TraeumenErlaubt

Catharina Bruns – Träumen erwünscht

Träumen wird allzu leicht mit Nichtstun gleichgesetzt. Dabei ist Fantasie der Eintritt in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Wir wissen oftmals nur, was nicht geht und trauen uns nicht, neue Wege zu einzuschlagen. Folgen Sie deshalb Ihren Träumen und hören, was sie Ihnen zu sagen haben.

Catharina Bruns ist Gestalterin und leidenschaftliche Unternehmerin. Ihre momentanen Projekte sind workisnotajob, supercraft, Lemon Books und superwork. Jenseits des Hamsterrads definiert Catharina ihren persönlichen Deal mit der Arbeit und hat für sich längst herausgefunden, dass Arbeiten viel mehr sein muss, als Geld verdienen.

Die meisten Menschen wünschen sich Freiheit und möchten tun, wozu sie Lust haben. Doch den Preis, das eigene Leben selbstverantwortlich in die Hand zu nehmen, sind nur wenige bereit zu zahlen. Können Sie sich diesen Widerspruch erklären?

Ich wäre mir da nicht so sicher, ob die meisten Menschen sich wirklich Freiheit wünschen, denn zur Freiheit gehört nun mal die Eigenverantwortung. Der Widerspruch liegt darin, dass die meisten sich absolute Sicherheit wünschen und trotzdem gerne tun wollen, wozu sie Lust haben. Aus Angst oder Bequemlichkeit bleiben leider viele Menschen unter ihren Möglichkeiten.

Aber Weiterentwicklung findet immer außerhalb der Komfortzone statt. Niemand hat gesagt, dass ein selbstbestimmtes Leben einfacher ist. Bequemlichkeit hingegen, ist sehr einfach. Nur, wer sich selbst nicht in der Zuständigkeit sieht, braucht sich auch nicht darüber wundern, dass die Dinge von Staat, Arbeitgeber, oder “Umständen” anders entschieden werden, als man es für sich selbst oder die Gesellschaft richtig finden würde. Dann sollte man nicht vergessen, dass man sich dafür entschieden hat, mitzumachen, statt selbst zu machen.

Ich bin fest überzeugt, dass der Preis, den wir zahlen weitaus höher ist, wenn wir uns dagegen entscheiden, unser Leben eigenverantwortlich zu gestalten. Die eigene Freiheit für angebliche Sicherheit einzutauschen und sich freiwillig in Abhängigkeiten zu begeben, macht den Menschen kleiner als er ist.

Über unser permanentes Beschäftigtsein vergessen wir leicht, eigene Träume zu entwickeln und sie ernst zu nehmen. Neben all den dringlichen Aufgaben wirken Träume ein wenig wie Luxus. Wie wichtig sind Fantasie und Träume für Sie?

Sehr wichtig. Was ist das für eine Gesellschaft – ohne Fantasie und in der das Träumen als Luxus angesehen wird? Beim Träumen ist man frei und Träume geben dem Streben einen persönlichen Sinn. Man muss sich doch auch mal fragen, womit bin ich eigentlich so beschäftigt, dass ich keine Zeit mehr habe zu träumen? Seine eigenen Träume zu kennen ist kein Luxus, sondern eine Selbstverständlichkeit.

Ich sehe es als Bereicherung, wenn möglichst viele Menschen ihren Traum kennen und leben. Wer dabei denkt, das dies zu einer Gesellschaft von Egoisten und Faulenzern führt, sollte sowohl seine eigenen Träume (jeder verrät sich selbst) als auch sein Menschenbild überdenken. Ich umgebe mich am liebsten mit Menschen, die ihre Träume leben und niemand davon ist faul oder egoistisch. Ganz im Gegenteil, die Umsetzung von Lebensträumen ist mit richtig viel Arbeit verbunden und selten gekennzeichnet davon, etwas besitzen zu wollen, sondern vielmehr davon, etwas zu gestalten und etwas von Bedeutung beizutragen.

All die schönen Dinge, die wir als Konsumenten als so selbstverständlich erachten – am Wochenende in ein schönes kleines Café zu gehen, in einem geschmackvollen kleinen Blumenladen zu stöbern, Kultur und Kunst zu genießen – all diese Angebote gäbe es nicht, hätte man diesen Menschen ihren Traum ausgetrieben und würden sie sich immer nur fragen: Rechnet sich das für mich?

Wer nichts gestaltet, der konsumiert doch nur. Damit man der Welt auch etwas hinzufügen kann, muss man sich darüber klar werden, was das eigene Potenzial ist und inwiefern man es in seinem Leben ausnutzen möchte. All das gehört in eine bessere Definition von Arbeit und beginnt nicht selten mit einem persönlichen Traum.

Was sind aus Ihrer Erfahrung untrügliche Zeichen, dass der jetzige Job eine (persönliche) Sackgasse ist?

Ich denke, dass spürt man selbst ganz genau, die Frage ist, wie man damit umgeht. Nehme ich es hin, wenn die Arbeit auf Dauer mehr Energie raubt, als sie spendet? Macht es mir wirklich nichts aus, wenn der persönliche Antrieb am Arbeitsplatz unwichtig ist? Oder ich mich den ganzen Tag mit Menschen und Dingen beschäftigen muss, die mir nichts bedeuten?

Es ist geradezu schockierend, wie viele Menschen derartige Realitäten als normal hinnehmen und ihr Leben um etwas biegen, dass sie vollkommen kalt lässt, oder dass sie ständig unter- oder überfordert. Jobs sind vielleicht so – aber Arbeit ist mehr als ein Job. Und nur dort, wo sie als mehr empfunden wird, macht man sich und seinem Umfeld mit seiner Arbeit ein Geschenk und kann sich seiner Persönlichkeit entsprechend entwickeln.

Können wir einen Mangel an Sinn und Zufriedenheit in unserer Arbeit auf Dauer mit Geld kompensieren?

Sicher nicht, auch wenn einige es ein ganzes Leben lang versuchen. Geld ist ein notwendiges Mittel, aber doch vollkommen inhaltslos. Weder Sinn, noch langfristige Zufriedenheit kann man irgendwo kaufen, man muss es für sich gestalten. Die Überhöhung von Geld und Konsum als Lebenszweck, hat auch dazu beigetragen, dass Arbeit nur auf Erwerbsarbeit reduziert wird.

Es geht nicht mehr um Selbstverwirklichung, sondern erstmal um Gelderwerb, Status und Existenzsicherung. Eine Praxis, die uns menschlich eben unerfüllt lässt – die große seelische Erschöpfung, die interessanterweise besonders die Menschen in den reichen Gesellschaften befällt, ist doch Beweis genug. Es wird Zeit, Gestalter zu werden und der Arbeit wieder persönliche Bedeutung zu geben.

Warum fällt es Menschen gerade im sicheren und wohl behüteten Deutschland schwer, beruflich neue Wege zu gehen und etwas zu wagen?

Ich habe ein paar Jahre im Ausland gelebt und daher ist mir nach meiner Rückkehr so stark aufgefallen, wie skeptisch, ja fast schon zynisch wir hierzulande neuen Herangehensweisen begegnen. Die Angst vor dem Scheitern ist groß, lieber bewerten wir Vorhandenes, als selbst etwas zu schaffen. Und der Angestelltenstaat funktioniert ja objektiv gesehen auch, wir haben also auch keine “Not” etwas eigenes aufzubauen. Verrückt, Selbstständigkeit erst aus der Not heraus zu versuchen.

Dabei sind gerade die sicheren Umstände hierzulande ideal um sich in verschiedener Richtung auszuprobieren! In Deutschland hat sich eine Angestelltenmentalität breit gemacht, die vorgibt, dass zum guten, bürgerlichen Leben nicht die Selbstständigkeit, sondern die gute Anstellung gehört. Obwohl zu wenige mit ihrem Job zufrieden sind, werden die vielen Alternativen zu Job und “Karriere” kaum erforscht. Und das, obwohl die Möglichkeiten dazu heute so vielfältig sind, wie noch nie zuvor.

Verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin nicht gegen die abhängige Beschäftigung, aber ich bin FÜR die Selbstständigkeit – nicht als Gegenmodell zum Angestelltsein, sondern als Haltung. Warum der Welt nicht etwas Interessantes von sich selbst anbieten – auch wenn es vielleicht nicht gleich in Vollzeit ist?

 


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Unternehmerisches Denken, Kreativität und ein gesundes Selbstbewusstsein entscheiden in einem hohen Maße, ob das eigene Projekt Erfolg haben wird. Fähigkeiten die wir nicht unbedingt in der Schule lernen. Wie haben Sie sich dieses Wissen angeeignet?

In den Schulen wird das alles zu wenig gefördert, schlimmer noch, wenn es den Kindern ausgetrieben wird. Das ganze Bildungssystem ist auf die abhängige Beschäftigung ausgerichtet – das ist nicht der Untergang der Welt, aber es bedeutet, dass man schon früh selbst darauf kommen muss, dass man dort nicht zu selbstbestimmten, starken Persönlichkeiten gemacht wird, sondern zu einem weiteren Rad im Getriebe.

Ich habe mir übrigens noch nie Gedanken darüber gemacht, ob ich besonders kreativ bin, oder wie eine Unternehmerin denken kann. Ich weiß nur, Quatsch bleibt Quatsch und es wird nicht besser, indem man unendlich versucht sich dem Quatsch anzupassen. Als ich zugelassen habe, auf meinen Körper zu hören und mich darauf zu konzentrieren, was ich gestalten möchte, war mir schnell klar, dass ich anders leben und arbeiten möchte, als die Konventionen der Unternehmenswelt es vorgeben.

Seitdem weiß ich, dass man alles was man wissen muss, am besten über praktische Erfahrungen lernt. Das ist sicher nicht immer angenehm, der Weg ist nicht ausgeschildert und man kann niemandem die Schuld für sein blödes Arbeitsleben geben. Ich verfüge übrigens keineswegs über ein besonders großes Selbstbewusstsein, sondern eher über einen sehr starken Antrieb, etwas von mir selbst zu verwirklichen. Ich liebe die Entwicklung.

Die Erkenntnis, dass mein derzeitiger Job mich nicht mehr erfüllt, ist lediglich ein erster Schritt. Plötzlich stellen sich elementare Fragen wie: Was bereitet mir Freude? Kann ich davon leben? Traue ich mir das überhaupt zu? Wie sah bei Ihnen der Neuanfang aus?

Ich habe auch nicht von heut’ auf morgen gekündigt, sondern parallel zum Job bereits begonnen, mich auszuprobieren. Ich wusste auch nicht, wie genau ich am besten weitermachen sollte, nur dass ich etwas grundsätzlich anders machen musste, damit mein Leben wieder mein Leben wurde.

Mein Gestaltungswille ist stärker, als mein Vertrauen in angebliche Sicherheiten, die Entscheidung zu kündigen empfand ich daher als große Befreiung. Die Frage “womit werde ich mein Geld verdienen” habe ich mir erst im nächsten Schritt gestellt. Ich habe konsequent darauf vertraut, das mein Weg eben ein anderer ist und mir war immer klar, dass die richtige Arbeit nicht nur von purer Freude bestimmt ist, sondern sehr stark auch von einer empfundenen Notwendigkeit.

Daher habe ich mich nicht gefragt, was macht mir den größten Spaß, sondern was möchte ich gestalten? Was ist der Wertbeitrag den ich leisten kann? Was ist die Arbeit, die etwas lebendig macht, von dem ich mir wünsche, das es existiert? Dies ist übrigens nicht nur beschränkt auf das, was ich mir beruflich vornehme – sondern als Lebensgestaltung. Wie gehe ich mit Mitmenschen um, wie arbeite ich mit anderen zusammen, in welcher Gesellschaft möchte ich leben? Fragen die sich jeder stellen darf.

Ihrem Buch „Work is not a Job.“ wohnt eine faszinierende Zuversicht und ein wunderbarer Optimismus inne. Wie haben Sie diese Eigenschaften entwickelt?

Mit einer grundsätzlich positiven Haltung zu seiner Arbeit, verändert sich auch der Ausblick auf die eigenen Möglichkeiten. Aber man muss beginnen. Ich habe auch erst durch mein Tun gelernt, dass die Zukunft absolut gestaltbar ist. Passivität, Zynismus und Angst dagegen führen nirgendwohin. Wer also nirgendwohin will, kann sein Leben damit verbringen passiv, zynisch oder ängstlich zu sein. Ich sehe mich nicht als Missionarin, jeder muss selbst wissen, was er in seinem Leben tun möchte. Ich wende mich aber all jenen zu, die wissen, dass sie und ihre Arbeit mehr sind, als irgendein Job.

Welche Gedanken kommen Ihnen bei den Worten von M. B. Rosenberg „Das Ziel im Leben ist es, all unser Lachen zu lachen und all unsere Tränen zu weinen. Was auch immer sich uns offenbart, es ist das Leben, das sich darin zeigt, und es ist immer ein Geschenk, sich damit zu verbinden.“

Ein schönes Zitat für ein intensives Leben. Wenn man es schafft es so zu sehen, ist man schon sehr weit.

Was bedeutet für Sie Erfolg?

Ich beschäftige mich gar nicht mit Erfolg. Wenn meine Arbeit jemanden positiv inspirieren kann, mir selbst und anderen etwas gibt, dann fühlt sich was ich tue richtig an. Erfolg messe ich eher an dem positiven Einfluss, den ich nehmen kann und persönlicher Weiterentwicklung, als an momentanen Leistungen, Verdienst oder Lob anderer.

Catharina Bruns

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Joachim HilbertJoachim Hilbert Vor 10 Jahren begann meine Reise nach Innen, denn ich suchte Antworten auf 3 Fragen. Was berührt mich? Woran habe ich Freude? Was verleiht meinem Leben Sinn? Dafür gibt es natürlich keine allgemein gültigen Lösungen. Mit meinen Artikeln möchte ich anregen, Antworten auf diese Fragen zu finden und hinter die Fassaden und Gewohnheiten zu schauen, damit sich unser innerer Reichtum offenbart. VisionView all posts by Joachim Hilbert

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