Sicherlich kennen Sie auch so einige Sprüche,
die Menschen auf ein bestimmtes Verhalten reduzieren.

Mir laufen zum Beispiel folgende Ansichten häufig über den Weg:
– Männer wollen nur das Eine.
– Frauen gehören an den Herd.
– Blondinen sind dumm.
– Männer können nicht zuhören.

Ich versuche dann erst einmal herauszufinden,
wie ernst es meinem Gegenüber mit seiner Feststellung ist.
Gerne werden dann Erlebnisse als Beweise für die Thesen angeführt.
„Weisst Du, was ich vor kurzem erlebt habe …“

Doch was beweisen diese Erfahrungen?
Vielleicht das eine Beobachtung in einer bestimmten Situation zutraf.
Macht es Sinn, diesen Moment zu verallgemeinern?

Was passiert eigentlich, wenn wir unsere Stereotypen für das wahre Leben halten?
Einerseits behandeln wir unsere Mitmenschen wenig respektvoll.
Andererseits umgeben wir uns, um bei den obigen Beispielen zu bleiben, mit Triebtätern und Versagerinnen.
Unsere Welt wird dadurch ärmer.

Wenn ich als Frau denke, Männer wollen nur das Eine,
wie will ich dann einen Partner finden?
Eine erfüllte Beziehung leben?
Wenn Albert Einstein nur an Frauen gedacht hat,
wie konnte er dann Zeit für seine Forschung finden?
Das Gleiche gilt für andere großartige Männer wie
Albert Schweitzer, Nelson Mandela und den Dalai Lama.

Und wie sieht es mit dem weiblichen Geschlecht aus?
Was wäre mit uns, wenn Marie Curie am Herd geblieben wäre?
Um wie viel farbloser wäre unsere Welt, wenn Mutter Theresa,
Indira Gandhi, Hannah Nydahl und Josephine Baker Zuhause geblieben wären?

Soll ich jetzt meine Erfahrungen über Bord werfen?
Sicherlich nicht.
Wenn ich mich z.B. in manchen Situationen ausgenutzt fühle,
bleibe ich in Zukunft lieber hellwach.

Vorurteile gehen zu lassen, bedeutet für mich,
offen für neue Erlebnisse zu sein.

Wir möchten respektvoll behandelt werden.
Dann macht es für mich Sinn, diese Achtung auch anderen Menschen entgegen zu bringen.

Doch wie entstehen unsere Vorurteile?

Da kommen aus meiner Erfahrung mehrere Dinge ins Spiel.
Zum einen ist es unsere Umgebung, die geprägt ist durch die jeweilige Kultur,
den Zeitgeist und das soziale Umfeld.
Dieses Eindrücken kann ich mich zunächst nicht entziehen.
Sie prägen mein Erleben.
Aus diesen Eindrücken formt sich meine Sicht der Geschehnisse.
Daraus ziehe ich meine Rückschlüsse.

Und wie kommen ich Dogmen auf die Spur?

Das ist leider gar nicht so einfach.
Zunächst ist es wichtig, die eigenen Meinungen in Frage stellen zu können.
Dazu gehört schon eine gewisse Größe.
Zu prüfen, ob die eine oder andere Behauptung heute überhaupt noch Sinn
für mich und andere macht.
Das bedeutet für mich nicht, sich eventuell für frühere „Dummheiten“ zu verdammen.
Hier gilt, wie in so vielen Bereichen, die Kunst des Möglichen.
Ich habe früher mein Bestes gegeben und heute tue ich es ebenfalls.

Ich bin der Überzeugung, gerade in Bereichen wo es nicht so gut für mich läuft,
kann ich das eine oder andere Vorurteil finden.
Hier liegt das Potential für Veränderung.
Da liegt der Schlüssel für neue Möglichkeiten
und der Start in ein Leben ohne Limit.