In jedem Augenblick beginnt das Leben aufs Neue. Erinnern wir uns stets daran. Die Vergangenheit ist vorbei und die Zukunft weit entfernt.

Pyar Rauch wurde als Franziska Reiter in Oberbayern geboren, ihre Eltern Naturwissenschaftler. Sie wuchs am Rand der Alpen auf und erlebte eine christlich geprägte Kindheit, studierte Medizin und promovierte. Seit vielen Jahren arbeitet sie als praktische Ärztin mit dem Schwerpunkt Homöopathie und Akupunktur in eigener Praxis. Die Suche nach Wahrheit führte sie 1990 zu Osho (1931-1990), dem indischen Gelehrten und Mystiker, der für seine wachrüttelnde Art und häufig konfrontative Vermittlungsweise bekannt geworden ist. Er gab ihr den Namen „Pyar“, das bedeutet in Sanskrit Liebe.

Was fasziniert dich an der östlichen Philosophie?

Mich interessiert sowohl östliche als auch westliche Philosophie. Als junge Frau las ich mit Begeisterung alles von den alten Griechen bis zu Heidegger. Das Interesse an östlicher Philosophie kam erst später dazu. Heute fasziniert mich vor allem, dass bei genauer Betrachtung die Weisheit, die Essenz, dieselbe eine grundlegende Wahrheit bei allen großen Weisen des Westens und des Ostens zu finden ist – in immer neuen Worten, neuen Bildern, mit unterschiedlichen Denkkonzepten drumherum, und dennoch die eine Wahrheit.

Welche Unterschiede siehst du zu unseren westlichen Philosophen?

Ein wesentlicher Unterschied zwischen der christlich/jüdisch/islamisch geprägten Geisteskultur und der hinduistisch/taoistisch/buddhistisch geprägten Kultur ist die Sicht auf den Menschen. In den judaischen Religionen wird angenommen, der Mensch sei im Grunde schlecht und müsse mit großer Anstrengung und vor allem durch die Erlösung durch einen Heiland zu einem Guten verwandelt werden. Die östlichen Religionen dagegen gehen von einer grundlegenden Gutheit des Menschen aus, die natürlich erstmal von allen möglichen Irrtümern, schlechten Eigenschaften etc. verstellt und verhüllt ist.

Allerdings muss ich dazu sagen, dass man in den mystischen Traditionen des Westens die Grundlegende Gutheit auch finden kann – z.B. bei Theresa von Avila. Sie spricht von einem klaren reinen Kristall, der unsere Seele und die Wohnstatt des Göttlichen in uns ist, allerdings oft verhüllt wie von einem schwarzen Tuch, das über den Kristall gebreitet ist, aber entfernt werden kann.

Nachdenken ist eine gedankliche Reflektion und nicht die direkte Erfahrung. Was macht Erfahrung für dich so kostbar?

Manches kann man sich durch Denken erschließen, aber nicht alles. Manches kann man sich durch Erfahren erschließen, aber nicht alles. So müssen Denken und Erfahren sich ergänzen und vor allem als Werkzeug an der richtigen Stelle eingesetzt werden.

Oftmals hindern uns Konzepte, das zu sehen bzw. zu erleben, was gerade ist Wie können wir es schaffen, weniger im Kopf zu leben?

ER-INNERN ☺ Das ist ein Wort, das ich im Deutschen sehr liebe… Sich wieder und wieder erinnern an das Jetzt, den Augenblick hilft. Wenn dich gerade Gedanken bedrängen und du vielleicht völlig darin versunken bist, dann erinnere dich an deine Füße, erinnere dich daran was du gerade hörst, riechst, fühlst.

Dann erst entscheide, ob du jetzt weiter die Gedanken von eben verfolgen willst oder nicht. Denken ist gut, aber wir dürfen frei entscheiden, wann und was wir denken. So wie wir auch frei entscheiden, wann wir den rechten Arm heben. Allerdings braucht das ein wenig Übung.

Jeder Mensch hat wahrscheinlich schwierige Phasen im Leben. Diese anzunehmen ist oft nicht leicht. Wie wichtig sind aus deiner Sicht diese „Prüfungen“ für das persönliche Wachstum?

Meines Erachtens gibt es da keine direkte Korrelation. Man kann also nicht sagen, je mehr Prüfungen ich durchlebe, desto schneller entwickle ich mich oder gar je weniger Prüfungen, desto weniger entwickle ich mich. Wenn ich mich aber aus welchem Grund auch immer in einer schwierigen Situation befinde, ist es sicherlich klug, diese Situation zum Üben zu nutzen. Atisha, ein großer buddhistischer Meister, sprach immer wieder davon widrige Umstände in den Bodhipfad zu verwandeln.

Was kann Meditation bewirken?

Meditation hilft das Erinnern zu üben. Meditation hilft selbst zu erkennen, was Padmasambhava, ein weiterer großer buddhistischer Meister, sagte: „Im unendlichen Mandala des Raumes haben alle Phänomene leicht Platz. Sie haben leicht Platz und da ist immer noch Weite.

Im unendlichen Mandala der Geistessenz haben alle Gedanken und Gefühle leicht Platz. Sie haben leicht Platz und da ist immer noch Weite.“ Meditation hilft immer klarer, direkter und schneller zu sehen und zu erkennen, was beständig ist und was vergänglich ist. Und vieles mehr ☺

Welchen Nutzen können wir für uns daraus ziehen?

Der offensichtlichste Nutzen ist: Wir werden glücklicher, friedlicher, liebevoller, freudiger.

Was fällt dir spontan ein zu den Worten von Dag Hammarskjöld? „Wir tragen in uns die Wunder, die wir außerhalb suchen.“

JAAA, so ist es. Wir sind das Wunder – jeder von uns.

Was ist dir besonders wichtig im Leben?

Leben, Lieben, Lachen. Wahrheit, Mitgefühl, Glück, wir alle, die Natur, die Erde, die Sterne, das Universum, Kunst, Erkenntnis, Staunen.

Welche Menschen faszinieren dich besonders?

Das sind zu viele… und wenn ich einige nennen würde, täte ich den anderen Unrecht…

Was beinhaltet für dich Glück?

Glück ist eine Qualität des Lebens und der Raumhaftigkeit. Daher ist es nicht zusammengesetzt aus irgendetwas.

Wie lautet dein Lebensmotto?

Ich habe keines ☺

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