Es gibt Antworten, die mich stutzig machen. „Alles super!“ ist eine davon. Wie kann im Leben alles wunderbar sein? Ist mein Gegenüber schon erleuchtet? Nicht, dass Sie mich für einen Pessimisten oder Jammerbarden halten. Aber offen gesagt, habe ich meine Baustellen und an manchen Tagen habe ich sogar schlechte Laune.

Zuerst habe ich diese Alles-Super-Menschen beneidet. Einfach Klasse, wie die das Leben wuppen. Beziehung läuft wunderbar, im Beruf keine Probleme und einen Körper, der alles mitmacht. Stets ein Lächeln auf den Lippen. Echte Siegertypen.

Besteht die Möglichkeit ein bisschen intensiver ins Gespräch zu kommen, zeigt sich dann doch die eine oder andere Unpässlichkeit im Leben. Ja, manche sind plötzlich sogar froh, ein wenig mehr zu erzählen. Haben sie Vertrauen gefasst, öffnen sie ihr Herz einen Spalt. Und plötzlich offenbart sich ein anderes, viel menschlicheres Bild.

[pullquote2 quotes=“true“ align=“center“ variation=“orange“ cite=“Eleonore Duse“]Es ist gefährlich, anderen etwas vorzumachen, denn es endet damit, dass man sich selbst was vormacht.[/pullquote2]

Ich frage mich im Stillen, warum es so wichtig ist, nach Außen gut dazustehen. Klar, keiner präsentiert sich gerne als Vollpfosten. Doch der Auftritt als Supermann, der keiner ist, wirkt auch nicht gerade vorteilhaft. Vor allem spielen wir uns und anderen etwas vor. Ist unsere Zeit nicht viel zu kostbar, als das wir glauben, Theater spielen zu müssen?

Vor allem macht es wenig Sinn, sich etwas vorzumachen. Sobald ich erkenne, wo der Schuh drückt, beginnt die Reise in Richtung Lösung. Wie wollen wir Unterstützung erfahren, wenn keiner von unseren Dringlichkeiten weiß? Das Klischee des einsamen Helden sieht vielleicht im Kino cool aus. Im Alltag wirkt es auf mich eher naiv.

Mittlerweile erwidere ich auf ein „Wie geht es dir?“ schon mal: Momentan nicht besonders gut. Und das hört sich keineswegs leidend an. Einfach weil es guttut, mich nicht zu verstellen. Um authentisch zu sein, dürfen wir lernen, unser momentanes Befinden anzunehmen. So fühle ich mich jetzt. Nachher kann es wieder anders sein. Mal spüre ich Glück, mal Traurigkeit und manchmal irgendetwas dazwischen.

Und wie geht es Ihnen gerade?