Selbstachtung halte ich für etwas ganz Entscheidendes im Leben. Das Vertrauen in mich hat einen großen Einfluss darauf, wie ich die Welt erlebe. Ob ich eher glücklich und zufrieden bin oder ob der Selbstzweifel an mir nagt. Selbstwertgefühl ist die Grundlage, was in mein Leben eintritt.

Um den eigenen Wert auf die Spur zu kommen, können folgende Fragen helfen. Wie sehe ich mich? Wie erlebe ich mich? Was erzähle ich über mich? Was bin ich mir wert?

Wenn ich ein gutes Selbstwertgefühl besitze, glaube ich, liebenswert und kostbar zu sein. Trotz der „Unzulänglichkeiten“ und „Schwächen“, die ich habe. Ein starkes Selbst ist eine wichtige Voraussetzung für Zufriedenheit, Gesundheit und Glück.

Ist dagegen mein inneres Bild getrübt, hadere ich mit mir und ein Gefühl des Mangels breitet sich aus. Ich traue mich nicht, Dinge anzupacken. Selber wenn mir schöne Dinge widerfahren, kann ich sie oftmals nur schwer annehmen.

Wie kommt es, dass Menschen ein so unterschiedliches Selbstwertgefühl entwickeln?

Ich denke, das hat viel mit unseren Ansprüchen und unserer Sichtweise zu tun. Wenn die eigenen Ansprüche ins Unermessliche steigen, dann mache ich mir das Leben schwer. Ich lege die Messlatte so hoch, dass ich darunter klein und unwürdig erscheine. Neige ich zu Perfektionismus, hat mein Selbstwert einen schweren Stand.

Ein weiterer Punkt sind Vergleiche. Wer seinen Wert daraus bezieht, attraktiver, erfolgreicher, sportlicher als andere zu sein, wird in seinem Selbstbild stark verunsichert, sobald er altert, die Schönheit schwindet oder ein Misserfolg zu verkraften ist. Ich werde fast immer Menschen finden, die in irgendeinem Bereich erfolgreicher oder attraktiver sind.

Mache ich meinen Selbstwert von der Anerkennung anderer abhängig, stehe ich unter enormen Druck, gefallen zu müssen. Ich tue fast alles, um nicht zu enttäuschen. Mir sitzt (unbewusst) die ständige Angst vor Ablehnung im Nacken.

Die Außensicht hilft sicherlich, Fähigkeiten oder Qualitäten zu vergleichen. Doch um mich Anzunehmen, bedarf es weitaus mehr. Natürlich sind Erfolge ein wichtiger Baustein für Selbstbewusstsein. Sie dürfen aber für mich nicht gleichbedeutend für unseren Selbstwert stehen.

[pullquote2 quotes=“true“ align=“center“ variation=“orange“ cite=“Gerhard Uhlenbruck“]Eine Änderung des Bewusstseins verändert unbewusst auch das Sein.[/pullquote2]

Vor allem halte ich Selbstwert nicht für etwas Festes, Unabänderliches. Mein jetziges Bild resultiert aus meinen vergangenen Handlungen. Möchte ich mich mehr Annehmen, habe ich die Möglichkeit, in Zukunft anders zu agieren.

Mit Hilfe von Achtsamkeit schaue ich im Alltag, in welchen Situationen ich mich unwohl fühle. Menschen mit geringem Selbstwert neigen dazu, ein vereinfachtes Urteil über all ihre gesellschaftlichen Rollen und Lebensbereiche hinweg zu fällen. Doch damit tue ich mir Unrecht.

In welchen Situationen fühle ich mich sicher? Wo trete ich selbstbewusst auf? Wann fühle ich mich wertlos? In welchen Rollen fühle ich mich inkompetent?

Diese Beobachtungen erfordern ein wenig Training. Mit der Zeit spüre ich schneller, wie ich mich in den jeweiligen Momenten fühle.

Jetzt kann ich der Sache weiter auf den Grund gehen. Was sind die Ursachen für meine Empfindungen? Habe ich wieder versucht, die Wünsche anderer zu erfüllen? Fehlte mir der Mut, nein zu sagen?

Diese Momente können manchmal unangenehm sein. Für mich gehört Mut und Offenheit dazu, das eigene Verhalten anzuerkennen. Das bedeutet, die Dinge so zu sehen, wie sie sind, und nicht so, wie ich sie gerne hätte. Annehmen ist meines Erachtens der erste wichtige Schritt auf dem Weg zur Veränderung.

Dabei hilft es oftmals, erst einmal zu erkennen, woher mein Selbstbild stammt. Hier spielen sicherlich meine Kindheit und mein Umfeld eine wichtige Rolle.

Wie kann ich mein Selbstwertgefühl steigern?

Besonders hilfreich finde ich Verbesserung des inneren Dialoges. Ich nehme meinen „Inneren Kritiker“ sozusagen an die Hand. Sobald ich Selbstanklagen und Selbstverurteilungen wahrnehme, reagieren ich nach Möglichkeit mit einem Lächeln. Das entspannt und gibt Raum für neue Verhaltensweisen.

Jetzt geht es natürlich darum, die Dinge in bestimmten Situationen anders anzugehen. Zu Üben, wie es sich anfühlt, neue Wege zu beschreiten. Vielleicht häufiger nein zu sagen, oder zu prüfen, ob unsere Ansprüche Sinn machen.

Und auch hier halte ich Achtsamkeit für bedeutend. Mein innerer Buchhalter darf auch die Erfolge verbuchen. Registrieren, wann die Dinge besser laufen.

Gerade die ersten Veränderungen zeigen mir auf, dass ich es in der Hand habe, mich zu verändern. Dann ist der Weg bereits geebnet für ein Leben mit mehr Leichtigkeit, mehr Freude und mehr Spielraum.