SichAnnehmen

Sich annehmen

Unser Selbstbild entscheidet in einem hohen Maße, wie wir etwas erleben und was wir uns zutrauen. Gehen wir respektvoll mit uns um und schätzen die eigenen Fähigkeiten, entsteht Vertrauen. Wir wachsen mit den Aufgaben und sogar Missgeschicke werfen uns nicht aus der Bahn.

Das Gegenteil trifft leider auch zu. Ein geringes Selbstwertgefühl führt dazu, dass wir oft nach Bestätigung im Außen suchen und uns für Fehler kritisieren. Wir leben in einem fortwährenden inneren Konflikt.

Niedriges Selbstwertgefühl ist kein Makel, mit dem wir geboren werden. Diesen Mangel an Liebe haben wir meistens in jungen Jahren erlernt. Genauso können wir jetzt trainieren, uns mit mehr Achtung zu begegnen. Natürlich wird sich der Wandel nicht von heute auf morgen vollziehen. Wie mit vielen persönlichen Veränderungen bedarf es Training und Geduld.

Der Glaube an den eigenen Wert

Wichtig ist, sich seiner Einzigartigkeit bewusst zu werden. Anders zu sein, macht unseren besonderen Wert für die Gemeinschaft aus. Aufgrund der Gemeinsamkeiten findet Begegnung statt. Dank unserer Einzigartigkeit ist das Zusammensein eine Bereicherung. Wir sind nicht besser als andere, sondern jeder bringt seine individuellen Fähigkeiten mit ein.

Wie genau wir uns kennen lernen, ist von entscheidender Bedeutung für unsere Selbstachtung. Woher kommen die Bilder und Anforderungen, denen wir meinen, entsprechen zu müssen? Möchten wir diesen Maßstäben weiter gerecht werden? Wie fühlen wir uns damit?

Schauen Sie sich Ihre Gedanken an

Ein grundlegender Aspekt ist die Wahrnehmung des inneren Dialoges. Wie reden Sie mit sich? Welche Worte benutzen Sie? Spricht ständig der Mahner und unbarmherzige Richter zu Ihnen, wird es schwierig, ein gesundes Selbstvertrauen aufzubauen. Abwertende Begriffe wie Trottel oder Versager hinterlassen Spuren, weil Sie uns uns als Person abwerten. Wenn uns etwas im Moment nicht gelingt, kann das ärgerlich sein. Trotzdem ist es eine Momentaufnahme, ein Lernversuch. Das nächste Mal probiere ich halt etwas anderes.

Liebe ist nicht an Bedingungen gebunden

Selbstachtung hat aus meiner Sicht wenig mit äußerer Leistung zu tun. Ich brauche nicht mehr zu verdienen, mehr Freunde um mich zu versammeln, um ein akzeptablerer Mensch zu sein. Viele Menschen meinen, sich die Liebe erst verdienen zu müssen. Vielleicht resultiert dieses Verhalten aus unserer Kindheit, wo wir glaubten, lieb und brav sein zu müssen, damit uns unsere Eltern mochten. Doch lieben wir unsere Kinder, Partner und Freunde nur, wenn sie nett sind? Liebe und Achtung sind der fruchtbare Boden, auf dem unser Selbstwertgefühl wachsen kann.

Alles was ich machen kann, ist immer ich selbst zu sein, egal wer das sein mag. – Bob Dylan

Fehler sind ein Teil des Weges

Natürlich läuft im Leben nicht alles nach Wunsch. Daher trägt der Umgang mit Kritik entscheidend zum eigenen Wohlbefinden bei. Fühle ich mich als Person angegriffen oder hinterfrage ich mein Verhalten wenn etwas schief läuft? Mein Vorgehen kann ich variieren. Ich probiere, bis ich mit dem Resultat zufrieden bin. Ein ganz normaler Vorgang, wenn wir etwas Neues lernen. Fühle ich mich dagegen als Person angegriffen und bestrafe mich womöglich noch mit Vorwürfen, untergrabe ich mein Selbstwertgefühl.

Cool sein ist nicht angesagt

Um uns zu akzeptieren, ist es von entscheidender Bedeutung, sich die eigene Verletzlichkeit einzugestehen. Ein Prozess der wahrscheinlich am Schmerzlichsten ist. Geben Sie sich die Erlaubnis fehlerhaft, ängstlich und unsicher zu sein. Auch wenn sich diese Emotionen nicht gut anfühlen, sind sie ein Teil des Lebens. Und indem wir sie annehmen, nehmen wir einen weiteren Teil unser Persönlichkeit an.

Sich annehmen und weiter zu wachsen, ist kein Widerspruch. Wir sind heute genau richtig entsprechend unserer Möglichkeiten. Jeder Tag bietet weitere Chancen, damit wir neue Dinge erkennen, lernen und erfahren. So erweitern wir unsere Fähigkeiten und den eigenen Handlungsspielraum. Das ist wunderbar, weil wir immer mehr Optionen haben, auf die Unwägbarkeiten des Lebens zu reagieren.

Die eigene Wertschätzung wirkt wie die Sonne. Sie wärmt und spendet Licht. Vielleicht frösteln wir noch eine Zeit, doch auf Dauer können wir uns ihrer Wirkung nicht entziehen.

About the Author

Joachim HilbertJoachim Hilbert Vor 10 Jahren begann meine Reise nach Innen, denn ich suchte Antworten auf 3 Fragen. Was berührt mich? Woran habe ich Freude? Was verleiht meinem Leben Sinn? Dafür gibt es natürlich keine allgemein gültigen Lösungen. Mit meinen Artikeln möchte ich anregen, Antworten auf diese Fragen zu finden und hinter die Fassaden und Gewohnheiten zu schauen, damit sich unser innerer Reichtum offenbart. VisionView all posts by Joachim Hilbert

  1. Christiane Windhausen06-07-2013

    Unseren eigenen Wert können wir uns im Grunde nicht selber verleihen. Für die Wertschöpfung des eigenen Wertes brauchen wir die Anderen. Und zwar als Resonanzraum und Spiegel. Um zu spüren, wer wir sind – gerade wenn wesentlichen Aspekte von uns erst einmal ins Unsichtbare geschoben worden sind.
    Je älter ich werde, umso mehr erkenne ich den Segen dieser verzögerten Sichtbarkeit. Wenn wir uns Talente bewusst und freiwillig aneignen, Offenbaren sie in der Regel ungeahnte Schätze – nicht nur für uns, sondern für das Ganze… Alles hat seine Zeit, und unsere Selbstzweifel schenken uns Demut und die Freude am Dienen.
    Der eigene Wert wächst und entsteht also im Beziehungsraum. Allerdings nicht von alleine und nicht automatisch. Es braucht unsere Bereitschaft, anzuerkennen, dass Andere mehr von uns sehe, als wir selbst. Und zu nehmen, was gut ist – und zwar bis in den Grund. Wenn uns das gelingt, können wir über uns hinaus, in uns hinein und gemeinsam mit anderen wachsen. Das ist für mich pures Glück.

    • Joachim06-07-2013

      Vielen Dank für die schönen und tiefgründigen Gedanken.
      Wir Menschen sind soziale Wesen und brauchen einander, um zu leben und zu wachsen. Um das Leben zu verstehen, dürfen wir nach Außen und nach Innen schauen.

  2. Mareike Stegie02-06-2014

    Sich selbst zu erkennen und für sich zu akzeptieren das man ein wertvoller Mensch ist der es verdient geliebt zu werden,der sich um sich und nicht immer um andere kümmert, kann viel mehr geben als jemand der sich minderwertig fühlt. Ich denke das Prinzip „liebe erst dich selbst, dann kannst du andere lieben“, ist grundlegend für das Selbstwertgefühl.
    Wenn man zuerst den glauben an sich verloren hat und nach und nach erkennt welche Fähigkeiten einem innewohnen ob sie nun praktisch oder emotional sind, dann beginnt man sich zu akzeptieren. Und erst wenn man sich selbst akzeptiert kann man auf andere zugehen.
    Diese Erfahrung die nicht sehr angenehm war, habe ich durchgemacht.
    Heute weiß ich welche Fähigkeiten in mir stecken und wie liebevoll ich mit Mitmenschen umgehen kann. Die Meinung anderer ist natürlich wichtig, und ich berücksichtige sie, doch zuletzt liegt es in mir ob ich ein klares Nein sage, und vielleicht nicht so „cool“ bin, als mich zu verbiegen und Ja sage, wo es sich mit meinem Gefühl widerspricht.

  3. Stephan Wiessler05-23-2014

    Das ist ein tiefes und essentielles Thema. Viele suchen im außen nach Annerkennung und Liebe.
    Ich stimme überein, dass wir andere dafür brauchen, unseren Selbstwert festzulegen und doch liegt es bei uns selbst uns diesen zu geben!

  4. Richard04-27-2015

    Wertschätzung ist ein Zustand, wie Liebe oder Dankbarkeit. Ich kann grundlos dankbar sein, grundlos lieben, so kann ich auch grundlos und unabhängig wertschätzen, egal was ist. Ich kann vergeben. Die Gedanken hängen wohl ab von meinem Zustand und die Gedanken können meinen Zustand beeinträchtigen. Doch in den Momenten, in denen ich hellwach bin , kann ich wählen, welche Bedeutung ich meinen Gedanken gebe, den negativen und den positiven.

    Bin ich ein wertschätzender Mensch, so schätze ich auch mich selber. Natürlich haben auch die Menschen um mich eine Wirkung auf meinen Zustand, genauso wie meine Selbstgespräche. Doch mein Zustand muss nicht davon abhängen, was sie tun und sagen. Ich kann auch die Bedeutung, dieser Menschen für mich wählen, wenn ich hell wach bin und ich mir die Zeit nehme.

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