junger Mann der eindringlich in die Kamera guckt

Klartext reden

Verläuft ein Gespräch nicht so reibungslos wie erhofft, macht es wenig Sinn, das auf Dauer zu ignorieren. Gerade Menschen, die Konflikte scheuen, neigen dazu, die Situation zu überspielen und ihren Ärger herunterzuschlucken. Im Gegensatz zu offenem Streit neigen wir bei kleineren Unstimmigkeiten dazu, ein Auge zuzudrücken. Der Harmonie wegen halten wir lieber still. Doch tun wir uns damit einen Gefallen?

Lässt man uns zum Beispiel nicht Ausreden, mag das bei der ersten Unterbrechung ein Versehen sein. Danach ist in der Regel Klartext angesagt. Sprechen wir lieber rechtzeitig an, was uns irritiert, bevor Ärger die Atmosphäre vergiftet, denn wir reagieren in der Regel umso explosiver, je länger wir unsere Wut unterdrücken.

Von sich sprechen

Sagen Sie möglichst frühzeitig in neutralen Worten, was Sie stört. Dabei ist es wichtig, von den eigenen Empfindungen zu reden. Wurde uns zum Beispiel häufiger das Wort abgeschnitten, können wir das folgendermaßen zum Ausdruck bringen: „Mir ist es wichtig, dass ich ausreden kann. Ansonsten habe ich Gefühl, nicht richtig verstanden worden zu sein.“ Oder: „Bevor ich meinen Gedankengang nicht zu Ende gebracht habe, kann ich mich schwer auf Ihre Worte konzentrieren.“

Bringen Sie bitte am Anfang nicht zum Ausdruck, was der andere ändern soll. Ein vorwurfsvolles „Du unterbrichst mich ständig!“ wird selten klaglos hingenommen, denn jeder wahrt gerne sein Gesicht. Das gilt vor allem, wenn weitere Personen anwesend sind.

Wenn ich dir eine Frage stelle und du schleichst um sie herum, weil du denkst, deine Antwort würde mich verletzen, dann respektierst du weder dich noch mich.
– Byron Katie

Atempause

Es gibt wohl nur wenige Menschen, denen die eigenen Empfindungen gleichgültig sind. Geben Sie deswegen Ihrem Gegenüber einen Moment Zeit, das Gesagte auf sich wirken zu lassen. Ein weiterer Redeschwall bringt in der Regel wenig zusätzliche Klarheit.

Oftmals ist den Beteiligten gar nicht bewusst, dass etwas schief läuft. Vielleicht hat Ihr Gesprächspartner gar nicht bemerkt, dass er Sie häufig unterbricht. Dann reagiert er wahrscheinlich erstaunt auf Ihren Einwand und braucht erst einmal Zeit, die Situation neu zu bewerten.

Gemeinsamkeiten finden

Da keine zwei Menschen gleich sind, ist es leicht, sich über Unterschiede zu ärgern. Doch das bringt ein Gespräch nicht weiter. Versuchen Sie deshalb, ein gemeinsames Ziel herauszuarbeiten. Gibt es das nicht, macht ein weiterer Austausch erst einmal wenig Sinn.

Natürlich kann ein Gespräch bewusst sabotiert werden. Auch dann stehen wir nicht wehrlos da. Wir können zum Beispiel fragen, was unser Gesprächspartner von dem Gespräch erwartet. Spätestens hier muss Farbe bekannt werden.

Manchmal macht eine Auszeit Sinn. Kochen zum Beispiel die Emotionen hoch oder Sie stimmen noch nicht in wichtigen Punkten überein, verschieben Sie die Unterhaltung am besten auf einen günstigeren Zeitpunkt. So hat jeder Zeit, in sich zu gehen. Gute Voraussetzungen für einen weiteren konstruktiven Anlauf.

Selbstverantwortung

Ob unser Gegenüber Informationen annimmt, haben wir natürlich nur begrenzt in der Hand. Wir geben auf jeden Fall unser Bestes, indem wir aufmerksam Zuhören sowie unsere Wünsche und Bedürfnisse klar zum Ausdruck bringen.

Abhängig vom eigenen Befinden, ist es manchmal anstrengend, klare Worte zu finden. Doch auch wenn wir keine einvernehmliche Lösung finden, haben wir etwas erreicht. Wir haben Verantwortung für uns und die Situation übernommen.

Kritik – Die Kunst der klaren Worte

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Joachim HilbertJoachim Hilbert Vor 10 Jahren begann meine Reise nach Innen, denn ich suchte Antworten auf 3 Fragen. Was berührt mich? Woran habe ich Freude? Was verleiht meinem Leben Sinn? Dafür gibt es natürlich keine allgemein gültigen Lösungen. Mit meinen Artikeln möchte ich anregen, Antworten auf diese Fragen zu finden und hinter die Fassaden und Gewohnheiten zu schauen, damit sich unser innerer Reichtum offenbart. VisionView all posts by Joachim Hilbert

  1. Richard04-27-2015

    Sagen wir`s mal so. Wenn ich Klartext brauche, dann ist die Stimmung meist hinüber. Die Herzlichkeit dahin. Habe ich was wichtiges zu sagen, das nicht warten kann, dann kann ich auch mal die Stimme erheben und sagen, dass ich was wichtiges zu sagen habe. Es hängt wohl von der Art des Treffens ab. Klare Fakten werden zuweilen benötigt. Dann sollte man sich darüber einig sein und es auch klar sagen. Aber wenn ich beleidigt bin, sollte ich zuerst bei mir selber suchen, warum das so ist.

    Doch mit nur klaren Worten transportieren wir wenig Gefühl und die Kommunikation von Mensch zu Mensch ist oberflächlich und kopflastig. Besonders Gespräche mit Frauen brauchen meist eine Tiefe, die nicht mit Inhalt transportiert wird. So lassen sich Fragen des Augenblickes und kleine Schritte stimmig vereinbaren. Männer wollen öfter klare Ansagen, Zusagen, Abmachungen und Pläne, die dann auch eine grössere Weile Bestand haben. Die Missverständnisse zwischen Mann und Frau sind dann auch offenkundig, auch wenn es den beiden nicht bewusst ist.

    • Joachim Hilbert04-27-2015

      Wieso muss die Stimmung hinüber sein, wenn ich anspreche, was mich irritiert? Für mich geht es um Klarheit, um Offenheit. Und das hat mit Respekt zu tun. Mir gegenüber und meinem Gesprächspartner bzw. Partnerin.

      Natürlich ist Mitgefühl wichtig. Aber ohne Klarheit wirkt vieles schnell Gefühlsduselig. Und kann ich meinem Gegenüber nicht zumuten, was mich bewegt?

      • Richard04-28-2015

        Ich glaube, es geht hier mehr um Präsenz denn Klarheit und um den Schmerz unter einer schwachen Präsenz. Natürlich darf jeder sich mitteilen, wie er sich fühlt. Das ist wohl immer noch besser, als verstockt und missmutig zu zu werden. Doch ändert dies nichts daran, dass ich damit den Gefühlsfluß bremse, die Leute müssen ihre Gefühle drosseln und vorsichtig agieren, damit ich nicht verletzt bin. Die Stimmung ist nicht mehr die selbe, alle sind weniger offen. Tun sie dies von vorne herein, dann habe ich sie bereits herunter gezogen. Da ich nun mal eine schwächere Präsenz habe, sollte ich dies einfach so lassen und nicht gegen die Situation kämpfen. Es ist auch so OK. Doch ist dies wohl ein typisches Beispiel, wie wir mit dem Verstand agieren. Der Verstand meint, es solle anders sein und er möchte die schwache Präsenz , die mich schmerzt, überdecken, indem er schuldige findet, die besser Regeln beachten sollten.

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