Achtsamkeit

Thomas Hohensee – Die Kostbarkeit des Augenblicks

Wenn wir ins uns schauen, werden wir achtsamer für unsere Empfindungen und Bedürfnisse. Wir nehmen das Auf und Ab unserer Gefühle war. Das ist oftmals der erste Schritt zu mehr Gelassenheit.

Thomas Hohensee hat sich schon lange für Psychologie interessiert. Vor allem wollte er wissen, wie man ein glückliches, gelassenes Leben führen kann. Zum Beruf des Autors und Coach kam Thomas Hohensee auf Umwegen. Zunächst studiert er Rechtswissenschaft und arbeitete als Jurist. Doch damit war er auf Dauer nicht zufrieden. So begann er eine Ausbildung am Deutschen Institut für Rational-Emotive und Kognitive Verhaltenstherapie und wechselte den Beruf. Pünktlich zur Jahrtausendwende fing Thomas Hohensee an, Bücher zu schreiben und als Coach zu arbeiten. Die Gesamtauflage seiner Bücher beträgt mehrere Hunderttausend und sind in sieben Sprachen übersetzt.

Herr Hohensee, in Ihren Büchern spielt der Buddhismus eine wichtige Rolle. Wie sind Sie dazu gekommen?

Erich Fromm hat in seinem Buch „Haben oder Sein“ über die Lehre des Buddha geschrieben und im Literaturverzeichnis ein Buch von Nyanaponika erwähnt. Das habe ich mir besorgt. Das war 1979 oder 1980. Damals führten „normale“ Buchhandlungen keine Bücher über Buddhismus. Also war es gar nicht so einfach, es zu finden. Ein Buchladen in Berlin mit „okkulter“ Literatur hatte es im untersten Regalfach. Die kannten sich aber aus und fragten, ob ich auch den Kommentar zu dem Buch haben wollte. Das war ein kleiner Begleitband zu „Geistestraining durch Achtsamkeit“. Nyanaponikas Buch sprach mich sehr an. Ich habe es gleich mehrmals gelesen, was ich sonst selten tue.

Buddhismus klingt für viele Leute erst einmal exotisch. Ist die Lehre aus dem Fernen Osten überhaupt auf unseren westlichen Lebensstil übertragbar?

Ja, allerdings muss man sich von den äußeren Formen und Riten lösen. Die Lehre des Buddha hat im Kern weder etwas mit gelben, roten oder orange Mönchsroben noch mit Glatzen oder mit dem formelhaften Auswendiglernen der Lehrreden zu tun. Leider fühlen sich manche gerade von der fernöstlichen Exotik, also den Äußerlichkeiten, angezogen. Das verstellt den Blick auf das Wesentliche. Der Kern der Buddha-Lehre geht jeden an, nämlich wie befreit man sich vom Leiden oder wie man heute eher sagen würde vom allgegenwärtigen Stress.

Was bedeutet Achtsamkeit für Sie? Wie leben Sie es im Alltag?

Achtsamkeit bedeutet, im Augenblick zu leben. Das heißt, wahrzunehmen, was gerade passiert, innen und außen. Im Äußeren, was man sieht, hört, spürt, schmeckt, riecht und was man tut. Und im Inneren, was man denkt und fühlt.

Manche glauben, dass dabei keine Gedanken erlaubt seien. Das stimmt nicht. Es kommt nur darauf an, sich bewusst zu sein, was man denkt.

Absolute, ununterbrochene Aufmerksamkeit ist unmöglich. Menschen sind nicht perfekt. Das entspricht der buddhistischen Lehre: Nichts ist vollkommen. Deshalb kann auch die Achtsamkeit nicht vollkommen sein.

 


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Heutzutage gibt es so viele Ratgeber für ein besseres und glücklicheres Leben. Uns steht so viel Wissen zu Verfügung und doch scheint das nicht allein zu reichen. Was ist Ihrer Ansicht nach der Grund für den großen Bedarf an Orientierung in Sachen Lebensführung?

Diesen Bedarf gab es zu allen Zeiten. Eines der ältesten Bücher, das Lebensregeln, Ermutigung und Trost vermitteln soll, ist in der westlichen Welt die Bibel. Die Texte des Alten Testaments sind über 3000 Jahre alt. Daneben waren bis in die jüngste Zeit wenig Alternativen vorhanden. Für Gebildete vielleicht noch die griechische und römische Philosophie.

Der Bedarf an Lebenshilfe und Beratung entsteht dadurch, dass das Leben nicht einfach ist. Es ist durch Veränderungen gekennzeichnet und diese bringen ständig neue Probleme mit sich. Allein der Lebensweg des Menschen vom Baby bis zum Greis bedeutet unaufhörlichen Wandel. Jede Lebensphase verlangt neue Anpassungen.

Das ist für keinen leicht zu ertragen, besonders wenn man darauf besteht, dass das Leben frei sein müsse von Schmerzen, Enttäuschungen, Ängsten und Ärgernissen. Solange die Mehrzahl der Menschen nicht auf konstruktive Weise damit fertig wird, geht die Suche weiter.

Wie lange muss man ungefähr üben, damit mehr Gelassenheit einkehrt?

Es kommt darauf an, wie intensiv man übt. Die neuen, entspannteren Denk- und Verhaltensweisen müssen so lange wiederholt werden, bis eine neue Gewohnheit entstanden ist. Das dauert Wochen oder Monate.

Ist Schriftsteller zu sein wirklich ein Traumberuf? Was war Ihr Traumberuf als Kind?

Die Menschen haben unterschiedliche Interessen, Bedürfnisse und Talente. Deshalb kommen im Prinzip alle Berufe als Traumberufe in Betracht. Es wäre zu einseitig, immer nur an Schauspieler, Schriftsteller oder Piloten zu denken.

Damit Bücher schreiben zum Traumberuf wird, muss man es lieben, jeden Tag viel zu lesen und zu schreiben. Das war bei mir als Kind schon so. Ich habe mich aber erst nach einigen beruflichen Umwegen wieder daran erinnert.

Wie lange arbeiten Sie in der Regel an einem Buch? (Recherche, Gliederung, Schreiben, Korrektur, usw.)

Ich mache häufig Notizen, schreibe Ideen für Bücher auf und gehe meinen Interessen nach. Bis sich das zu einem Buchprojekt konkretisiert, vergeht sehr viel Zeit. Der eigentliche Schreibprozess geht viel schneller: ein paar Monate.

Wie erleben Sie ein Buchprojekt? Sich mit einem Thema so intensiv zu befassen, hinterlässt sicherlich Spuren.

Es interessiert mich mehr, Antworten auf meine Fragen zu finden und Probleme zu lösen. Wenn ich die Antwort kenne, finde ich das Aufschreiben nicht mehr so spannend. Aber es ist okay. Es macht auch Spaß. Aber nicht so sehr wie Lesen, Lernen und Forschen. Spuren hinterlässt es in jedem Fall. Die Lösung eines Problems bringt mich persönlich weiter. Ich finde mit der Zeit immer bessere Antworten auf meine Fragen.

Viele Menschen haben dieselben Fragen und lesen meine Bücher. Ich höre oft, dass sie meine Ideen nützlich finden. Dann weiß ich, dass es sich gelohnt hat, sie aufzuschreiben.

Was muss man Ihrer Ansicht nach mitbringen, um selber erfolgreich zu schreiben? Ich finde es auf jeden Fall sehr mutig, ein Buch zu veröffentlichen, bei der immensen Konkurrenz heute.

Die Konkurrenz ist zwar groß, aber Verlage sind immer auf der Suche nach neuen Manuskripten. Die Leser interessieren sich für neue Geschichten und Antworten.

Was heißt erfolgreich schreiben? Es beginnt damit, dass man eine Idee hat und diese aufschreibt. Wenn einem das Ergebnis gefällt, ist das der erste Erfolg. Wenn es anderen etwas sagt und sie es gerne lesen, ist das der nächste Erfolg. Je mehr Menschen man erreicht, desto erfolgreicher wird man.

Die meisten AutorInnen lesen sehr gerne. Mit der Freude am Lesen fängt es an. Schriftsteller wird man, indem man viel schreibt. Ein einziges Buch reicht nur in Ausnahmefällen. Man braucht ein anhaltendes Interesse, Geschichten oder Antworten mit anderen zu teilen. Ein Sinn für die kommerzielle Seite des Schreibens schadet auch nicht.

Was sind Ihre Wünsche und Ziele für 2013?

Ich denke nicht in Jahren. Ich kenne die Richtung, in die ich gehen will. Ich weiß, wie ich mich weiterentwickeln möchte, beruflich und privat. Aber das mache ich nicht an einem einzelnen Jahr fest. Ich sehe das Leben eher als einen Fluss. Wo fängt der an, wo hört der auf? Man kann ihn in Kilometern messen oder in Abschnitte einteilen. Aber letztlich ist das willkürlich. Das Leben, jeder Tag, jeder Augenblick ist wichtig.

Außerdem bin ich nicht besessen von meinen Wünschen und Zielen. Ich lasse mich häufig einfach treiben. Mir macht das Spaß. Ich komme trotzdem (oder gerade deshalb?) dahin, wo ich hin möchte. Sonst würde ich keine Bücher über Gelassenheit oder das Faulsein schreiben. Ich habe Zeit und tue das, was ich mag, von Augenblick zu Augenblick.

www.thomas-hohensee.com

About the Author

Joachim HilbertJoachim Hilbert Vor 10 Jahren begann meine Reise nach Innen, denn ich suchte Antworten auf 3 Fragen. Was berührt mich? Woran habe ich Freude? Was verleiht meinem Leben Sinn? Dafür gibt es natürlich keine allgemein gültigen Lösungen. Mit meinen Artikeln möchte ich anregen, Antworten auf diese Fragen zu finden und hinter die Fassaden und Gewohnheiten zu schauen, damit sich unser innerer Reichtum offenbart. VisionView all posts by Joachim Hilbert

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