Vor kurzem war ich in eine Diskusson verwickelt,
die zusehends emotionaler verlief.
Irgendwann schien es mehr darum zu gehen,
den eigenen Standpunkt zu behaupten,
als um den reinen Informationsaustausch.

Warum begeben wir uns manchmal in solche Stellungskriege?
Ich nehme an, weil wir uns in irgendeiner Weise angegriffen fühlen.
Irgendetwas in uns fühlt sich bedrängt oder ungerecht behandelt.

Doch was in uns fühlt sich unwohl?

Wenn ich überlege, was meine Person genau ausmacht,
werde ich unsicher.

Ja, wer bin ich denn?

Sind wir unser Körper?
Der verändert sich mit der Zeit.
Dafür genügt ein Blick in den Spiegel.
Selbst im Gehirn scheint es keinen Hinweis auf ein festes Ich zu geben,
laut dem Hirnforscher Gerhard Roth.

Sind wir unsere Gedanken?
Die kommen und gehen.
Da lässt sich ebenfalls wenig Kontinuität feststellen.

Sind wir unsere Fähigkeiten?
Zum Glück sind wir lernfähig.
Auch unsere Kompetenzen unterliegen dem Wandel.

Das Selbst ist für mich am ehesten die Summe aus
Erfahrungen, Körper, Gedanken, Fähigkeiten, Rollen und meinem Namen.

Bei genauerem Hinschauen finde ich nichts Festes, Unveränderbares.
Ist das Ich nur eine Illusion?

Wenn ja, wohl eine recht hilfreiche.
Ich brauche auf jeden Fall noch einen Fixpunkt in meinem Leben.
Wenn sich alles um mich herum bewegt, gibt mir ein fester Bezug Halt.

Für Konflikte und emotionale Diskussionen dagegen finde ich den Gedanken
der Selbsttäuschung ganz hilfreich.
Ja, geradezu entspannend.
Wenn das Ich gar nicht so fest ist, brauche ich es weniger zu schützen.

Dann höre ich lieber genauer zu, was gesagt wird …