Oftmals möchten wir bestimmte Dinge im Leben anders machen. Und haben gleichzeitig Angst vor den Veränderungen. Diese Pattsituationen aufzulösen, ist keine leichte Aufgabe. Vor allem lassen sich diese inneren Konflikte nicht nur durch Nachdenken auflösen.

Roland Kopp-Wichmann arbeitet seit 1983 als Psychologe und Coach. Er ist Autor zahlreicher Bücher und eMail-Kurse. Bevor er seine Berufung fand, sammelte Roland Kopp-Wichmann wertvolle Erfahrungen als IT Operator, Bankkaufmann, Werbetexter und Versicherungsvertreter.

Persönliche Veränderung ist für viele Menschen ein wichtiges Thema. Was ist aus Ihrer Sicht die eigentliche Herausforderung daran? An Ratgebern und guten Tipps mangelt es ja mittlerweile nicht mehr.

Die wesentliche Herausforderung ist ein Umdenken bei der Sicht persönlicher Probleme wie Zeitmangel, Burnout, Perfektionismus u.ä. Diese sind nur zum Teil durch äußere Faktoren bestimmt. Wesentlicher sind die dazu passenden Einstellungen und Verhaltensweisen des Menschen. Diese sind nicht leicht änderbar, weil das ungünstige Verhalten, das jemand korrigieren will, zu allererst eine kreative Lösung darstellt. Nicht eine Lösung für die aktuelle Situation sondern für einen inneren Konflikt.

Deswegen sind solche Verhaltensweisen, nehmen wir als Beispiel nur ständige Verspätungen oder das Aufschieben von Aufgaben nicht leicht zu ändern, obwohl das doch so einfach scheint. Der Betreffende muss erst einmal herausfinden, wofür er das Zuspätkommen oder das Hinausschieben eigentlich „braucht“.

Wie wichtig ist aus ihrer Erfahrung Hilfe von außen in Form von Coaching? Oder anders gefragt: Was sind Anzeichen, dass ich alleine erst einmal nicht weiter komme?

Ganz einfach: wenn man allein nicht weiterkommt und etwas trotzdem verändern möchte. Wenn man also Bücher gelesen hat, nachgedacht hat, Freunde gefragt hat und die empfohlenen Maßnahmen entweder nicht angeht oder sie aus irgendeinem anderen Grund nicht greifen.

Ich stelle mir die Arbeit als Psychotherapeut sehr belastend vor. Wie ist es möglich, Abstand von den tagtäglichen Gesprächen rund um persönliche Krisen zu bekommen?

Psychotherapeut zu sein ist ein schöner Beruf aber auch ein schwerer. Denn man hat es ja täglich mit Menschen zu tun, denen es schlecht geht und die davon berichten. Zumal eine Besserung meist nicht schnell erreichbar ist.

Mir hilft dabei eine professionelle Distanz, die ich mir aber auch erst im Laufe der Jahre angeeignet habe. Es gibt kaum ein Thema oder kaum eine Grausamkeit des Lebens, von der ich nicht schon gehört hätte. Gleichzeitig darf diese Distanz natürlich nicht auf Kosten des Einfühlens in die Welt des Klienten gehen. Meine anderen Tätigkeiten wie Seminare leiten, Blog schreiben etc. helfen mir, einen Ausgleich zu finden.

Wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen? Was mögen Sie besonders an Ihrer Arbeit?

Mein Vater war zeit seines Lebens depressiv, das spielt wohl eine Rolle, obwohl ich ja erst eine Reihe ganz anderer Berufe ausprobierte. Ich war Bankkaufmann, dann Operator bei der IBM, Werbetexter, Versicherungsvertreter. Dann wollte ich doch Psychologie studieren, musste dazu aber erst mein Abitur auf dem zweiten Bildungsweg nachholen. Dann war der NC zu hoch und ich überbrückte die Wartezeit mit Kibbuz-Arbeit in Israel. Mit 33 Jahren war ich dann mit dem Studium erst fertig und eröffnete gleich die Praxis.

An meiner Arbeit interessieren mich immer noch die Grundfragen des Lebens. Wie entsteht Leiden? Wie wird man glücklich oder zufrieden? Wie führt man eine gute Ehe? Was ist der Sinn des Lebens?

An der Oberfläche kommen Klienten mit Problemen oder psychichen Beeinträchtigungen wie Depression, Panikattacken, Affären, Burnout oder Essstörungen. Letztlich ringt jeder Klient in der Tiefe jedoch um die oben skizzierten Fragen. Weil es darauf zwar immer mehr Wissen aber eben nicht die letzte Wahrheiten gibt, fesselt mich die Beschäftigung mit diesen Fragen nach wie vor.

 


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Gibt es auch Situationen in Seminaren oder Beratungsgesprächen, in denen Sie spüren, hier weiß ich keine Lösung? Wenn ja, wie gehen Sie damit um?

Ja, öfters. Sowohl in der Therapie wie auch in meinen Persönlichkeitsseminaren. Ich sage das dann ganz direkt. Paaren zum Beispiel sage ich manchmal ganz offen, dass ich nichts für sie tun kann, weil ihre Ehe am Ende ist. Das ist erst einmal ein Schock weil man oft ein Wunder von mir erwartete. Aber es folgt auch eine Erleichterung, weil ich etwas ausspreche, was die beiden schon ahnten.

In der Einzeltherapie bin ich immer dann hilflos, wenn jemand etwas ändern will, dazu aber seine persönliche Komfortzone nicht verlassen will und mir mit hundert Argumenten beweisen will, warum das auch nichts bringen würde. Wenn ich das dann direkt anspreche, geht es meistens doch weiter. Entweder wir hören mit der Zusammenarbeit auf oder der Klient kratzt doch seinen Mut zusammen.

Was bedeutet für Sie das Thema Persönlichkeitsveränderung? Der Blick auf andere ist wahrscheinlich leichter als auf sich selbst zu schauen.

Seine eigenen Probleme kann man nur sehr eingeschränkt erkennen bzw. klären und lösen. Deswegen ist ja in allen seriösen Therapieausbildungen eine eigene Psychotherapie zwingend vorgeschrieben. Ich habe viele Seminare besucht und insgesamt zehn Jahre Psychoanalyse gemacht. Das hat mir am meisten geholfen, meine blinden Flecken zu erkennen und schrittweise zu verkleinern.

Mit Ihrem Persönlichkeitsblog sind Sie bereits seit 2005 online. Mittlerweile haben sind fast 500 Artikel auf Ihrem Blog online. Wie kamen Sie damals auf die Idee? Wie gelingt es Ihnen so kreativ zu sein?

Anfangs war es reine Neugier, weil ich viele Dinge ausprobiere und vor allem technischen Sachen gegenüber sehr aufgeschlossen bin. Ich habe mich dann im Lauf der Zeit viel mit dem Bloggen beschäftigt. Hier vor allem mit dem Marketing des Bloggens, also Fragen der Positionierung, der richtigen Zielgruppe und dem Aufbau eines Netzwerks.

Das Wesentliche beim Erfolg eines Blogs, das sagen alle erfolgreichen Blogger, ist wertvoller Inhalt. Also gute Artikel, die die Leser meiner Zielgruppe gerne lesen. Meine Zielgruppe sind Menschen, die ein Problem haben und dafür nicht die üblichen Tipps aus der Ratgeberecke wollen, sondern unübliche Ansichten, Perspektiven und Denkanstöße. Das versuche ich jede Woche mit einem langen Artikel zu erreichen.

Das Schreiben scheint ein wichtiger Aspekt in Ihrer Arbeit zu sein. Neben dem Blog, eMail Kursen sind Sie auch Autor von mehreren Büchern. Was bedeutet das Schreiben für Sie?

Ja, das hat sich so entwickelt mit dem Blog. Eine Lektorin brachte mich zum Buchschreiben. Die niedrigen Verlagshonorare brachten mich dann dazu, eMail-Kurse zu verfassen. Da bekommt der Leser den Stoff in kleinen Portionen, kann es durchdenken und verdauen – und gleich eine oder zwei Umsetzungsaufgaben machen. Meist macht er das, weil er weiß, dass in ein paar Tagen eine neue Lektion kommt.

Das Schreiben ist für mich Entspannung zur Arbeit mit Menschen. Ich muss nicht zuhören, kann meine Ideen entwickeln, werde nicht unterbrochen. Für mich als Introvertierten ist das sehr wichtig und sehr erholsam. Außerdem liebe ich es, kreativ zu sein und Schreiben ist, wenn einen niemand beauftragt oder kontrolliert, was man schreibt, sehr kreativ.

Was machen Sie gerne in Ihrer Freizeit?

In meiner Freizeit mache ich viel für den Blog, stehe auch sehr früh auf, denn nur so finde ich die Zeit, etliche Stunden pro Tag vor dem Laptop zu sitzen – neben meiner richtigen Arbeit.

Ansonsten bin ich auch gern in der Freizeit kreativ. Ich koche gern. Ich habe seit etlichen Jahren Gesangsunterricht und singe im privaten Kreis Jazz-Standards und Bossa Nova. Gelegentlich male ich Aquaralle aber seit ich ein Grafik-Tablett geschenkt bekam, mache ich vor allem Cartoons für meine eBooks.

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