Ohne das Bewusstwerden unserer Ängste können wir uns nicht weiter entwickeln. Wir brauchen Phasen der Reflektion und Stille. Sie bieten uns den Freiraum, um unserer Individualität und der Liebe zum Leben Ausdruck zu verleihen.

Christine N. Kloess hat über 10 Jahre in diversen Führungsfunktionen auf nationaler sowie internationaler Ebene im Bereich Human Resources/Global Mobility gearbeitet. Neben zahlreichen fachlichen sowie sprachlichen Weiterbildungen und Auslandaufenthalten hat sie sich kontinuierlich in grenzwissenschaftlichen Disziplinen, in Individualpsychologie sowie in medialer Beratungsarbeit weitergebildet. Sie verfügt u.a. über einen Diplomabschluss in Astrologie und in geistig‐medialer Beratung. Christine N. Kloess hat es sich zur Aufgabe gemacht, Menschen in ihrer (Weiter‐)Entwicklung zu fördern, zu begleiten und in ihrer Persönlichkeitsentfaltung zu stärken. Sie arbeitet sowohl mit Privatpersonen wie auch Unternehmungen und beschäftigt sich auf verschiedenen Ebenen in unterschiedlichster Form mit der wirksamen Entfaltung von Talenten und Potentialen. Ihr erstes Buch „Ich bin. Unsere Individualität als Basis einer erfolgreichen Gesellschaft.“ ist im Herbst 2013 erschienen.

In ihrem Buch beschreiben Sie das Spannungsfeld zwischen Persönlichkeit und Anpassung. Aus welchem Grund plädieren Sie für mehr Individualität in unserer Gesellschaft?

Unsere Gesellschaft vollzieht derzeit einen großen Wandel. Dem Einzelnen wird hier eine besondere Rolle zuteil, denn das Individuum gehört zur neuen Zeit wie ein Fisch ins Wasser. Nicht zufällig sprechen Trendforscher von der Entwicklung einer Individualitätskultur. Nicht zufällig beginnen immer mehr Bürger ihre Stimme gegen die Entscheidungen ihrer Regierungen zu erheben. Nicht zufällig setzen sich immer mehr Menschen mit Sinn und Zweck ihres Daseins auseinander.

Für uns alle geht es nun immer mehr um die Erkenntnis: Damit es uns allen gut geht, bedürfen wir der Qualitäten des Einzelnen. Unsere Gesellschaft hat es jedoch verlernt, den Einzelnen in seiner Einzigartigkeit zu fördern und in seiner individuellen Entfaltung zu fordern. Es ist in Vergessenheit geraten, wovon die natürlichen Lebensgesetze erzählen und was Individualität wirklich bedeutet.

Viele Menschen vernachlässigen ihre Ressourcen und eifern aus unterschiedlichsten Motiven Zielen nach, die nicht im Geringsten mit ihrem Potential in Verbindung stehen. Das ist als besäßen wir das Saatgut einer Karotte und strebten danach, zu einer Tomate heranzuwachsen. Lang- oder kurzfristig kann das nicht gut gehen. Dadurch bleibt der Einzelne unter seinen Möglichkeiten und sein Beitrag stellt weder ihn selbst noch seine Umgebung zufrieden.

Das habe ich nicht nur als Führungskraft feststellen dürfen, sondern auch bei meiner Beratungsarbeit sowie im privaten Austausch. Weder Qualität noch Mehrwert werden durch ein solches Verhalten geschaffen. Durchschnittlichkeit, Anpassung und Mainstream werden uns nicht weiter bringen. Nur wenn der Einzelne von uns zunehmend seine Individualität entfaltet und seine Gaben konstruktiv zum Wohl seiner Mitmenschen nutzt, werden wir derzeitige Herausforderungen in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft meistern und uns zu einer wahrhaftig modernen Gesellschaft des 21. Jahrhunderts entwickeln können. Davon bin ich überzeugt.

Heutzutage wird gerne davon geredet, wie wichtig es ist, seinen Traum zu leben. Doch was ist, wenn ich noch nicht einmal einen Traum habe. Wie helfen Sie Menschen, ihre Talente zu entdecken und eine persönliche Vision zu entwickeln?

Ja, in der Tat, nicht alle kennen ihre innersten Wünsche oder spüren seit ihrer Kindheit, wozu sie berufen sind. Jeder von uns hat aber einige wichtige Aufgaben übernommen, die es mit Hilfe der eigenen Begabungen zu erfüllen gilt! Diese sind zu erforschen und ins Bewusstsein zu rufen. Meine Tätigkeit konzentriert sich in diesem Fall vor allem auf die Erarbeitung einer ganzheitlichen Perspektive auf das eigene Sein, die Erkennung der eigenen Einzigartigkeit. Prägungen, Talente, Potentiale, Aufgaben sowie Chancen und Herausforderungen werden beleuchtet und sichtbar gemacht. Dabei unterstützen mich meine ausgeprägten geistig-intuitiven Wahrnehmungsfähigkeiten sowie grenzwissenschaftliche Methoden, wie u.a. die Astrologie.

Durch diese Form von Analysearbeit und den gemeinsamen Austausch wird nicht nur einiges ins Bewusstsein gerufen, sondern auch auf energetischer Ebene viel in Bewegung gesetzt – ein Prozess der Entdeckung, der Klärung, des Nachdenkens, des Ordnens, neuer Impulse und Ideen sowie der Entscheidungsfindung. Ziel meiner Tätigkeit ist, die Augen meiner Kunden wieder zum Leuchten zu bringen.

Läuft es im Leben mal nicht so glatt, spüren wir, wie gut es um unser Selbstbewusstsein bestellt ist. Warum sind es oft die unbequemen Situationen im Leben, die uns reifen lassen?

Solange alles gut läuft, sehen wir oft weder einen Grund noch die Notwendigkeit, etwas zu lernen oder uns weiter zu entwickeln. Der Mensch orientiert sich gerne an Vertrautem. Das vermittelt ihm Sicherheit. Zudem vergräbt er sich gerne in seiner Bequemlichkeit. Doch wenn wir uns plötzlich in einer für uns wirklich schwierig erscheinenden Situation wiederfinden, dann geraten wir unter Druck und beginnen unsere Ressourcen plötzlich zu mobilisieren.

Leben ist Wandlung und somit Entwicklung. Reifen und wachsen können wir nur, indem wir uns bewegen, Neues ausprobieren, unseren Radius Schritt für Schritt erweitern. Wenn wir uns selbst nicht fordern, kreiert das Leben die Situationen für uns, die uns fördern sollen. Vom Leben werden wir immer wieder aufgefordert aus der eigenen Komfortzone herauszutreten. Spätestens dann, wenn wir einen Entwicklungsschritt abgeschlossen haben und unsere Seele nach dem nächsten verlangt. Das erscheint uns meistens unbequem, denn das bedeutet Arbeit und erfordert Flexibilität, Mut sowie Disziplin.

Je mehr wir uns das bewusst machen, desto einfacher wird es uns fallen, uns dem natürlichen Lebensrhythmus hinzugeben und unbequeme Situationen in bereichernde Erfahrungen umzuwandeln.

Innere Zerrissenheit macht es manchmal schwer, die eigene Person wertzuschätzen. Gerade wenn der innere Kritiker einem Botschaften wie „Du schaffst das nie.“ und „Was denken bloß die anderen?“ einflüstern. Welche Möglichkeiten sehen Sie, dieses Dilemma zu lösen?

Oft ist es ein Mangel an Selbstvertrauen, -liebe oder -bewusstsein, der diese destruktive Stimme in uns lauter werden lässt. Indem wir uns diesen Interventionen des inneren Kritikers jedoch bewusst werden, ist bereits ein erster, wichtiger Schritt zur Lösung des Dilemmas getan. In Situationen wie diesen sollten wir uns fragen: Warum verleihen wir dem Kritiker mehr Macht über uns als unserem Herzen? Warum lassen wir uns von ihm einschüchtern? Warum nehmen wir ihn so ernst?

Sich auf die Qualität eigener Gedanken und Worte zu fokussieren ist in jeder Hinsicht ein wertvolles Hilfsmittel, das uns hilft zu erkennen, wo wir uns unnötig begrenzen. Wenn ein Gedanke von Klarheit geprägt ist, uns in unserem Handeln fördert, aber auch fordert und uns im Innern ein Wohlgefühl verleiht, sollten wir ihn unbedingt ernst nehmen und weiterverfolgen. In diesem Fall entspringt er unserem besten Ratgeber, unserem Herzen. Sobald ein Gedanke in uns hingegen ungute Gefühle, Mangel, Selbstzweifel oder Angst auslöst, ist er unverzüglich zu verabschieden und durch einen konstruktiven, aufbauenden zu ersetzen.

 
 


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Wie versuchen gerne, die Welt unseren Vorstellungen anzupassen, was in der Regel recht anstrengend ist. Macht es nicht mehr Sinn, die eigenen Ängste und Erwartungen einmal genauer anzusehen, um dem Leben mit mehr Offenheit und Vertrauen zu begegnen?

Ja, das macht sogar sehr viel Sinn! Offenheit und Vertrauen sind von großer Wichtigkeit, denn damit erlauben wir dem Leben, uns in positiver Weise zu überraschen. Das Beste vom Leben zu erwarten – ohne Vorstellung davon, was das Beste für uns im einzelnen Augenblick bedeutet – ist die einzige Erwartung, welche wir hegen sollten. Wir sollten uns schon deshalb nie auf ein einziges Ziel fixieren, weil es im Rahmen unseres Daseins meistens unterschiedliche Möglichkeiten gibt wie wir erfolgreich Ziele verwirklichen können.

Unsere Vorstellungen berücksichtigen meistens nur einen kleinen Teil des verfügbaren Potentials. Zielorientiert müssen wir unbedingt sein, aber keinesfalls zielfixiert. Darüber hinaus sollten wir unser Handeln und unsere Entscheidungen niemals auf Angst gründen. Angst ist eine der größten Hürden auf dem Weg unserer Entfaltung. Angst lähmt, blockiert, hemmt und trennt uns von unserem Innern. Sie ist weder lebensbejahend noch den eigenen Horizont erweiternd. Letztlich ist sie nichts anderes als die Abwesenheit von Vertrauen.

Bei der Definition der eigenen Person beziehen wir uns gerne auf Äußerlichkeiten. Aussehen, Beruf, Status und Einkommen scheinen oftmals den eigenen Wert zu bestimmen. Wie hilfreich ist diese Identifikation?

Eigentlich in gar keiner Weise. Wir sollten uns an Äußerlichkeiten erfreuen und sie genießen, aber weder unsere Identität noch unseren Wert damit verknüpfen. Wenn wir uns einzig und alleine auf Äußerlichkeiten fokussieren, werden wir nie zufriedenstellende Antworten auf die für uns existentiellen Fragen finden. Unser wahres Sein offenbart sich uns im Innern.

Je mehr wir uns mit uns selbst beschäftigen, eine ehrliche Auseinandersetzung pflegen, unsere Bedürfnisse anerkennen und unser äußeres Leben danach ausrichten, desto mehr werden wir zu dem, was wir wirklich sind. In diesem Moment wird unser Äußeres zu einem authentischen Abbild unseres Inneren. Ein gemaltes Bild fasziniert uns schließlich nicht aufgrund seines Rahmens. Der Inhalt ist das, was zählt und ein Kunstwerk zu dem macht, was es ist.

Was verstehen Sie unter Spiritualität?

Die eigne Spiritualität zu fördern erachte ich als einer der wichtigeren Punkte, wenn es darum geht, uns zu entfalten und das eigene Leben sinn- und wertvoll zu gestalten. Spiritualität kann als Gegensatz von Materialität bezeichnet werden oder auch als das Bewusstsein, dass unsere Seele ihren Ursprung dem Kosmos verdankt. Mit einer positiven Einstellung und voller Vertrauen durch das Leben zu gehen, sich selbst besser zu erkennen, selbstbestimmt zu leben oder seinen Mitmenschen ein Lächeln zu schenken, repräsentiert genauso eine spirituelle Handlung wie wenn wir unserer Intuition folgen, ein Gebet sprechen oder uns voller Energie einer bestimmten Tätigkeit widmen.

Moderne Spiritualität zeichnet sich dadurch aus, dass sie Bestandteil des Alltags, täglich lebbar ist und nicht einzelnen Geistlichen vorbehalten ist. Die neue Zeit erzählt von einer Spiritualität, die in selbstverständlicher Weise in das tägliche Wirken von uns allen einfließt und in der Gesellschaft ankommt. Das bewusste, tägliche Praktizieren von Spiritualität vermittelt uns Orientierung, ist Hilfsmittel und Kompass zugleich. Indem wir dem Spirituellen Raum verschaffen, können wir das Potential unseres irdischen Lebens besser aktivieren.

Was hat Sie dazu bewogen, Ihre Arbeit als Führungskraft aufzugeben und als Coach zu arbeiten?

Meine Seele, mein Geist und mein Körper machten mich darauf aufmerksam, dass die Zeit (und ich mit ihr) reif war, um den nächsten Schritt in meinem Entwicklungsprozess in Angriff zu nehmen. Sie steuerten diesen Veränderungsprozess, obwohl der innere Kritiker beziehungsweise Verstand und Ego vehement opponierten. In regelmäßigen Abständen gab mir der innere Kritiker zu verstehen, wie riskant, unsinnig und unverantwortlich es sei, das bisher hart Erarbeitete freiwillig aufzugeben, ohne zu wissen, was als nächstes kommt.

Zudem versuchte er mir den Gang in die berufliche Eigenständigkeit mies zu machen, indem er mir vermittelte, dass nun wirklich niemand auf mich warten würde. Zum Glück verfügte ich schon damals über einen guten Zugang zu meinem Innern, was mir bei der damaligen Veränderung vieles erleichterte. Mein Herz ließ mich glücklicherweise in regelmäßigen Abständen sehr deutlich spüren, dass mein Vertrauen in die eigenen Impulse und der Mut sich lohnen würden.

Als ich mich von der Konzernwelt verabschiedete, nahm ich mir zuerst eine Auszeit, um zur Ruhe zu kommen. Intuitiv ahnte ich zu diesem Zeitpunkt bereits, auch wenn der Gedanke daran Unbehagen auslöste, dass der nächste von mir verlangte Schritt die weitere Ausbildung meiner intuitiven Fähigkeiten sowie der Gang in die unternehmerische Selbständigkeit sein würde. Mein Wissen über mich selbst und meine Veranlagungen unterstützten mich während dieser Zeit der Ablösung und des gleichzeitigen Neubeginns sehr. In dieser Phase habe ich unter anderem gelernt, von welcher Relevanz Selbstdisziplin und der Glaube an sich selbst und die eigenen Impulse sind. Ohne sie wäre ich nicht an diesem Punkt, an dem ich mich heute befinde. An welchem ich sehr gerne und voller Zufriedenheit stehe.

Doch die Reise geht weiter. Jeden Tag spüre ich von neuem, wie sich mein Sein und Wirken weiterentwickeln. Wäre mir vor 5 Jahren gesagt worden, dass ich 2014 als Beraterin und Autorin tätig bin, hätte ich das nicht geglaubt – auch wenn mir meine Prägungen schon immer davon erzählt haben. Das zeigt: Es liegt an uns, was wir aus unseren Potentialen machen und ob wir mutig genug sind, sie erleben und erfahren zu wollen.

Welche Gedanken kommen Ihnen bei den Worten von Erich Fromm „Ungewissheit ist gerade die Bedingung, die den Menschen zur Entfaltung seiner Kräfte zwingt.“?

Erich Fromm kann ich diesbezüglich nur zustimmen. Das Ungewisse ist ein wichtiger Motor zur Entfaltung unserer Kräfte. Es gehört zu unserem Entwicklungsprozess als Mensch auf dieser Erde. Wir dürfen, können, sollen nicht immer alles wissen. Wenn wir nämlich schon alles wüssten, gäbe es vermutlich gar keinen Grund mehr, auf der Erde zu leben, bestimmte Erfahrungen zu meistern und als Seele zu wachsen. Ungewissheit fördert uns darin, mehr Vertrauen zu entwickeln – in uns, in das Leben, in das Jetzt, in den Verlauf der Dinge. Je vertrauensvoller wir sind, desto besser wissen wir das Leben und seine Aufgaben zu meistern. Der Umgang mit der Ungewissheit lässt uns lernen und immer mehr zu Wissenden werden.

Was ist Ihnen im Leben wichtig?

Als wichtig erachte ich die Umsetzung der Impulse, die unserem Herzen entspringen, das, was uns jeden Morgen wieder von neuem motiviert, aufzustehen und das, wofür wir unsere Energie von Herzen einzusetzen bereit sind. Etwas bewegen zu können, etwas zu vollbringen, andere durch den eigenen schöpferischen Ausdruck berühren und inspirieren zu können, das Leben mit seinen Möglichkeiten und in all’ seiner Schönheit zu erfahren – all’ das sind Dinge, die ich in meinem Leben als wichtig empfinde.

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