junger Mann im Halbschatten

Die Schattenseite des Erfolgs

In unserer urbanen, hochindustriealisierten Gesellschaft spielt der Erfolg eine zentrale Rolle. Zweckmäßiges und effizientes Handeln sind nicht nur im beruflichen Kontext gefordert, sondern auch im Privaten versuchen wir, uns bestmöglich zu verkaufen.

Es gilt, das gesellschaftliche Ideal des Siegers zu verkörpern. Floskeln wie „Mir geht es gut.“, „Alles ok.“, „Keine Probleme.“ sind die Folge. Je mehr Menschen bei dieser Aufführung mitmachen, desto unwohler fühlt sich der Rest.

Ein Leben in Eigenregie

Um ein Leben in Eigenregie zu führen, bedarf es den Mut, auch mal gegen den Strom zu schwimmen. Zu zeigen, dass nicht alles glatt läuft, dass uns Fehler unterlaufen, wir traurig sind und manchmal nicht wissen, wie es weitergeht.

Ist der Sinn des Lebens nicht auch, sich selbst in all seinen Facetten anzunehmen? Macht es uns nicht menschlicher, verletzlich und „unvollkommen“ zu sein? Zeigt sich nicht gerade bei Fehltritten unsere menschliche Reife?

Ein starkes Selbstwertgefühl

Da Pleiten, Pech und Pannen am Selbstbewusstsein nagen, ist eine Reaktion der Offenheit vielleicht ungewohnt. Doch je mehr wir Fehlschläge beiseite schieben, desto größer wird der Druck. Hier zeigt sich die Schattenseite des Erfolgs, denn das Leben ist keine Einbahnstraße.

Es erfordert ein starkes Selbstwertgefühl, sich Enttäuschungen einzugestehen. Auf der anderen Seite wirkt es unheimlich entspannend, nicht alles richtig machen zu müssen. Die Freude am Ausprobieren kann uns sogar für das Misslingen am Ende entschädigen.

Bei Gesprächen finde ich es zum Beispiel interessant, ob mein Gegenüber sich überwiegend im besten Licht verkauft, oder ob sie bzw. er auch Schattenseiten anspricht. So kann die Frage „Was war dein unrühmlichstes Erlebnis?“ sehr aufschlussreich sein.

Wofür wollen wir unsere Energie nutzen?

Wenn wir beginnen, uns weniger zu verbiegen, befreien wir auch unsere Mitmenschen ein Stück von dem enormen Druck, erfolgreich sein zu müssen. Die Energie, die es erfordert, sich zu verstellen, können wir alle sinnvoller einsetzen.

Nun mögen manche einwenden, dass das Eingestehen von Fehlern in der Firma einer Bankrotterklärung gleicht. Wenn das bei Ihnen so ist, üben Sie halt im privaten Umfeld.

Wie so oft steht am Anfang die Erkenntnis. Jetzt gilt es, sofern es für Sie passt, den neuen Gedanken in den Alltag zu integrieren.

Zu wissen, dass Veränderung möglich ist, und der Wunsch, Veränderungen vorzunehmen, sind die ersten großen Schritte, den eigenen Reichtum zu entdecken.

About the Author

Joachim HilbertJoachim Hilbert Vor 10 Jahren begann meine Reise nach Innen, denn ich suchte Antworten auf 3 Fragen. Was berührt mich? Woran habe ich Freude? Was verleiht meinem Leben Sinn? Dafür gibt es natürlich keine allgemein gültigen Lösungen. Mit meinen Artikeln möchte ich anregen, Antworten auf diese Fragen zu finden und hinter die Fassaden und Gewohnheiten zu schauen, damit sich unser innerer Reichtum offenbart. VisionView all posts by Joachim Hilbert

  1. Sandra09-13-2013

    Dankeschön für diesen offenen und ehrlichen und mutmachenden Beitrag. Ich lebe auch lieber mein eigenes Leben, folge meinem eigenen Herzen und mache meine eigenen Erfahrungen (ich möchte sie nicht „Fehler“ oder „Niederlagen“ nennen), als nur – wie noch vor 5 Jahren – mit dem Strom zu schwimmen, Meinungen wiederzukäuen und mein Leben nicht wirklich zu er-leben und zu spüren. Das Leben ist schön für den, der es selbst in die Hand nimmt. Alles Gute. Und schönes Wochenende. Sandra

  2. Matthias09-14-2013

    Nicht erfolgreich sein zu müssen ist auch ein Erfolg. Erfolg ist für mich etwas was positiv besetzt ist. Er- folg Dinge die ich angehe erfolgen durch mein proaktives handeln, denken ….
    Erfolg beinhaltet auch Erfüllung. Fülle sich zu erschaffen kann doch was schönes sein =)

    LG

    Matthias

  3. Ralf09-15-2013

    Wirklich toller Artikel. Wenn ich neue Leute kennenlerne und die mir nur alles in den schönsten Farben und ohne Nachteile erzählen langweile ich mich. Oder wende mich ab. Weil unglaubwürdig oder schon wieder gut angelogen worden sein.

  4. Richard04-27-2015

    Klar gibt es immer auch einen Schatten. Beim Erfolg habe ich etwas verursacht, das dann folgt. Hätte ich das nicht so verursacht, dann hätte ich bestimmt etwas verursachen können, das nun nicht folgte. Ich habe mich auf etwas fokussiert und auf anderes eben nicht.

    Nun setzten beim Thema Erfolg natürlich auch Verstand und EGO ein und fangen an zu werten und vergleichen. Und das EGO kann eben gut anderen EGOs etwas verkaufen, weil sich die anderen EGOs auch aufwerten wollen. Und EGOs werfen besonders drastische Schatten. Sie schauen herab von da oben, werden auch einsam und abhängig davon, dass der Erfolg weiter geht. Und schon macht Erfolg einsam und unfrei.

Wie lautet Ihre Meinung?