Rechte Erziehung beginnt mit dem Erzieher, der sich selbst begreifen und von schematischem Denken befreien muss; denn was er ist, überträgt er auf andere. Ist er selber nicht richtig ausgebildet, was kann er dann anderes lehren als dasselbe mechanische Wissen, mit dem er aufgezogen worden ist? Das Problem ist also nicht das Kind, sondern Eltern und Lehrer; das Problem heißt: den Erzieher zu erziehen.

Wenn wir, die Erzieher, uns selbst nicht verstehen, wenn wir unsere Beziehung zu dem Kinde nicht erfassen, sondern es nur mit Wissen anfüllen und Prüfungen bestehen lassen, wie können wir dann überhaupt eine neue Art der Erziehung einführen? Der Schüler ist da, damit man ihn leite und ihm helfe; ist aber der Leiter und Helfer selber verwirrt und beschränkt, national gesinnt und von Theorien beherrscht, dann ist sein Schüler natürlich ebenso wie er, und die Erziehung wird zur Quelle neuer Verwirrung und neuen Streites. Wenn wir dies als wahr erkennen, werden wir auch begreifen, wie wichtig es ist, dass wir anfangen, uns selbst richtig zu erziehen. Es ist viel nötiger, sich um die eigene Neuerziehung zu kümmern, als sich um die künftige Wohlfahrt und Sicherheit des Kindes zu sorgen.

Jiddu Krishnamurti