Der Wortlaut weicht ab von Descartes berühmten Satz „Ich denke, also bin ich“.
Im ersten Moment hört sich das Gedankenspiel theoretisch und abgehoben an.
Doch die Konsequenzen haben meines Erachtens großen Einfluss auf unser Leben.

Was ist damit gemeint?

Seit jeher wird nach dem Kern unseres Wesen gesucht.
Was macht die Essenz des Menschen aus?
Ist es die Fähigkeit zu denken, Schlussfolgerungen zu ziehen?
Unser Gehirn vermag wahrlich Großes zu vollbringen.
Wir brauchen dabei nur auf die technische Entwicklung zurück zu blicken.

Doch wo gedacht wird, kann auch geirrt werden.
Unser Denken gleicht manchmal einer Einbahnstraße.
Ich nehme die Dinge so wahr, wie ich fähig bin, sie zu sehen.
Und das weicht mitunter stark davon ab, wie die Dinge sind.

Inwieweit bin ich offen, die Ereignisse auf mich wirken zu lassen,
anstatt meine Sicht auf das Geschehen zu übertragen?

Das halte ich für kein leichtes Unterfangen.
Oft sind meine Gedanken, Wertungen und Urteile schon da,
bevor ich sie wahrnehme.
Dann ist es schwer, neue Eindrücke aufzunehmen.

Ich lebe unbewusst meine inneren Bilder, meine Erinnerungen.

Dazu passt für mich gut das Phänomen des Schwarzes Schwanes.
Lange Zeit glaubte niemand an das Vorhandensein von schwarzen Schwänen.
Warum?
Weil bis dahin niemals einer gesehen wurde.
Wenn ich nur weiße Schwäne sehe, kann es keine andersfarbigen geben,
so die Schlussfolgerung.
Heute schmunzeln wir eher über diese scheinbar engstirnige Sichtweise.

Doch wie sieht es mit uns aus?
Wie schnell fällen wir Urteile aufgrund unserer Erfahrungen?
Eventuell ist unser Blickfeld auch eingeengt aufgrund von Vorurteilen.

Entwicklung und mehr Freiheit kann für mich nur entstehen,
wenn ich bereit bin, auch einmal einen anderen Blickwinkel einzunehmen.
Dafür brauche ich Geduld und Offenheit als wichtige Verbündete.

So manches Mal habe ich zum Beispiel Menschen vorschnell abgelehnt.
Mit der Zeit durfte ich dann feststellen, welche Qualitäten diese hatten.

Denken führt meines Erachtens oftmals zu Vergleichen, zu Urteilen.
Wer schon vorher weiß, was er sieht, erkennt nur das, was er erwartet.

Um neue Wege gehen zu können, ist für mich Nichtwissen nützlich.
Zu Anfang fühlt sich das wahrscheinlich ungewohnt an.
Vielleicht sogar beängstigend.

Doch der Lohn ist kostbar.
Mehr Freiheit und neue Möglichkeiten.