Eigenverantwortung

Selbstbestimmung – Ich habe eine Wahl

Von klein auf haben wir die Regeln unserer Umgebung gelernt. Unser soziales Umfeld hat uns aufgezeigt, was möglich ist und was nicht. Diese Eindrücke bestimmen für lange Zeit unsere Wahrnehmung, also das, was wir für richtig und stimmig empfinden.

Im Laufe der Zeit geht uns leicht das Bewusstsein verloren, dass wir jeden Tag neu entscheiden können, was wir möchten oder nicht. Aus welchem Grund entscheide ich mich für eine bestimmte Handlung und was ist meine Motivation?

Unsere Wortwahl ist ein guter Gradmesser

Wie wirken zum Beispiel die beiden folgenden Sätze auf Sie? Ich muss heute morgen zur Arbeit gehen, weil ich das Geld brauche! Ich entscheide mich ins Büro zu gehen, weil mir meine Familie und finanzielle Sicherheit wichtig sind.

Die erste Aussage suggeriert, dass Sie scheinbar keine Wahl haben. Sie müssen es tun. Irgendeine Macht drängt Sie dazu. Wie fühlt sich das an, so ausgeliefert zu sein?

Die zweite Mitteilung vermittelt eine andere Botschaft. Sie treffen ganz bewusst eine Wahl. Selbstbestimmung beinhaltet, die Alternativen durchzuspielen, um sich dann bewusst für eine Option zu entscheiden.

Die Motivation entdecken

Manche tun diese Unterscheidung schnell als Haarspalterei ab. “Das Ergebnis ist doch das gleiche. In beiden Fällen fahre ich in die Firma!” Für mich gibt es allerdings ein wichtigen Unterschied und der lautet Selbstverantwortung. Ich führe mir vor Augen, was mir wichtig ist, und handele entsprechend. Ich entdecke einen Sinn in meinen Handlungen.

Wie oft im Leben müssen wir etwas tun? Haben wir nicht meistens eine Wahl? Diese Selbstverantwortung zu übernehmen, ist manchmal nicht leicht. Gerade wenn wir es als Kinder nicht gelernt haben. Wenn uns vermittelt wurde, die anderen haben Schuld. Aber was bringt mir das, wenn die anderen für die Misere verantwortlich sind?

Ist es nicht viel befriedigender, über meine Gefühle und Handlungen selber zu entscheiden. Natürlich bin ich bestimmten äußeren Gegebenheiten unterworfen. Wir neigen allerdings gerne dazu, die Extreme zu sehen. Zwischen Ohnmacht (keine Wahl) und Allmacht (ich kann alles) gibt es wahrscheinlich einige Möglichkeiten. Diese Spielräume gilt es zu erkennen.

Achtsamkeit weist den Weg

Wie so oft weisst Achtsamkeit den Weg zur persönlichen Veränderung. Vielleicht führen wir dabei 3 Wochen lang ein kleines Tagebuch. Wann habe ich heute müssen oder sollen gesagt? In welchen Situationen hatte ich das Gefühl, keine Wahl gehabt zu haben? Wann habe ich meine Verantwortung abgegeben? Sicherlich fallen uns mit ein wenig Übung 3 Beispiele am Tag ein.

Nach 2 oder 3 Tagen stellt sich in der Regel schon eine andere Sensibilität ein. Durch die bewusste Fokussierung erkennen wir die kritischen Momente schneller. Es geht bei dieser Übung allerdings nicht darum, ob wir etwas richtig oder falsch machen. Wir schulen lediglich unsere Aufmerksamkeit. Also bitte nicht: “Oh verdammt, da habe ich schon wieder sollen gesagt!” Das Ziel lautet vielmehr: “Interessant, in dieser Situation kann ich wahrscheinlich noch wenig Verantwortung übernehmen, weil ich meine, etwas zu müssen.”

Mit sich in Kontakt kommen

Um den persönlichen Handlungsspielraum zu erkennen, brauchen wir Zugang zu unseren Werten, Gefühlen und Bedürfnissen. Sie bilden die Grundlage für unser Wohlbefinden und unsere Entscheidungen. Sobald ich weiss, was mir wichtig ist und wie ich mich fühle, kann ich eine Entscheidung treffen. Ich brauche dieses Kompass, um mich durch das Dickicht der Anforderungen hindurch zu navigieren.

Verantwortung ist keine Last auf meinen Schultern, sondern die Antwort des Herzens auf den Zustand der Welt. – LaChapelle

Wird sich deswegen jede Wahl von Ihnen im Nachhinein als “richtig” heraus stellen? Das ist wahrscheinlich nicht der Fall und hängt natürlich auch von der jeweiligen Betrachtungsweise ab. Was aus meiner Sicht viel wichtiger ist, dass uns die Verantwortung für die getroffenen Entscheidungen leichter fällt, weil wir sie bewusst und aus gutem Grund getroffen haben.
Selbst wenn wir mal mit unserer Wahl daneben lagen, werden wir uns hinterher besser fühlen.

Wir können jeden Moment dazu lernen, sobald wir bereit sind, Eigenverantwortung zu übernehmen und Veränderung für möglich halten.

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  1. Cordula Rosenfeld06-11-2013

    In der Tat – Selbstverantwortung ist für mich der Generalschlüssel, um Türen zu neuen Entwicklungsmöglichkeiten zu öffnen. Oder vielleicht auch, um mal hinter vermeintlich bekannte Gegebenheiten zu schauen. Mir gefällt der Artikel sehr gut.
    Ich selbst habe erlebt, daß mir zunehmende Achtsamkeit hilft, auch besonders fest haftende Etikettierungen mal zu lüften und vielleicht darunter ganz andere Beweggründe zu erkennen.
    Dann wird z.B. aus dem “ich muss diesen Job machen, auch wenn er mir nicht gut tut” ein “ich habe Angst vor der Ungewissheit, wenn ich mich auf Neues einlasse”. Und schon bin ich raus, aus der Opferhaltung und kann aus einer neuen Sichtweise agieren.

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