BewusstheitBrauchtRaum

Katrin Linzbach – Bewusstheit braucht Raum

Innerer Reichtum entsteht, wenn wir uns trauen, neue Wege zu gehen und das Bekannte zu hinterfragen. Das heisst nicht unbedingt, dass jeder Schritt einfach ist. Aber ohne zu gehen, kommen wir nicht ans Ziel.

Katrin Linzbach ist Inspirationsquelle für eine bewusste und sinnerfüllte Lebensgestaltung. Sie begleitet Menschen, die ihr Leben aktiv gestalten und eigene Ideen mit Leben füllen möchten. Unter www.bewusstsein-braucht-raum.de gibt sie regelmäßig Anregungen für eine sinnerfüllte, positive Lebensgestaltung aus der Kraft des Herzens. Im Juli hat sie das Kartenspiel veröffentlicht, welches die kleinen Wunder des Alltags in 40 Tagen sichtbar macht.

Was sind aus deiner Erfahrung oftmals die Ursachen für ein geringes Selbstwertgefühl?

Die Basis für ein gesundes Selbstwertgefühl wird meiner Meinung nach in der Kindheit geprägt. Wird einem als Kind nicht viel zugetraut – sei es aus Angst, oder weil die Eltern glauben, sie wüssten es besser – dann verliert das Kind Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Ich beobachte oft Eltern, die mit ihren Kindern spielen. Anstatt sie einfach machen zu lassen, höre ich zum Beispiel Sätze wie „So baut man doch kein Haus. Komm – ich zeig dir mal, wie das richtig geht“.

Außerdem wird in unserer Gesellschaft viel Wert auf Leistung gelegt. Wir vergleichen uns oft mit anderen und fokussieren unseren Blick auf das, was andere Menschen besser können als wir. Auch das startet schon in der Kindheit „Wie – dein Sohn kann immer noch nicht laufen?“ Es entsteht ein Gefühl aus Mangel, welches uns ein Leben lang begleitet, wenn wir uns dessen nicht bewusst werden und es ändern.

Welche Möglichkeiten haben wir, unseren Selbstwert zu stärken?

Zunächst einmal hilft es, sich bewusst zu machen, wie es um das eigene Selbstwertgefühl steht. Wie wurde es von meiner Familie und meinem Umfeld geschwächt bzw. gestärkt? Welche Gegebenheiten ziehen mein Selbstwertgefühl heute runter, welche stärken es?

Und dann kann man sich überlegen, was man ab sofort tun wird, um sein Selbstwert zu stärken. Ein guter Anfang ist, sich täglich im Spiegel anzulächeln und zu sagen „Ich bin wundervoll und einzigartig, so wie ich bin“. Außerdem ist es wichtig, den Fokus auf die eigenen Stärken zu legen. Zum Beispiel indem man 20 Dinge aufschreibt, die man an sich mag. Sobald man merkt, dass man sich selbst schlecht macht oder anderen die Möglichkeit gibt, dies zu tun, kann man sich die Liste ansehen und wieder auf die eigenen Stärken konzentrieren.

Es gibt immer jemanden, der etwas besser kann als wir. Und das ist OK. Denn wir sind OK so, wie wir sind. Es ist die Kombination der Dinge und nicht Einzelteile, die uns ausmachen. Und diese gilt es zu würdigen und zu schätzen.

Innere Zerrissenheit macht es manchmal schwer, die eigene Person wertzuschätzen. Gerade wenn die inneren „Stimmen“ einem Botschaften wie „Du schaffst das nie.“ und „Ich bin nicht richtig.“ einflüstern. Welche Möglichkeiten siehst du, dieses Dilemma zu lösen?

Es ist ganz normal, das verschiedene Stimmen in uns „plappern“ – einige sind lauter als andere, aber alle meinen es gut mit uns. Man sollte sich bewusst machen, dass man nicht nur aus einer besonders lauten inneren Stimme besteht, sondern aus vielen verschiedenen Stimmen. Innerliche Zerrissenheit entsteht erst, wenn diese im Konflikt zueinander stehen. Dann gibt es die Möglichkeit mit ihnen in den Dialog zu treten. Warum sagt sie das? Wovor hat sie Angst? Was braucht sie, damit es ihr besser geht? In einem solchen inneren Dialog entsteht Klarheit. Diese Klarheit wiederum stärkt das eigene Selbstwertgefühl.

Was macht es so schwer, Gewohnheiten zu ändern? Zum Beispiel mit dem Rauchen aufzuhören oder für mehr Bewegung zu sorgen? Vom Intellekt her wissen wir zwar, dass das für unsere Gesundheit hilfreich wäre, doch scheint das alleine nicht zu reichen.

Eine wichtige Voraussetzung Gewohnheiten zu ändern ist meiner Meinung nach, den persönlichen Sinn dahinter zu erkennen: Warum möchte ich die Gewohnheit ändern? Dieser Grund muss einerseits fühlbar und andererseits wirklich für mich relevant sein. Wenn ich beispielsweise aufhören möchte zu rauchen, mir meine Gesundheit und mein Körper aber nicht wichtig sind, dann kann ich mir das 100x vornehmen – es wird wahrscheinlich nicht klappen.

Wenn ich jedoch spüre, was eine Zigarette meinem Körper antut und ich mir wirklich bewusst darüber bin, wie wichtig ein gesunder Körper für ein glückliches Leben ist, gewöhne ich es mir möglicherweise von einem auf den anderen Tag ab. Frauen, die von ihrer Schwangerschaft erfahren, schaffen das häufig auch von einem auf den anderen Tag. Sie erkennen plötzlich einen Sinn, der für sie relevant ist.

 


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Was dich dazu bewogen, als Coach zu arbeiten?

2009 habe ich meine Festanstellung in einem internationalen Großkonzern gekündigt, weil eine innere Stimme sagte „Katrin – das Leben hat dir noch mehr zu bieten“. Wie dieses mehr aussehen sollte, war mir damals nicht bewusst. Zunächst einmal habe ich gemerkt, dass ich überhaupt gar keine Ahnung habe, wer ich eigentlich bin, was ich will und wie ich mir mein Leben wünsche.

Die Coachingausbildung habe ich in erster Linie gemacht, um Antworten auf diese Fragen zu finden. Das erste Testcoaching ist mir dann so leicht von der Hand gegangen, dass klar war – das ist ein Talent, welches ich leben möchte. Es ist das Leuchten in den Augen eines Menschen, wenn er eine Erkenntnis über sich und sein Leben gewonnen hat, die mich unglaublich erfüllt. Es steckt so viel schlafendes Potential in uns. Mit meiner Arbeit möchte ich Menschen unterstützen, die ihr eigenes Leben sinnerfüllt und bewusst gestalten möchten.

Welchen Stellenwert hat Kreativität in deinem Leben?

Schön, dass du diese Frage stellst. Ich habe mich immer für unkreativ gehalten. Kunst war absolut nicht mein Fach – musizieren, malen oder andere künstlerische Tätigkeiten haben mich gelangweilt. Irgendwann habe ich Freunde gebeten, einen Fragebogen mit verschiedenen Fähigkeiten und Eigenschaften über mich auszufüllen. Überall wurde Kreativität als hoch eingestuft. Da hat es Klick gemacht und ich habe mich auf die Suche nach der Kreativität in mir begeben. Plötzlich konnte ich all diese neuen, kreativen Ideen in meinem Kopf wahrnehmen und ihnen Raum schenken. Manche verfolge ich, andere lasse ich wieder fallen. Meine Kreativität zu leben ist essentiell und schenkt mir unglaublich viel Energie.

Was ist die Idee hinter deinem Kartenspiel „Bewusstheit braucht Raum®“?

In den Zeiten meiner eigenen Persönlichkeitsentfaltung habe ich alle Übungen, die mir gut getan haben, auf dem PC gesammelt. Ende letzten Jahres habe ich mir die Datei angesehen und gedacht: Es wäre schade, wenn diese auf dem PC verstauben. Da kam die Idee sie in Form eines Kartenspiels mit anderen Menschen zu teilen. Mir war wichtig, dass sich die Übungen leicht in den Alltag integrieren lassen. Heute hat man kaum noch Zeit dicke Bücher zu lesen oder irgendwelche Konzepte zu verinnerlichen. Beim Spiel zieht man täglich oder wöchentlich eine Karte, lässt sich von der Übung durch den Tag begleiten und beobachtet, was passiert. Die Aufgaben öffnen die Augen für die schönen Dinge um uns herum und ermöglichen, wieder mehr im Hier und Jetzt anzukommen.

Wenn du nur noch einen Tag zu leben hättest, was würdest du tun?

Diese Frage habe ich schon öfter beantwortet – die Antwort sieht jedes Mal anders aus. Wenn ich jetzt darüber nachdenke, würde ich mich mit meinem PC in mein Bett setzen und über die wundervollen Dinge schreiben, für die ich dankbar bin und die mein Leben besonders gemacht haben.

Welche Gedanken kommen dir bei den Worten von Deepak Chopra? „Wenn Sie sich von Ihrem Selbstbild lösen, können Sie frei entscheiden, als täten Sie es zum ersten Mal.“

Jeder hat ein Bild von sich: ‚Ich bin so und nicht so, ich kann dies und dies kann ich nicht.‘ Durch unser Selbstbild legen wir uns selbst Grenzen auf. Wenn wir uns von diesem Bild lösen, wird plötzlich alles möglich. Es gibt keine Glaubenssätze, Ängste, Wertevorstellungen, die uns einschränken, sondern wir sind frei. Ein unglaublich tolles Gefühl.

Wie lautet dein Lebensmotto?

Aktuell begleitet mich das Zitat von Alan Kay: „Der beste Weg, die Zukunft vorauszusagen, ist, sie zu gestalten.“

Katrin Linzbach

www.bewusstsein-braucht-raum.de

About the Author

Joachim HilbertJoachim Hilbert Vor 10 Jahren begann meine Reise nach Innen, denn ich suchte Antworten auf 3 Fragen. Was berührt mich? Woran habe ich Freude? Was verleiht meinem Leben Sinn? Dafür gibt es natürlich keine allgemein gültigen Lösungen. Mit meinen Artikeln möchte ich anregen, Antworten auf diese Fragen zu finden und hinter die Fassaden und Gewohnheiten zu schauen, damit sich unser innerer Reichtum offenbart. VisionView all posts by Joachim Hilbert

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