Der buddhistische Lehrer Ole Nydahl gibt Einblick, was persönliche Entwicklung im Diamantweg Buddhismus beinhaltet, welche Bedeutung Vertrauen hat und wie sich letztendliches Glück anfühlt. Vielen Dank für die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung durch das Magazin BUDDHISMUS HEUTE.

Lama Ole Nydahl ist ein buddhistischer Lehrer mit zehntausenden Schülern in aller Welt. Während der Hochzeitsreise mit seiner Frau Hannah begegneten sie 1968 dem 16. Gyalwa Karmapa, dem Oberhaupt der Karma-Kagyü-Schule des tibetischen Buddhismus. Der 16. Karmapa beauftragte die beiden, im Westen den Diamantweg-Buddhismus zu lehren und buddhistische Zentren zu gründen. Seitdem ist er ständig weltweit unterwegs, um Vorträge zu halten, Meditationskurse zu leiten und buddhistische Zentren zu betreuen. Mittlerweile hat Lama Ole Nydahl mehr als 600 Meditations- und Studienzentren der Karma-Kagyü-Linie gegründet.

Was unterscheidet Übertragung von reiner Wissensvermittlung?

Sollte Buddhas Lehre heute verschwinden und würde in 500 Jahren jemand die Bücher wieder finden, dann könnte jeder mit gesundem Verstand die Theravada-Belehrungen zu Ursache und Wirkung ganz einfach anwenden. Sie entsprechen der Alltagserfahrung. Jemand mit einem reichen Innenleben könnte zusätzlich die Belehrungen der zweiten Ebene von Mitgefühl und Weisheit verwenden, die zu menschlicher Reife führt. Was aber die Mittel der dritten Ebene des Diamantwegs betrifft, sind sie nur wirksam, wenn ihr Vermittler sie selbst von einer ungebrochenen, lebenden Übertragungslinie erhalten hat, sie versteht, schätzt und anwendet. Sind diese Voraussetzungen nicht gegeben, müsste man schon heute in der Warteschlange Platz nehmen und auf  einen späteren Buddha hoffen, der diese Mittel erneut lehren würde.


Die Diamantweg-Übertragung gab Buddha seinen Schülern, wenn sie ihn nicht als Gott, Person oder etwas „Äußeres“ sahen, sondern als Spiegel für den eigenen Geist. Sie ist eine lebendige Kraft, die einen befähigt, die hier und jetzt erlebte Welt als vor Möglichkeiten leuchtend auf einer reinen Ebene zu erleben. Durch sie ergänzt man die allgemeine Ebene von „entweder-oder“ durch die befreiende und erleuchtende Ebene von „sowohl-als-auch“. Dort ist jeder in seiner Mitte, alles bestätigt sich laufend, umfasst jede Erlebnisebene und macht nur Sinn. Die wachsende Dankbarkeit, Offenheit, Mut und Freude, die die Übertragung hervorbringt – Buddhas Geschenk – entspricht den einem jeden innewohnenden Eigenschaften.


Wegen der kostbaren Belehrungen und der Verletzlichkeit ihrer mündlichen Überträger werden buddhistische Lehrer oft so gut betreut, dass es übertrieben wirkt, nicht nur weil sie es vielleicht mögen oder erwarten. Ihr Geist ist jedoch hoffentlich schon auf einer Ebene, wo die Möglichkeit unbehindert zu arbeiten, ganz gleich wie viel Luxus sie umgibt, alles überstrahlt. Vor allem in asiatischen Kulturen spielen aber sogar reife Schüler mit, weil eine umständliche und zeitraubende öffentliche Ehrung den Wert ihrer Mittel zeigt. Im Westen kommt es sehr gut an, wenn Zeremonien frisch vonstatten gehen und nicht übertrieben untertänig wirken.


Eine wirkliche Übertragung entsteht nur, wenn Ring und Haken – Offenheit und Segen – zusammenkommen, und das geschieht durch dankbare Hingabe, Verantwortung und echte Verwirklichung, also Eigenschaften, die sich im Diamantweg besonders rund entwickeln. Das Lernen von allgemeinem „Kopf“-Wissen ist praktisch, gut und eine wichtige Voraussetzung das Leben zu meistern, ist aber weder befreiend noch erleuchtend. Die Erfahrung des eigenen Geistes als zeitloses klares Licht hingegen – die wirkliche Übertragung – befreit jeden und die Erkenntnis von der Außenwelt als gleichfalls „leer von Eigennatur“ entfaltet alle Buddha-Eigenschaften. Theravada-Buddhisten sagen, dass es bei der Verwendung ihrer Belehrungen unzählige Kalpas dauert, bevor man Befreiung – ihr Ziel – erreicht. Wegen der Vielschichtigkeit von Ursache und Wirkung bleibt man so lange verwundbar.


Auf dem Großen Weg arbeitet man breiter und steht man fester, da die Einstellung zum Besten aller zu handeln, einen stärkt und schützt. Auch wird auf dieser Ebene zusätzlich die Leerheit der bedingten Welt gelehrt, was volle Erleuchtung ermöglicht. Gemäß ihrer Belehrungen dauert es aber immer noch drei große Kalpas bis zum Ziel.


Schauen wir uns hingegen die Beispiele im Diamantweg an, so lebte Marpa mit Bier, Weib und Gesang und allem, was sonst zu einem vollen Leben gehört. Milarepa startete unter schwerem Druck seiner Mutter mit dem Umbringen von 35 Feinden seiner Familie. Letztendlich wurde Marpa durch seine Kraft erleuchtet und Milarepa durch seine Angst, mit solchen gespeicherten Eindrücken zu sterben. Die tiefenpsychologisch wirksamen Mittel, die solche Bedingungen nutzen und umwandeln können, finden sich auch heute im Diamantweg und kennzeichnen den Segen und die Kraft einer ungebrochenen Übertragungslinie von erleuchteter Erfahrung des Geistes. Nirgendwo sonst findet man diese Ebene von Belehrungen. In der Vertiefung erfahrbare Aussagen des Großen Siegels wie „dein Geist ist leuchtende Weite“ oder das Verschmelzen mit Buddhaformen und das darauf folgende „sich wie ein Buddha zu verhalten, bis man einer geworden ist“ ändern die Wahrnehmung grundlegend. Wer sich dafür öffnen kann, wird sich sehr schnell entwickeln.

Wie geht der Lehrer damit um, wenn es für den Schüler schwierig ist, sich für diese höchste Ebene zu öffnen?

Wenn Schüler mit der reinen Sicht des Diamantwegs Schwierigkeiten haben, ist nicht alles verloren. Dann empfehle ich ihnen, entspannt auf die Ebene des Großen Weges zu wechseln, auf der alle wenigstens ihr Bestes tun. Oder, wenn die Verletzung tief sitzt, sich weiter auf dem Kleinen Weg zu entspannen, wo keiner etwas wirklich Böses beabsichtigt. Entscheidend ist, dass die Verbindung zwischen Lehrer und Schüler, obwohl geschwächt, nicht zerstört wird, wenn Hindernisse und schwierige Karmas aufkommen. Ich erwähne es selten, denn ich arbeite mit Karotte, nicht Peitsche, aber ab dem Augenblick, wo man den Diamantweg – den Weg der Höchsten Sicht – zu nutzen anfängt und auch versteht, ist man wie eine Schlange im Rohr. Man kann nur hinauf- oder hinunter und es ist bei Hindernissen die Aufgabe des Lamas, das Rohr an den höchstmöglichen Stellen für eine Ruhepause zu öffnen, was aber nur geht, wenn der Schüler nicht einfach verschwindet. Er kann dann zum Beispiel sagen: „Du musst den Lehrer nicht mehr als wissenden Spiegel ansehen, aber freue dich über die gut gelungene Arbeit und nimm an jedem Erfolg teil“. Das befreit fließend die Verbindung aus der Ego-quetschenden und deswegen schwierigen Diamantweg-Ebene und bewahrt sie dennoch auf der weniger verbindlichen Mahayana-Ebene der Einstellung und stufenweisen Entwicklung.


Sind die Bände aber so gestört, dass der Lehrer sagen muss: „Ich tue wenigstens nichts bewusst Schädliches, das musst du zugeben“ und man trennt sich auf diese Weise, bleibt das Verhältnis immer noch auf der Theravada-Ebene des Vermeidens von Leid im buddhistischen Bereich. 
Ist der Lehrer nicht fähig ohne eigene Störgefühle Verbindungen zu entspannen, ein Verhältnis abzustufen bis karmische Wolken vorbeigezogen sind, und menschliche Verhältnisse nach Auseinandersetzungen oder Trips wieder hochzuziehen, sollte er sich fragen, ob er tatsächlich dasselbe tut und sagt, an andere denkt und ob er überpersönlich erleben und handeln kann.



Was ist genau die Gefahr daran?


Die Gefahr ist, dass der Unzufriedene nach Verlust seines Vertrauens innerlich wie eine abgebrannte Ruine dasteht. Kommt man in den Kraftstrom eines Diamantweg-Lehrers und bleibt darin bis das Rohr sich natürlich weitet und als Raum und Freude öffnet, wird Hingabe zu Weisheit und man ist auf einer Ebene angekommen, aus der es kein Runterfallen mehr gibt. Die erworbene Sicherheit und Kraft macht einen ab dann selbst zu einer echten Zuflucht für andere. 
Passt das eigene Angebot einem Schüler nicht, sollte der verantwortliche Lehrer andere vertrauenswürdige buddhistische Linien empfehlen, so dass er ein ihm vertrautes Umfeld findet. Da der Diamantweg aufgrund der Kraft seiner Übertragung und seiner spürbar starken und tiefenwirksamen Mitteln höchst anziehend wirkt, hat der Lama die Verantwortung, den Schülern zu zeigen, ob es der passende Weg für sie ist. Dass ich bei meinen Vorträgen und in meinem Verhalten zeige, dass ich die Sexualität auf höchster Ebene sehe, liegt nicht daran, dass ich zeigen muss, dass sich ein 69-jähriger Mann jeden Abend auf die kommende Nacht freut. Der Grund ist, dass die Menschen, die in ihrem Verhältnis zur Liebe einen Knacks haben und die Sexualität nicht auf einer reinen Ebene erleben können, erfahrungsgemäß vom Diamantweg kaum Nutzen haben. Manchmal werden ihre Schwierigkeiten im menschlichen Austausch noch größer und man hat sie eigentlich geschädigt. 


Wegen meiner weltumfassenden Lebenserfahrung und meinem sehr wachen Verantwortungsgefühl gegenüber unseren westlichen Werten und Freiheiten, vor allem denen der Frauen, äußere ich mich auch immer zu der Unmenschlichkeit des Islam. Kein ehrlicher Bürger kann sich heute davor verstecken und ich filtere deswegen früh diejenigen aus, die dazu nicht bereit sind. Wie sollte man ohne ein gutes Wertesystem meditieren können? Weder will ich, noch kann ich die geistige Entwicklung eines Schülers dann verantworten.

Von wem bekommen wir Übertragung und was sind die Voraussetzungen dafür?

Fast jeder, der tibetische Einweihungen und geleitete Meditationen einer Diamantweglinie in eigener Sprache mitmachte oder von erfahrenen Lehrern Auskünfte zum Wesen des Geistes begeistert anhörte, kennt das gute Gefühl, das als Segen bekannt ist. In dem Maße, wie man sich dafür öffnen konnte, trägt später jeder etwas von der Übertragung und den Mitteln mit sich. Dies gilt es dann an die Welt weiterzugeben und die Samen Wärme, Liebe, Vertrauen und Kraft, die sich oft schon in diesem Leben entwickeln, erfreuen die Welt. Das erleben unsere Gruppen tagtäglich: Besucher fühlen sich wegen unserer Werte gut in den Zentren, bemerken das Vertrauen und die Offenheit für jeden. Man spürt einfach, ob jemand zum Besten aller und mit der überpersönlichen Sicht des Helfenwollens die Straße herunter kommt oder nicht. 

Man sollte als Lehrer nur aufpassen, wenn man Sprachen oder Sitten nicht versteht und deswegen noch gelegentlich in Schwierigkeiten gerät. Das ändert sich, wenn man Belehrungen als das eigene Verständnis von Buddhas Lehren darstellt und nicht behauptet, man hätte sie verwirklicht. Wer sich selbst als Beispiel für gewisse Errungenschaften hinstellt, muss diese auch besitzen. Das gilt insbesondere beim Lehren vom Wesen des Geistes wie zum „Großen Siegel“. Alles, was einen allgemeinen buddhistischen Erfahrungsaustausch ergibt, ist aber gut.

Welche Arten der Übertragung gibt es?
Wie wichtig ist die „äußere“ Übertragung zur Verhaltensebene für uns?


Das Wichtigste ist die Vermittlung der Leerheit von allem Persönlichen sowie von der äußeren Welt selbst. Ihre Erfahrung erfordert jedoch einen unveränderlichen Geisteszustand. Die unmittelbare Übertragung vom Segen und vom ungestörten Geist unserer Linie wird erst über Jahre oder Jahrzehnte erworben. Hier muss man in sich selbst ruhen und dasselbe tun, sagen und sein.


Darüber hinaus gibt es die ganzen kulturellen Erwartungen, also welches Verhalten anliegt zum Beispiel bei der Behandlung von Buddhaformen und Meditationstexten, wie alles sauber zu halten ist, nicht auf dem Boden herumliegen darf. Sie sind Teil unseres Weges zur Erleuchtung. Ist man hier bahnbrechend, gehören dazu verständliche und annehmbare Erklärungen zum Freiheitsgewinn durch das neue Verhalten. Auf äußerer Ebene ist zum Beispiel ein selbstverständliches, entspanntes und freundliches Auftreten, eine bewusst wie unbewusst wirksame Einweihung in die Einfachheit aller Geschehnisse. Das macht den ganzen Reichtum des Raumes erlebbar.

Was ist der Unterschied zwischen Übertragung in unserem buddhistischen Kontext oder Übertragung von zum Beispiel Lebenserfahrung?


Unsere Übertragung zielt immer auf die Erfahrung vom zeitlosen Wesen des Geistes. Ein guter Mechaniker hat zum Beispiel gelernt, mit welchem Druck Schrauben angezogen werden. Er weiß auch, ob mit einem Auto etwas nicht stimmt, selbst wenn der Motor erst zehn Sekunden läuft. Doch das ist weltliches Wissen und eine Begabung, die man durch Übung entwickelt.
 Bei der Übertragung auf Diamantwegebene geht es jedoch um unmittelbare Erfahrungen vom Geist selbst. Ihr Ziel ist es, das Zeitlose zu erkennen, was durch unsere Augen schaut und Ohren hört. Das ist etwas anderes. Es gibt die Bilder im Spiegel und es gibt den Spiegel – die Wellen und das Meer. Ein begabter, geschulter Mensch hat viele Einsichten zur Erscheinungswelt. Eine Zuflucht kann aber nur der Spiegel hinter den Bildern, das Meer unterhalb der Wellen sein. Es verweilt in dem, was sieht und erfährt, uneingeengt durch alles, was gesehen wird.

Was ist, wenn der Lehrer nicht da ist?
Kann man in einem buddhistischen Zentrum die Übertragung bekommen?


Ja, aber in den meisten Fällen Stück für Stück, langsam. Im Diamantweg wird Übertragung durch die allgemeine Schwingung des Vertrauens aufgenommen, eben den Segen, den die Leute bereits empfangen haben und nun mit sich tragen. Wenn Neue in unsere Gruppen und Zentren kommen, spüren viele: Da ist etwas Besonderes, da ist Freude, Vertrauen und ein gutes Gefühl. Man kennt und mag sich. Es ist tief anziehend, öffnet einen von innen und man möchte daran teilhaben. 
Aber wer das ausdrückt, ist sich oft nicht bewusst, was er vermittelt. Man spiegelt zwar seine reifende Gewissheit, fühlt sich davon erfüllt, kann aber nicht sagen, was man außer der glücklichen Erfahrung vertritt. Alle Diamantweg-Schüler tragen mehr oder weniger – und vor allem gemeinsam in der Gruppe – den Segen der Linie. Es ist aber eine Frage von Jahren, tiefer Hingabe und Eindeutigkeit, sie ganzheitlich und überzeugend weitergeben zu können.

Das ist der Unterschied zum erfahrenen Lehrer, der seine Übertragungslinie gut kennt.

Ist bei der Arbeit für andere, zum Beispiel in den Zentren, die Motivation das Entscheidende, also dass man es zum Besten aller Wesen macht? Ist es dann unerheblich, was man macht, solange diese Motivation stimmt?


Wir brauchen gute Menschen für alles und letztendlich entscheidend ist die Einstellung. Die Zeit der Freunde soll aber nützlich verwendet werden, nicht wie früher in China beim Löcher graben und wieder zuschütten. Das Entscheidende ist, in wie hohem Maße es um letztendliche Arbeit mit dem Geist geht oder um äußere Bedingungen, die diese befähigen. Alles, was auf den Erleber selbst zeigt, ist Übertragung und alles andere wäre als Unterstützung dazu zu nutzen und in dem Maße wertvoll, wie es menschliche Verbindungen, Meditation und die Zeit dafür schafft und schützt. Der Stil bleibt aber wie überall bedeutend und wer zum Beispiel eine Meditation anleitet, muss sie richtig lesen. Er sollte durch eigene Erfahrung ein Gefühl davon haben, wie lange die Pausen der Vertiefung – wie zum Beispiel bei den Lichtern – sein sollen und bei den Anwesenden an ihrer Körperstellung spüren können, was sie erleben. Erst dann ist es ein Mittel der Übertragung. Diese Empfindung kommt allmählich, sie ist keine Eigenschaft, die man willentlich ergreifen und verwirklichen kann. Der Geist ist letztendlich, aber die Mittel, die zu seiner Erfahrung führen, sind bedingt. Der Weg durch das Bedingte ist also notwendig, um zum Letztendlichen zu kommen. Ohne Weg kommt man nicht ans Ziel.


Es gibt hier – auch bei blutendem Herzen – keine Abkürzung durch Einseitigkeit oder Verneinung. Vor 1200 Jahren drückte der Verwirklicher Saraha in Nordindien es so aus: „Wer denkt, die Sachen seien wirklich, ist so dumm, wie eine Kuh. Wer aber denkt, sie seien es nicht, ist noch dümmer.“
Das bedeutet: sowohl Materialismus als auch Nihilismus bringen Schmerz und der letztere sogar mehr. Materialismus tut weh, denn wenn die Sachen wirklich sind, sind Krankheit, Alter, Geschwindigkeitsbegrenzungen und der Steuerprüfer es auch. Denkt man aber, dass es Ursache und Wirkung nicht gibt, macht man richtig Fehler und wird auf bedingter Ebene von der Welt bestraft. 


Deswegen rät uns Buddha, die Welt als einen Traum zu sehen, wobei man die guten Träume stärken und den schlechten keine Nahrung bieten sollte. Weil der Geist sich dabei gerne öffnet, führen gute Eindrücke zu Weisheit – auch allmählich zur letztendlichen vom Wesen des Geistes – während derjenige, der die schlechten als seine geistige Einstellung wählt, allmählich zu einem geistigen Pflegefall wird. Solange der Geist sich noch ändert, sieht man mal durch die schwarze und mal durch die rosa Brille. Wer durch viel Übung die klare Brille verwirklicht und einfach das erlebt, was ist, findet es noch tausendmal sinnreicher als alles Erhoffte oder Vorgestellte. Das volle Wachsein ist glückbringender, bedeutender und besser als jeder Traum, als alles was man sich hätte vorstellen können. Begegnungen mit Menschen, die sich nicht mehr ändern, bringen ein schwer vergessliches Gefühl von Vertrauen. Hohe Lamas mit Übertragung schenken einem das. Wie schön, dass wir mehrere in unsere Länder haben bringen können.

Diese Erfahrung des Gewahrseins vom Raum selbst – von seiner Leuchtkraft – ist es, worum es geht. Sie ist die letztendliche Übertragung und findet man sie, ist man Zuhause. Finden sich Ring und Haken, ist plötzlich klar, wie die Dinge sind.

Welche Qualitäten für ein gutes Lehrer-Schüler-Verhältnis können wir bei uns stärken,
um eine gute und starke Übertragung zu ermöglichen?


Die Chemie sollte stimmen. Man muss sich mögen. Das ist sehr wichtig. Fühlt man sich komisch zusammen, ist ein Austausch fast unmöglich. Das gilt vor allem bei den Schülern. Der Lehrer wird einerseits allen das Beste wünschen und ihre Eigenschaften weitgehend abschätzen können, muss aber auch der begrenzten Zeit wegen dort arbeiten, wo die Offenheit und das größte Wiedererkennen zu finden sind. Der Schüler muss seinerseits reif genug sein, um Entwicklung zu wünschen und ehrlich gegenüber dem sein, was ist. Man sollte zeigen, was einen bewegt und als (vorläufiges) Ziel gilt, damit man geleitet werden kann und meistmöglich offen sein für das, was man hört, auch wenn es einem nicht passt.

Woran erkennt man eine gute Lehrer-Schüler-Verbindung?


Dass beide sich freuen, wenn man sich wiedersieht. Freundschaft und Anziehung sind wie erwähnt sehr wichtig. Was unter den Tibetern gelegentlich bei ihrer hierarchischen Kultur und dem stark begrenzten Angebot an Menschenrechten und Entfaltungsmöglichkeiten durch „zornige Lehrer“ erreicht werden konnte, ist bei uns im demokratischen Westen nicht verwendbar, wo Zorn mit Schwäche gleichgesetzt wird. Tibetische Lamas scheiterten hier grundlegend an der Vorstellung, dass man bei uns die Selbsteinschätzung eines Schülers zunächst mit Macht abbauen kann, bis nur noch die Mauersteine herumliegen, um ihn dann neu und besser aufzubauen. Der nicht geringe Erfolg des Diamantweges im Westen scheint auf dem Gegensatz zu beruhen: Wenn ich meine edlen Zuhörer sehe, erlebe ich sie wie zukünftige Paläste. Zuerst schaue ich mir die Grundmauer an: Sind sie 45 Jahre alt, wohnen noch bei ihren Müttern und hatten noch keinen Freund oder Freundin, denke ich, dass irgendwas vielleicht auf der Ebene des Verhaltens ungewöhnlich lief. Dasselbe ist der Fall, wenn es immer wieder Probleme mit Geld gibt, bei Freunden Schulden gemacht wurden usw. Dann wäre es an der Zeit, ein paar Säcke Zement in den Unterbau zu geben.


Danach schaue ich auf die Wände und schätze, was an Weite und Breite möglich sein wird. Wie groß können sie hoffen, denken und träumen? Endet die Welt mit den Belangen der Familie? Könnten sie sich hundert Menschen vorstellen, eine Million oder gar alle Lebewesen im Geist halten? Ein weiter Geist ist an sich reich. 
Schließlich geht es um das Dach. Wie hoch ist die Sichtweise, die unmittelbar verstanden wird? Welche Art von Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten ist schon vorhanden und wird natürlich wachsen können? Wie weit können menschliche Erfahrungen als „rein“ erlebt werden
und wie hungrig ist das Zupacken zu Lehren der letztendlichen Einsicht?


Wenn alle drei Ebenen vorhanden sind, entsteht im Nu das Gefühl von naher Beziehung und Ganzheit, wobei die „geheime“, zuletzt erwähnte Ebene, für mich am wichtigsten ist. Wie ihr die Welt erlebt, wie viele Drachen, Löwen und Garudas auf eurem geistigen Dach Platz finden können, zeigt mehr als alles andere ob oder wie eine Lehrer-Schüler Verbindung möglich wäre.

Welchen Stellenwert hat Vertrauen im Diamantweg?


Der Lama vertritt Buddha, seine Lehre und die Freunde auf dem Weg. Er gibt Segen, Mittel und Schutz zu unserer vollen Verwirklichung. Deswegen kann – und soll – man auf dieser alles entscheidenden Ebene nur von Lehrern lernen, die eine Linie vertreten und zu denen ein grundlegendes Vertrauen besteht. 
Euer Vertrauen zum Lehrer sollte auf seine Leistung bauen. Er sollte bei Auseinandersetzungen höchste Prinzipien vertreten und dasselbe durchsichtig sagen und tun.

Bedeutet Vertrauen in den Lehrer zu haben, gleichzeitig auch Vertrauen in seine Schüler zu haben?


Da es stimmt, dass man die Eigenschaften des Lehrers übernimmt, sollte man diese lieber bei seinen bestehenden Schülern überzeugend finden und sie auch verwirklichen wollen. Dies geht viel leichter, wenn man sich mag und gegenseitig vertraut. Fehlt diese Wärme, zum Beispiel wegen Stolz und Besserwisserei, wird man ein „einsamer Verwirklicher“, was zwar charakterbildend aber wenig erbaulich oder nützlich für andere ist. Wenn man sich von anderen abschneidet, versucht nichts zu erleben oder sich von jenseits-persönlichen Erfahrungen fernzuhalten, hilft das aufgebaute Schutzfeld nur sehr bedingt, weil die „Freunde auf dem Weg“ fehlen. 
Wenn man aber am fröhlichen Zentrumsalltag teilnehmen kann, wirkt es auf allen Ebenen. Wer das Leben umarmt, es umformt und zum Besten aller bestmöglich lenkt, reift mächtig heran und wird anderen eine Zuflucht. Meinen Segen dafür habt ihr.

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