Angeblich ist jeder Zweite unzufrieden mit seiner Arbeit. Die Kollegen sind unmöglich, die Bezahlung armselig und die da „Oben“ benehmen sich, als hätten sie keine Ahnung vom Alltagsgeschäft. So kommen viele Menschen frustriert nach Hause oder warten sehnlichst auf den Feierabend, damit das Leben endlich beginnt. Irgendwas scheint am „System“ nicht zu stimmen. Nur wer ist das System? Gehören wir nicht auch dazu?

Ich kann mir neue Kollegen, einen anderen Partner oder am besten gleich ganz viel Geld wünschen, damit sich meine Schwierigkeiten verflüchtigen. Das Komische ist allerdings, dass wenn diese Dinge eintreten, die Probleme sich nicht in Luft auflösen. Klar zuerst lebt es sich entspannter und man fühlt sich vom Druck befreit. Doch es dauert meist nicht allzu lange und die ersten Schleier verdunkeln das perfekte Leben. Die neuen Kollegen sind zwar nett, haben aber irgendwie auch ihre Macken. Der neue Partner ist zwar viel aufmerksamer, aber warum muss er sich so viel mit seinen Kumpels treffen? Die meisten „Schwierigkeiten“ haben offensichtlich auch mit uns zu tun.

[pullquote2 quotes=“true“ align=“center“ variation=“orange“ cite=“Ezra Pound“]Sklave ist, wer darauf wartet, dass jemand kommt und ihn befreit.[/pullquote2]

Persönlichkeit ist unser Potential

Ich kann ja sowieso nichts ausrichten. Was bringt es denn, wenn nur ich mich ändere? Ja, es gehört eine Menge Mut dazu, neue Wege zu erkunden und sich auszuprobieren. Doch wenn niemand mit anpackt, wird das „System“ sich nicht ändern. Und vor allem kommt unser Engagement ja nicht nur anderen zugute. Es sind vielmehr wir, die davon in einem hohen Maße profitieren.

Sich in persönlichen Dingen weiterzuentwickeln, birgt ein enormes Potential. Neben wertvollen Anregungen lernen wir in der Regel auch interessante Menschen kennen. Dieses Wissen kann uns keiner nehmen und es verliert nicht seinen Wert. Im Gegenteil, je länger wir damit arbeiten, desto größer wird die Dividende. Das kann ein Kurs in gewaltfreier Kommunikation sein, ein Vortrag zum Thema Achtsamkeit oder sogar ein mehrtägiges Training zur Schulung der emotionalen Intelligenz.

Lassen Sie sich auf dem Weg der persönlichen Veränderung bitte vor allem von der Freude leiten. Es geht nicht darum, irgendwelche persönlichen Mängel auszugleichen oder „ein besserer Mensch“ zu werden. Wir sind so in Ordnung wie wir sind. Und es besteht jederzeit die Möglichkeit, Neues dazuzulernen.

Einen Beitrag leisten

Doch wie kann ich mich nun konkret einbringen für ein entspanntes Miteinander? Wie soll ich das bewerkstelligen neben meiner Arbeit und all den Verpflichtungen?

Aufmerksamkeit halte ich für das größte Geschenk. Ein Lächeln, ein offenes Ohr können unendlich viel bedeuten und signalisieren: Du bist mir wichtig. Das kann ein kurzes Gespräch am Vormittag sein und ein Schmunzeln am Nachmittag. Kleine Gesten, die nicht viel kosten und viel Wärme spenden. Das Erstaunliche daran ist, dass wir nicht nur andere damit beschenken, sondern uns selbst.

Übernehmen Sie Verantwortung für sich und andere. Das kann auf unterschiedlichen Ebenen erfolgen. Zum Beispiel ganz bewusst nicht mehr schlecht über andere Menschen reden. Oder den Raum zu verlassen, wenn über einen nicht Anwesenden hergezogen wird. Vielleicht versuchen Sie weniger zu jammern oder zu meckern, wenn die Dinge mal nicht so laufen und packen mit an.

Mitgefühl ist die kostbare Eigenschaft, eine Verbindung aufzubauen. Gehen Sie liebevoll mit sich und anderen um. Es ist dieses Gefühl des Geneigtseins, das Nähe schafft. Gerade wenn es mal nicht so läuft, wie wir es uns wünschen. Vielen Menschen gehen so hart mir sich um, dass es einen schaudert. Da scheinen nur Leistungen und Erfolge zu zählen. Klar haben die auch ihre Berechtigung. Aber was nützt es, wenn ich mich noch nicht einmal mehr darüber freuen kann?

[pullquote2 quotes=“true“ align=“center“ variation=“orange“ cite=“Viktor Frankl“]All unser Sein ist ein Antworten – ein Ver-Antworten des Lebens.[/pullquote2]

Worum es nicht geht

Großzügig zu sein und anderen zu helfen, heisst aber auch nicht, nur noch für andere da zu sein. Es ist vielmehr eine Veränderung in kleinen Schritten. Wie kann es auch anders sein, denn wir dürfen unseren neuen Weg ja erst einmal erkunden, um zu schauen, ob er für uns passt. Und wahrscheinlich wird nicht jeder neue Pfad uns begeistern.

Es geht auch nicht darum, nur noch liebevoll zu lächeln oder gar alles hinzunehmen. Differenzen dürfen nach wie vor angesprochen werden, denn auch das bedeutet, Verantwortung zu übernehmen.

Selbstverantwortung

Alles was ich denke, sage und tue, wirkt in erster Linie auf mich. Eine Aussage die vielleicht im ersten Moment erschreckt. Doch wie kann es anders sein, dass meine Handlungen Eindrücke und Spuren in mir hinterlassen. Deswegen ist es auch aus meiner Sicht ein Trugschluss, zu glauben, die Arbeit in der Firma oder das Miteinander im Alltag geht mich nichts an.

Es ist ein großes Missverständnis, wenn wir meinen, für andere zu arbeiten. Das mag zwar auf einer äußeren Ebene stimmen, letztendlich tun wir es auch für uns. Alles was wir machen oder unterlassen, geht uns etwas an und wir säen jeden Moment die Samen für unsere Zukunft.

Die Umstände machen es einem oftmals nicht leicht. Da taucht dann schnell die Frage auf: Warum gerade ich? Die Umkehrung ist allerdings genauso gültig. Warum nicht? Wir haben nicht alles in der Hand, doch oftmals mehr als wir glauben. So liegt es an jedem von uns, sich besser kennenzulernen, die eigenen Möglichkeiten zu erweitern und den eigenen Reichtum in die Welt zu tragen.