Die Stimme verleiht unseren Worten Klang und erweckt die eigenen Gedanken zum Leben. Das Gesagte wird sinnlich wahrnehmbar. Ebenso gibt die Stimme Auskunft über unser Befinden. Ob nervös oder selbstsicher, unser Gegenüber kann das am Sprechtempo, der Tonalität und Artikulation spüren. Grund genug, sich mit dem spannenden Thema einmal genauer zu beschäftigen.

Eva Loschky ist Stimmexpertin, Autorin und professionelle Rednerin. Sie hat Stimme von Grund auf gelernt: Ausbildung zur klassischen Sängerin, Schauspielschule sowie Bühnenerfahrung auf diversen europäischen Bühnen. Eva Loschky vertiefte ihre Expertise als Logopädin an der Poliklinik für Stimm- und Sprachkranke an der Freien Universität Berlin. Die Trainerin und Rednerin motiviert das Publikum mit ihren begeisternden Reden – und bringt Ihre Zuhörer auf unterhaltsame Art dazu, die eigene Performance, Präsentation und Kommunikationsfähigkeit mit Freude zu optimieren.

Inwieweit ist unsere Stimme ein Erkennungsmerkmal und lässt Rückschlüsse auf die Persönlichkeit des Gesprächspartners zu?

In der Kriminalistik gilt der voiceprint sicherer als der fingerprint, was z.B. bei Entführungen von hohem Ermittlungswert ist. Dazu kommt die einzigartige Art und Weise, wie wir sprechen – unsere schwer nachzuahmende Sprechweise.

Gleichzeitig erkennen wir an der Stimme und an der Sprechweise, ob es jemanden gut oder schlecht geht, ob er ärgerlich oder freudig ist, traurig oder munter. Sie wissen sofort, wie es der Freundin, dem Freund geht, wenn er sich am Telefon meldet.

Die Stimme ist also stets ein unbewusster Spiegel der Persönlichkeit, vermittelt immer parasprachliche Botschaften und gibt uns Einblick in das Innenleben unseres Gesprächspartners – ob er das will oder nicht!

Viele Menschen reagieren erschrocken, wenn Sie ihre eigene Stimme von einem Aufnahmegerät hören. Wie wichtig ist es, sich mit dem Klang der eigenen Stimme vertraut zu machen?

Wir selbst hören unsere eigene Stimme über Knochenleitung, die anderen Menschen bzw. ein Mikrophon hören diese über Schallleitung. Wenn wir nun unsere eigene Stimme über einen Lautsprecher hören, bekommen wir einen ganz anderen Stimmeindruck als den gewohnten: unsere Stimme als Schallleitungserlebnis. Der „Stimmerkennungsschock“ folgt auf dem Fuß: was, so klinge ich? Schrecklich“ sagen die meisten. Deshalb ist ein wichtiges Moment in meinem Stimmcoaching, dass wir uns mit unserer Stimme befreunden.

Tipp von Eva Loschky: Erstellen Sie eine Audioaufnahme mit einer dreiminütigen Rede von sich. Das Mikro Ihres Handy ist in der Regel recht gut. Dann verbinden Sie das Handy mit einem sehr guten Lautsprecher (wichtig, damit die Frequenzen nicht verzerrt werden) und hören sich selbst zu. Dabei schalten Sie als erstes Ihre tausend inneren Kritiker, die Ihre Stimme erheben, aus und schreiben mind. fünf Punkte auf, die Ihnen gefallen (z.B. warme Stimme, klar strukturiert, leicht verständlich etc). Diese 5 Punkte formulieren Sie eindeutig positiv, d.h. „meine Stimme ist nicht heiser“ wird zu „Meine Stimme klingt klar“. Wenn Sie diese Arbeit geleistet haben, hören Sie Ihre Aufnahme nochmals. Jetzt gehen Sie ein wenig in Distanz zu dem von Ihnen gehörten und schreiben einen einzigen Tipp auf, den der Sprecher beherzigen soll., z.B. „Sprich mit Punkt und Komma!“ Wenn Sie diesen Tipp nicht selbst umsetzen können, suchen Sie sich die Unterstützung eines seriösen Stimmtrainers!

In welchem Maße beeinträchtigt die Stimme unsere Kommunikation?

Wenn wir sprechen, reagiert unser Gesprächspartner unbewusst immer körperlich auf unsere Stimme: Im schlechten Fall stellen sich ihm die Nackenhaare hoch, wenn er eine z.B. gepresste oder zu laute Stimme mit gleichzeitigem Sprechen ohne Punkt und Komma hört. Er geht in eine Abwehrhaltung und hört ungern oder gar nicht zu. Der Inhalt unserer Worte wird dadurch stark geschwächt oder bleibt sogar ganz auf der Strecke. Wir können nicht überzeugen.

Beim Hören einer warmen sympathischen Stimme und einer Sprechweise mit den richtigen Pausen entspannt sich hingegen der Zuhörer und hört der Botschaft der Worte gerne zu. Dann erreicht der Inhalt des Gesagten den Zuhörer leicht, d.h. alle hören, was wir sagen, wir werden wahrgenommen und können mit dem, was wir sagen, überzeugen ( wenn die Botschaft unserer Worte, unser Inhalt klar in Worte gefasst und auf den Punkt gebracht ist).

Die Stimme ist deshalb ein großer Erfolgsfaktor in der Kommunikation oder – anders ausgedrückt – der Schlüssel zu einer erfolgreichen Kommunikation.

Welche Möglichkeit gibt es, der Stimme mehr Ausdruck zu verleihen?

Beachten Sie folgende 5 goldene Regeln und Sie gewinnen an Stimmausdruck:

1. „Übe nie im Wettkampf!“
Wärmen Sie sich auf! Wenn Michael Schuhmacher sich auf den GrandPrix vorbereitet, so muss er auf den verschiedenen Kursen ein „warm up“ fahren. Auch Sie sollten sich vor einer wichtigen Kommunikationssituation auf das Rennen vorbereiten.
– Imitieren Sie ein paar Mal das „Brrrrrrrrrrrummmm“ des Rennwagens.
– Stellen Sie sich auf ein Bein und legen Sie sich beim „Brrrrrrrrrrrummmm“ in die Kurve.
Wechseln Sie das Bein für die andere Kurve!
– Versuchen Sie es zunächst in einer tiefen Tonlage
und wechseln nach und nach in ganz verschiedene Tonhöhen.
– Danach sprechen Sie mit weit geöffnetem entspannten Mund „Aha!Aha?Ah!“.

2. Standpunkte sind hörbar
Eindeutige Körpersprache erzeugt Souveränität! Sie stehen vor Ihrem Gesprächspartner, Ihrem Team oder vor der Festtafel, voll freudiger Erwartung, aber auch unsicher, nervös. Ihr Stand verrät es: durchgedrückte Knie, angespannter Po, leicht hochgezogene Schultern. Unbewusst nimmt Ihr Gegenüber Ihre Befindlichkeit wahr. Wenn Sie sich sicher fühlen und souverän wirken wollen, nehmen Sie einen klaren Standpunkt ein: Lockern Sie bewusst Ihre Knie, entspannen Sie achtsam Ihren Po und verlagern Sie das Gewicht nach vorne auf die Fußballen. Voilà: Sie wirken standfest, kraftvoll, souverän!

3. Sinn braucht Pausen
Überzeugung entsteht in den Sprechpausen! Ohne Punkt und Komma zu sprechen hilft weder Ihnen noch Ihren Gesprächspartnern. Sie sagen zwar viel, jedoch bleibt nichts hängen. Da hilft auch die schönste Sprechmelodie nicht weiter. Warum? Sinn und Verständnis erschließen sich in den kurzen Pausen zwischen den Phrasen. Gönnen Sie sich und Ihren Zuhörern diese Pausen. Denn diese sind sinnstiftend, spannungsgebend und ermöglichen dem Zuhörer, das Gesagte zu verarbeiten. Pausen gelingen wie von selbst, wenn Sie neugierig abwarten, welche Reaktionen auf Ihre Worte folgen.

4. Sprich wie ein Italiener
Lebendigkeit schafft Energie und Stimmklang! Wenn zwei Italiener in einer Bar sich wild gestikulierend die letzten Ereignisse erzählen, dann hören Sie kraftvolle wohlklingende Stimmen. Steht ein Sprecher dagegen unbewegt, steif, mit hochgezogenen Schultern vor seinem Publikum, bleibt auch seine Stimme farblos und klangarm. Wenn Sie sich jedoch trauen, zu gestikulieren, mit Händen und Füßen, eben wie ein Italiener zu sprechen, dann kommt Energie in Ihre Stimme, Lebendigkeit in Ihr Sprechen. Sie begeistern!

5. Ohr überlistet Auge Kontakt herstellen durch Klang
Jeder Zuhörer möchte sich angesprochen fühlen. Was tun – Blickkontakt halten? Doch wenn Sie einen Zuhörer anschauen, was ist dann mit den anderen? Eine starke Verbindung zu allen schaffen Sie, wenn Sie die Zuhörer in Ihren „Hörraum“ einladen: Sprechen Sie das erste Wort in den Raum und halten Sie kurz inne. Reagieren Ihre Zuhörer darauf? Halten auch sie inne? Herzlichen Glückwunsch! Dann haben Sie mit dem „magischen 1. Wort“ schon mal einen guten Start hingelegt.

Welchen Nutzen kann ich aus einem individuellen Stimmtraining ziehen?

Der Nutzen eines Stimmtrainings ist immens. Zum einen erkenne ich die Stärken meiner Stimme, meiner Sprechweise, meiner Inhalte und meiner Körpersprache – denn all das ist Gegenstand eines ganzheitlichen Trainings – und gewinne dadurch Selbstbewusstsein.

Zum anderen entdecke ich die Momente, wodurch ich meine Botschaften in der Regel schwäche, sodass ich nicht gehört werde und nicht überzeugen kann. Ich öffne z.B. beim Sprechen den Mund nicht weit genug, mache keine Pausen, meine Körpersprache ist inkongruent zum Gesagten und vieles mehr. Wenn ich dafür Achtsamkeit entwickle und alltagstaugliche Tools an die Hand bekomme, kann ich Stimme, Sprechweise und Körpersprache so optimieren, dass die Botschaft meiner Worte so unterstützt wird, dass andere Menschen meinen Worten leicht folgen können und mir gerne zuhören.vDurch ein gutes Stimmtraining gewinnen Sie Redesicherheit, Auftrittsstärke und Überzeugungskraft. Sie fühlen sich gelassen und wohl, wenn alle Augen auf Sie gerichtet sind!

Wie kamen Sie zu Ihrer Berufung als Stimmtrainerin?

Ich habe Stimme von der Pike auf gelernt. Als Jugendliche war ich als vollkommen unbefangene Solistin, hochwillkommen bei den Kirchenmusikern in meiner Region. Nach dem Abitur studierte ich klassischen Gesang an der Hochschule der Künste in Berlin. Man stellt sich vor, dass so ein Studium hilft, das Potenzial zu entfalten. Bei mir war es genau andersherum: Mein Potenzial schrumpfte in dem Maße, wie ich große Opernpartien erlernte. Ich wurde befangen, fehlerorientiert, verlor mein Selbstbewusstsein und meine Ausstrahlung. Die Stimmtechnik, die ich erlernte, war für mich kontraproduktiv – nur, das wusste ich damals nicht. Es kam, wie es kommen musste, Stimmbandknötchen, Operation, die Lust am Singen war weg.

Aber Gott sei Dank war im gleichen Haus die Max-Reinhard-Schauspielschule, ich wurde aufgenommen und hatte gleich im 1. Semester ein Engagement als Performerin für die Uraufführung des Stückes „Die Maulwerke“. Das Stück schlug ein wie eine Bombe und ich war 2 Jahre mit dem Stück in Europa unterwegs, Centre Pompidou in Paris, BBC Studios London usw. Andere Stücke folgten.

Das Fantastische war die Arbeit mit dem Regisseur Achim Freyer: Er hat die Gabe, bei jedem Menschen auf der Bühne, vom Bühnenhandwerker bis zu uns Solisten, die Stärken zu entdecken und zu stärken (lange bevor man das im Coaching entdeckte). Ich wurde dadurch so gestärkt, dass ich noch heute genau weiß, was mich auf der Bühne auszeichnet: Präsenz, Energie, Lebendigkeit. Jede Zelle von mir saugte nach dem Desaster des steifen Gesangstudiums diese Arbeit auf – davon profitiere ich heute noch als Rednerin auf der Bühne und meine Teilnehmer im Seminar oder im Coaching.

Später wurde ich Logopädin, arbeitete an der Poliklinik für Stimm- und Sprachkranke an der Uniklinik Berlin, beriet Menschen mit Stimmproblemen, war bei OPs dabei usw. Ich machte mich Ende der 80er selbständig und hatte ab da auch immer Lehraufträge, den ersten an der Hochschule der Künste in Berlin, Stimmbildung für Sänger und Instrumentalisten. Seit diesem Jahr bin ich übrigens wieder Dozentin an der Universität der Künste in Berlin, bei einer effektiven Seminarreihe mit 4 Modulen, „Vom Stimmtraining bis Storytelling – die Kunst erfolgreicher Kommunikation“

2005 erschien mein 1. Buch, ich verabschiedete mich aus dem Gesundheitswesen vollständig und bin seitdem als Vortragsrednerin, Seminarleiterin und Coach frei buchbar, immer zum Thema Stimme und Sprechen, Rede und Präsentation.

Vielsprecher sind in ihrem Beruf auf ihre Stimme angewiesen. Welche Möglichkeiten gibt es, die Stimmlippen zu pflegen?

10 Tipps für eine effektive Stimmpflege von Eva Loschky:

1. Räuspern und flüstern Sie bei Heiserkeit und entzündetem Kehlkopf auf keinen Fall. Am besten: 3tägige Stimmruhe = Schweigen = online Kommunikation!
2. Keine aspirinhaltige Medikamente: Durch den Blutverdünnungseffekt ist die Gefahr einer Stimmlippenschleimhautblutung zu groß.
3. Benutzen Sie den Macholdt Aktiv-Inhalator. Er sieht wie eine kleine Pfeife aus, man nimmt ihn zwischen die Zähne, atmet über die Pfeife durch den Mund ein und durch die Nase wieder aus. Die Flüssigkeit wird dabei nicht in den Mund hochgezogen. Durch die heilende Lösung wird die Atemluft angereichert mit Stoffen, die die Kehle pflegen. Lassen Sie sich folgende Inhalationslösung mischen: 1% Tacholiquin (10ml), Prospan (10ml), Dexpanthenol (0,05ml), 0,9% NaCl (200ml) – Apotheke.
4. Gurgeln Sie mehrmals täglich mit Salbeitee, Eibischtee oder einer milden Salzlösung. Starke antiseptische Gurgelmittel zerstören die Mundflora.
5. Lutschen Sie zum Befeuchten Emser Pastillen, Isla Moos, Ipalat, Gelorevoice. Keine Bonbons mit ätherischen Ölen – diese trocknen aus!
6. Kaffee, schwarzer und grüner Tee, Red Bull, Rauchen und Alkohol, klimatisierte Räume trocknen die Schleimhäute aus. Trinken Sie deshalb viel Wasser!
7. Deutliche und präzise Artikulation mit den richtigen Pausen ist besser als eine laute Stimme.
8. Wenn Sie generell nach Sprechbelastungen heiser werden oder am Abend stimmlich angestrengt sind, dann sollten Sie auf jeden Fall Ihre Stimme trainieren.
9. Hält die Heiserkeit länger als fünf Tage an, unbedingt einen Phoniater – das ist ein auf die Stimme spezialisierter Hals-Nasen-Ohren-Arzt – aufsuchen, um die Ursachen abzuklären.
10. Beachten Sie Warnzeichen des Körpers . Bauen Sie den täglichen Stress ab, etwa durch Bewegung mit anschließenden Ruhepausen.

Was fällt ihnen zu dem Satz von Ilse Aichinger ein: „Alles, woran man glaubt, beginnt zu existieren“?

In meinem Leben brauche ich stets zuerst eine starke Vision von dem, was ich erreichen, was ich machen möchte. Je klarer diese für mich ist, desto leichter beginnt die Umsetzung und das Unmögliche beginnt zu existieren. So sagte ich als Fünfjährige: „Mit 50 schreibe ich ein Buch“ und genau das habe ich auch gemacht. Ein anderer Satz als Kind war, ich arbeite erst im Alter richtig gut und auch das, glaube ich, stimmt.

Was ist Ihnen im Leben wichtig?

Mich immer wieder neu begeistern zu lassen von unerwarteten Begegnungen im Alltag, von anderen Ländern, von dem Spirit großer Städte, von Querdenkern und Wagemutigen, von zufriedenen, humorvollen und energiegeladener Menschen, ist für mich Lebenselixier und macht mich glücklich. Arbeiten zu dürfen, Menschen mit meinem Wissen, meiner langen Berufs- und Lebenserfahrung zu unterstützen, erfüllt mich immer wieder aufs Neue und weckt in mir große Dankbarkeit.

Die Geborgenheit und die Auseinandersetzung in meiner Partnerschaft sind für mich Voraussetzung für das Umsetzen meiner Träume und unerlässlich für mein Wohlgefühl.

Beweglich zu bleiben auf körperlicher und geistiger Ebene ist mir letztendlich jedoch das Allerwichtigste und Voraussetzung für all das, was mein Leben ausmacht.

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