gewährte ich Vorfahrt oder lächelte jemanden an, kamen diese Reaktionen irgendwann zurück.

Unsere Entscheidungen und Handlungen tragen in einem hohen Maße dazu bei, was uns widerfährt und wie wir uns fühlen. Ich kann meine Mitmenschen natürlich auch mit der Lichthupe „erziehen“. Doch wer lässt schon gerne an sich ziehen?

Achtsamkeit ist der Eintritt für ein tieferes Erleben. Üben können wir dafür jeden Tag.

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