Tag für Tag erleben wir Konflikte im persönlichen Umfeld, im Beruf, in den Medien oder mit uns selbst. Die Art der Auseinandersetzungen können vielfältig sein: Verbal, nonverbal, heimtückisch bis hin zur offenen Gewalt.

Ein jeder von uns erlebt diese Spannungen. Und je stärker diese Spannungen werden, desto mehr Kraft kosten sie. Irgendwann fangen wir auch an zu kämpfen, weil wir uns fürchten, weil wir uns schützen möchten oder nicht wissen, was wir sonst tun sollen. Damit bleibt ein trauriger und unheilvoller Kreislauf im Gang. Denn je mehr wir kämpfen, desto weiter entfernen wir uns vom Frieden.

Wie wollen wir eine Situation ändern, wenn wir nicht hinschauen?

Wir sind zum Teil durch unsere Kultur und unsere Umgebung darauf konditioniert, wenig über Gefühle zu reden. Schon gar nicht über negative Gefühle. Das macht es schwer, sich selbst zu begegnen und den Ablauf von Angst und Gewalt zu durchbrechen.

Davonlaufen beseitigt das Leiden nicht. Wo wollen wir hin? Das Leiden ist in uns. Wir vergraben die unangenehmen Gefühle vielmehr in tieferen Schichten und es wird mit der Zeit immer schwerer, an sie heran zu kommen. Der Frieden im Äußeren ist abhängig von meinen inneren Reaktionen. Solange ich meine Gefühle in mir bekämpfe, werde ich auch bei den anderen etwas zu bekämpfen haben. Mein angestauter Ärger such ein Ventil, wo er sich abreagieren kann.

Weiche ich dem Schmerz aus, um glücklich zu sein, dann ist das kein wahres Glück.

Heilung ist natürlich kein Prozess, der sich über Nacht vollzieht. Ich kann nicht in ein paar Stunden ändern, was ich über Jahre gelebt habe. Wandlung erfordert Zeit, Geduld und Achtsamkeit. Wir brauchen den Mut, die eigene Zerrissenheit anschauen. Unser Schmerz fühlt sich unangenehm an, doch unser Leiden ist nicht unser Feind.

Wir müssen dafür offen sein, dass Heilung nicht ohne Verletzbarkeit einhergeht. Heilung ist nicht Abwesenheit von Schmerz. Doch wenn wir uns Schritt für Schritt begegnen, wird der Augenblick kommen, in dem wir nicht mehr von unserer Verzweiflung beherrscht werden. Und indem wir den Schmerz in unserem Leben akzeptieren, wird Entspannung eintreten. Eine Veränderung von Innen nach Außen vollzieht sich.

Frieden ist nicht die Abwesenheit von Konflikten.

Wenn ich eine vorgefasste Meinung vom Wesen des Friedens habe, dann stehe ich mir wahrscheinlich selbst im Weg. Frieden ist keine Idee, keine Theorie. Vielmehr ist Frieden eine Lebenseinstellung, die jeden Moment neu gelebt werden will.

[pullquote2 quotes=“true“ align=“center“ variation=“orange“ cite=“Karl Jasper“]Die Frage des Friedens ist nicht zuerst eine Frage an die Welt, sondern für jeden an sich selbst.[/pullquote2]

In Bezug auf sich ist es von elementarer Bedeutung, die eigenen Gefühle anzuschauen, auszuhalten und sich zu fragen, was dahinter steht. Begegne ich anderen Menschen, ist es wichtig, das Gemeinsame zu finden. Die Basis herzustellen, auf der wir uns friedlich begegnen können. Es gibt vieles was uns unterscheidet und einiges was uns verbindet.

Frieden beinhaltet auch, in Unstimmigkeit miteinander leben zu können. Es wäre naiv zu hoffen, stets eine Lösung parat zu haben, die alle gut heißen. Frieden ist einzig die Abwesenheit von Gewalt. Das Verbindende wird uns dabei helfen, nach gewaltlosen Lösungen zu suchen.

Frieden erfordert, eine innere Verpflichtung einzugehen und die Bereitschaft, alles mir mögliche zu unternehmen, damit es den Menschen gut geht. Doch zuerst müssen wir bei uns anfangen und das Unerlöste anschauen, denn wenn wir es nicht fühlen, werden wir es nicht verstehen.

[fancy_link link=“http://leben-ohne-limit.com/achtsamkeit/“ target=“blank“ variation=“grey“]weitere Artikel zum Thema Achtsamkeit[/fancy_link]