Konflikte bilden einen Teil unseres Zusammenlebens. Aus Bequemlichkeit oder Angst gehen wir einer Aussprache manchmal aus dem Weg. Doch damit ist das Ärgernis natürlich nicht aus der Welt.

Cordula Ruse, Expertin für Konfliktmanagement und Kommunikation, weiß aus Ihrer Arbeit als Trainerin und Mediatorin, wie man Probleme offen legt und den Weg für eine Lösung vorbereitet.

Wie wichtig ist es, Konflikte auszutragen?

Sehr wichtig! Konflikte machen auf Unstimmigkeiten zwischen den Vorstellungen, Erwartungen, Einstellungen, Wünschen der Konfliktbeteiligten aufmerksam. Sie sind Chancen Harmonie herzustellen und wichtig für die eigene Persönlichkeitsentwicklung. Es ist sehr wichtig, Konflikte nicht zu unterdrücken, zu verschweigen oder zu übersehen. Menschen, die nicht gelernt haben, mit Konflikten konstruktiv umzugehen, haben die Neigung, sich ihrer Umwelt zu sehr anzupassen und können dadurch das Bewusstsein für ihre eigenen Bedürfnisse verlieren.

Kann ich lernen, sinnvoll (im Sinne von lösungsorientiert) zu streiten?

Ja! Den Grundstein für unser Konfliktverhalten wurde durch unsere Erziehung gelegt, gefestigt wird dies Verhalten durch unsere Erfahrungen, Einstellungen und unsere Umwelt. Es ist sinnvoll sich bestehende und vergangene Konflikte anzuschauen und herauszufinden, welche Konfliktverhalten man selber immer wieder gezeigt hat.

Wie schaffen Sie es, dass die Konfliktparteien von den eigenen Forderungen Abstand nehmen und den Blick auf ein neues Ziel ausrichten?

Es ist sehr wichtig, dass die Konfliktbeteiligten wissen, was sie wollen. Nur so kann eine gemeinsame Lösung erarbeitet werden. An der Lösung kann erst gearbeitet werden, wenn die Beteiligten gehört und verstanden wurden und „Luft ablassen“ konnten. Nur wenn alle Konfliktparteien annehmen können, was jedem in dem Konflikt wichtig ist, kann eine gemeinsame Lösung gefunden werden. Spiele (wie Rollenspiele) sind hilfreich, um einander zu zeigen, wie der Konflikt aus verschiedenen Perspektiven gesehen wird.

Was sind Ihrer Auffassung nach die wichtigsten Voraussetzungen für eine Mediatorin bzw. für einen Mediator?

Selbstreflexion, Sensibilität für Kommunikation (verbal wie auch non-verbal), die Fähigkeit Gespräche geordnet und strukturiert führen zu können und die Bereitschaft eigene Vorstellung in den Hintergrund zu stellen.

Gab es auch Momente, wo Sie mir Ihrer Vermittlung nicht weiter kamen?

Ja. Es gibt Momente, wo man sich im Kreis dreht oder wo die Beteiligten emotional sehr bewegt sind, dann muss man eine Pause machen, um einen neuen Anlauf nehmen zu können.

Wie gehen Sie mit der zunächst ausweglosen Situation um?

Ich schlage eine Auszeit vor. Die Pause kann zwischen ein paar Minuten und ein paar Tagen angelegt sein. Je nach Belastungslage. Trotzdem beschäftige ich mich weiter mit dem Konflikt und Analyse den Grund, warum eine Auszeit nötig ist.

Wann haben Sie das Gefühl, dass die Mediation beendet ist?

Die Mediation ist beendet, wenn die Beteiligten sie beenden. Wenn es keinen Gesprächsbedarf mehr gibt, die Vereinbarung von allen Seiten angenommen wurde, ist die Mediation „bürokratisch“ abgeschlossen. Meistens wirken die Beteiligten entspannter, gelöster. Die Beteiligten müssen dann ihre Lösungsvereinbarung umsetzen und für sich entscheiden, ob der Konflikt gelöst ist, oder ob es noch einmal zu einer Bearbeitung kommen soll. Dies zu erfahren ist für die Beteiligten sehr wichtig, da eine Mediation nur funktionieren kann, wenn die Beteiligten eigenverantwortlich denken und handeln.

Ihr Arbeitsfeld wirkt auf den ersten Blick recht spannungsgeladen. Wie schaffen Sie es, nach getaner Arbeit Abstand zu bekommen und zu entspannen?

Ich freue mich nach getaner Arbeit auf meine Familie. Wir unternehmen viel zusammen und machen Sport.

Wie wichtig ist das Umfeld (Räumlichkeiten) für eine Schlichtung?

Sehr wichtig. Die Umgebung muss harmonisch und wenig belastet durch äußere Einflüsse (z.B. Lärm) sein. Ich achte auch darauf, dass die Räumlichkeiten nicht zu voll gestellt, aber trotzdem gemütlich sind.

Was geht Ihnen bei den Worten von Virginia Satir durch den Kopf? „Wir können jederzeit etwas Neues lernen, vorausgesetzt wir glauben, dass wir es können.“

Ich kann diesem Satz nur zustimmen. Das Leben ist ein dauernder Lernprozess. Jeder muss für sich selber entscheiden, inwieweit er sich darauf einlassen kann. Ich selber besuche regelmäßig Fort- und Weiterbildungen, um mein Wissen zu vertiefen und auszubauen und auch um neues zu lernen.

Was ist Ihnen im Leben wichtig?

Mir ist es sehr wichtig, dass ich mich entfalten kann. Dafür brauche ich Zeit, die ich für mich nutzen kann. Ich brauche viel Raum um nachdenken und neue Erfahrungen sammeln zu können.

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