Notenblatt

Taktlos – Widerstand garantiert

Es gibt ein paar Verhaltensweisen, mit denen fast jede Kommunikation ins Stocken gerät. Wo eben noch eine angeregte Unterhaltung im Gange war, hat sich auf einmal die „Zimmertemperatur“ merklich abgekühlt.

Niemand lässt sich gerne beschuldigen. Deswegen vergiften Vorwürfe die Atmosphäre und provozieren Unmut. Vorwürfe entstehen oft aufgrund eigener enttäuschter Erwartungen. Doch anstatt den eigenen Massstab zu überprüfen, lassen wir unserem Frust freien Lauf und beschuldigen andere.

Hinzu kommt, dass Anschuldigungen leicht eine destruktive Spirale in Gang setzen. Fühlt sich unser Gegenüber getroffen, holt dieser gerne zum Gegenschlag aus, den wir dann „verdauen“ dürfen.

Du da unten, ich hier oben

Wer sich nachhaltig unbeliebt machen möchte, setzt auf Forderungen und Drohungen. Indem wir unliebsame Konsequenzen in Aussicht stellen, falls unsere Forderungen nicht erfüllt werden, bauen wir Druck auf. Für weitere Missstimmung sorgt dabei die Rollenverteilung: Du da unten und ich hier oben. Weil ich so „mächtig“ bin, lasse ich dich das jetzt spüren. Mit der Folge, dass Angst und Wut entstehen.

Was erfüllen Sie lieber: Eine Bitte oder eine Forderung? Ich denke, die Antwort liegt auf der Hand. Sobald wir den Eindruck haben, nicht wirklich die Wahl zu haben, sinkt die Lust zu geben rapide.

Das ärgerlichste am Ärger ist, dass man sich schadet, ohne anderen zu nützen. – Kurt Tucholsky

Ich der Richter

Weit verbreitet ist leider auch die pauschale, negative Kritik. Sie (ver)urteilt und entwertet, vor allem in Gegenwart anderer. Leicht zu erkennen ist sie an Verallgemeinerungen wie „immer“ oder „nie“. „Immer kommst du zu spät.“ „Mit dir wird das nie etwas.“ Fühlen Menschen sich aufgrund der Nörgelei als Person in Frage gestellt, eskaliert schnell die Situation. Jetzt geht es nicht mehr um sachliche Argumente, sondern sich zu behaupten.

Widerstand garantiert

Unterschiedliche Denkweisen sind normal und bereichern die Sicht von der Welt. Doch jeder möchte respektiert werden und sein Gesicht waren. Und genau das ist mit unsensiblem, taktlosem Verhalten schwer vereinbar. Mit Vorwürfen, Drohungen und entwertender Kritik reagiere ich in erster Linie meinen Ärger ab und erspare mir die Mühe, mein Gegenüber zu verstehen. Ich schmeiße ihm/ihr meine Gefühle vor die Füße. Sollen sie doch zusehen, was sie damit machen. Natürlich kommt so keine Anerkennung und Wertschätzung herüber.

Miteinander

Doch wie lassen wir denn nun unseren Unmut heraus? Irgendwie möchte ich mein Anliegen ja los werden. In erster Linie ist es wichtig, von sich und seinen Gefühlen zu reden. „Ich habe mich geärgert, weil ich davon ausgegangen bin …“ „Ich bin wütend, weil ich dich so verstanden habe …“ Jetzt weiß der andere, wie es uns geht und warum. Darüber lässt sich schon eher reden.

Mache ich zusätzlich ein Angebot, wie die Situation möglicherweise verbessert werden kann, ist ein weiterer Schritt in Richtung Lösung getan. Jetzt kann mein Gegenüber mit entscheiden und vor allem eigene Ideen mit einbringen. So sind beide Parteien an der Lösungsfindung beteiligt und fühlen sich hinterher höchstwahrscheinlich auch verpflichtet, sie umzusetzen.

About the Author

Joachim HilbertJoachim Hilbert Vor 10 Jahren begann meine Reise nach Innen, denn ich suchte Antworten auf 3 Fragen. Was berührt mich? Woran habe ich Freude? Was verleiht meinem Leben Sinn? Dafür gibt es natürlich keine allgemein gültigen Lösungen. Mit meinen Artikeln möchte ich anregen, Antworten auf diese Fragen zu finden und hinter die Fassaden und Gewohnheiten zu schauen, damit sich unser innerer Reichtum offenbart. VisionView all posts by Joachim Hilbert

  1. waltraud aouida12-23-2012

    Wer Menschen in seinem Sinne lenken möchte, muss verstehen, dass der einzige Weg zur Macht über Lob und positive Worte führt. Das ist eine Tatsache, die für den General einer großen Armee gleichermaßen gilt wie für den Chef einer Firma.
    Was aber ist nun Macht?
    Vereinfacht gesagt, die Fähigkeit, andere Menschen dazu zu bringen, in unserem Sinn und Interesse zu handeln.
    Macht ist aber nicht im Körper, Macht ist nur im Kopf. Es ist nicht so, das starke Menschen automatisch auch mächtig sind. Macht hat, wer sich seiner Wirkung auf andere und seiner Fähigkeit, diese zu beeinflussen, bewusst ist.

    • Veronika10-27-2015

      Charisma ist Macht. ‚Was macht charismatisch? Kongruenz. Kongruenz ist weder gut noch schlecht.
      Macht hat der „Teufel“, Macht hat auch „Gott“. Kongruente Liebe ist mächtig, Angst ist mächtig. Und beide bedingen sich. Licht kann nicht ohne Schatten. Licht und Schatten sind wertfrei. Die Frage ist doch, womit kannst Du wirklich und nachhaltiger führen (wenn Du führen willt – anderes Thema): Die logische Antwort ist Liebe – denn danach sehnt sich jeder …. Aber es MUSS konkruente Liebe sein. Liebe, die alle mit einschließt und keinen Eigennutz verfolgt, sondern diént. Dann bist Du Führer, nicht Verführer. Und ich kenne nur wenige, die dieses Format haben …. Es sind meine Vorbilder. Und ich übe. In meiner Familie, in meinem Umfeld ….

  2. Ulrike Szoska02-14-2014

    Wenn ich meine Eigenmacht fühle und lebe, brauche ich keine Macht über andere.

    Lob und Tadel sind Mittel der Manipulation.

    Natürliche Autorität hat mit dem Herzen zu tun.

  3. Margit Rijks01-12-2015

    Macht ist Macht. Sie ist weder gut noch schlecht, man kann sie gegen jemanden verwenden oder für jemanden. Mit einem Messer verhält es sich genauso, man kann damit töten oder Brot schneiden. Manipulation findet immer statt, wenn ich lache oder weine, wenn ich laut bin oder leise, alles was ich mache oder sein lasse, hat eine Wirkung auf unsere Umwelt, also manipuliere ich immer, ob bewusst oder unbewusst.

  4. Richard05-25-2015

    Anklagen, verurteilen, beschimpfen … diese Energie kommt so zurück und das Ganze läuft auf Kampf und Ablehnung hinaus. Besser ist ein Ungleichgewicht, das einen Druck. So nähern wir uns tatsächlich der Meisterschaft im Dialog, wenn wir allzeit Wertschätzung aufrechterhalten können und das Bewusstsein darauf fokussieren können, wie es mir geht.

    Natürlich kommen wir trotzdem nicht an den Fakten vorbei und auch ein Einlenken in meine Empfindlichkeit hat ihren Preis.

  5. Veronika10-27-2015

    Soll: die Macht den Reifen.
    Ist: ? :) Aber das Leben verspricht nichts mehr als das Leben. Also kommt damit klar und und (M)macht des besser …..

Wie lautet Ihre Meinung?