LetzterTag

Was ich tue, wenn heute mein letzter Tag ist

Wir planen, denn wir wünschen uns Sicherheit. Wir lieben die Routine, weil sie sich vertraut anfühlt. Die Zukunft dagegen beunruhigt uns. Sie entzieht sich unserem Einfluss. Der morgige Tag ist eine große Unbekannte. Er hat seine eigene Logik und seine besondere Dynamik.

Vieles in unserem Leben ist Routine und scheint vorhersagbar. Doch das ist es nicht. Unser Körper wird unvermeidlich älter und stirbt jeden Moment ein wenig. Das Ende ist gewiss, die Dauer unseres Lebens nicht. Was also fangen wir an, mit diesem einzigartigen Moment? Was möchten wir bewegen mit unseren wunderbaren Fähigkeiten? Was möchten wir erforschen mit unserem Mut?

Wissen wir, was morgen ist? Wissen wir, was in 3 Stunden ist. Nein. Wir können den Traumpartner unserer Lebens treffen, können verunglücken, Vater oder Mutter werden, von einer tödlichen Krankheit erfahren, die Zusage für den neuen Job bekommen oder eine Nachricht von unserem Partner auf dem Anrufbeantworter hören, dass Schluss ist.

„Die Tatsache, dass ich schon bald tot sein werde, ist die größte Entscheidungshilfe, die ich jemals hatte, um wichtige Entscheidungen zu treffen. Denn beinahe alles — alle Erwartungen von anderen, aller Stolz, alle Angst vor Häme oder Versagen — diese Dinge sind nicht wichtig, wenn du den Tod vor Augen hast und damit bleibt nur zurück, was tatsächlich von Gewicht ist. Wenn man sich daran erinnert, dass man sterben wird, ist das für mich die beste Art, zu vermeiden, dass man meint, man hätte etwas zu verlieren. Du bist ja bereits entblößt. Es gibt keinen Grund, nicht deinem Herzen zu folgen… Bleib gierig nach mehr. Bleib ein wenig töricht.“ – Steve Jobs

Jeder Tag kann unser letzter sein. Was möchten wir mit dieser kostbaren Zeit anfangen. Aufmerksam unserem Partner zuhören, den Klang seiner Stimme aufsaugen? Den Kindern etwas Vorlesen, ohne daran zu denken, was gleich noch im Haushalt erledigt werden muss? Die klare Luft bei einem Waldspaziergang einatmen?

Menschen deren Leben zu Ende geht, oder die einen wichtigen Gefährten verloren haben, spüren, dass nichts mehr so sein wird wie vorher. Eine ebenso schmerzhafte wie wichtige Erkenntnis. Sie nehmen das Leben plötzlich in einer anderen Tiefe war. Können wir das auch? Ich glaube ja. Stehen Sie morgens auf und führen sich vor Augen, dass Ihnen 24 Stunden geschenkt werden. Entwerfen Sie einen Zettel der daran erinnert und befestigen Sie ihn im Bad, im Auto oder wo auch immer.

Was wollen Sie mit diesem Geschenk anfangen? Mit wem möchten Sie diese Zeit verbringen? Wo möchten Sie diese Zeit verbringen? Aus meiner Sicht geht es nicht darum, super ausgefallene Dinge zu machen, um den ultimativen Kick zu kriegen. Doch das ist natürlich Geschmacksache. Für mich ist wichtig, zu spüren, was im Leben zählt und das mit so viel Achtsamkeit zu erfahren, wie es mir möglich ist.

Wenn heute mein letzter Tag ist

Für mich sind heute 5 Dinge wichtig. Ich setze mich hin und meditiere. Die Stille offenbart meine Gedanken und bereitet mich auf den Tag vor. Dann gehe ich nach Draußen, um die Sonne auf meiner Haut zu spüren. Ich setze mich an den Tisch, um meinem Sohn zuzuhören und bin unendlich glücklich, dass es ihn gibt. Ich schreibe diesen Artikel. Und ich umarme zärtlich meine Frau, weil ich sie liebe.

Was ist Ihnen heute wichtig? Was unternehmen Sie, wenn heute Ihr letzter Tag ist?

About the Author

Joachim HilbertJoachim Hilbert Vor 10 Jahren begann meine Reise nach Innen, denn ich suchte Antworten auf 3 Fragen. Was berührt mich? Woran habe ich Freude? Was verleiht meinem Leben Sinn? Dafür gibt es natürlich keine allgemein gültigen Lösungen. Mit meinen Artikeln möchte ich anregen, Antworten auf diese Fragen zu finden und hinter die Fassaden und Gewohnheiten zu schauen, damit sich unser innerer Reichtum offenbart. VisionView all posts by Joachim Hilbert

  1. Ruth Scheftschik07-03-2014

    Danke Joachim, für diesen wunderbaren, ungemein wertvollen Artikel, der ganz und gar meiner persönlichen Erfahrung entspricht, die mich durch alle Höhen und Tiefen meines Lebens lenkt und mir in schwierigen Stunden Kraft gibt:

    Nichts in diesem Leben ist so gewiss wie der Tod. Das ist ein Fakt, eine unumgängliche Tatsache. Warum sie fürchten, warum sie verdrängen, warum davor weglaufen? Das ändert nichts. Wenn wir den Tod bewusst in unser Leben integrieren und ihn akzeptieren, so erwächst daraus eine neue Perspektive:
    Wir haben die Chance, mit unserem Leben so umzugehen, dass, wenn dann wirklich unser Lebensende da ist, wir sagen können: Ja, so, wie es war, war es gut – trotz mancher Schwierigkeiten. Wir können in Frieden gehen und müssen nicht mit einem Schrecken feststellen, dass wir die kurze Zeit, die uns zur Verfügung stand, unüberlegt nur „abgefeiert“ haben.
    Insofern ist die bewusste, wiederholte Beschäftigung mit dem Tod ein Lebensinn-Geber.
    Es lohnt sich auch, sich ernsthaft Gedanken darüber zu machen, ob es nicht doch noch mehr als dieses körperliche Leben gibt und dann auf eine spirituelle Suche zu gehen, in welcher Richtung auch immer dann die persönliche Antwort gefunden werden mag. Es lohnt sich, diesen Aspekt nicht nur abschätzig z. B. als esoterisches „Getue“ abzulehnen, sondern sich suchend auf diesen Weg zu begeben.
    Auf diese Weise kann sich nach und nach die Angst vor dem Tod auflösen und wir können das Leben in ruhigeren Schritten gehen.

    Und – über alle Aktivitäten des Lebens hinaus -, was gibt es Wertvolleres zwischen uns Menschen als uns in Liebe zu begegnen und uns zumindest darum zu bemühen, sie so bedingungslos wie möglich zu geben, und zwar Liebe in all ihren Formen und Abwandlungen: ob partnerschaftliche Liebe, ob zwischen Eltern und Kindern, ob Liebe auf freundschaftlicher Basis, ja, auch Arbeitskollegen gegenüber oder für wenige Sekunden gegenüber wildfremden Menschen , an denen wir zum Beispiel in der Fußgängerzone vorübergehen.

  2. Ben07-23-2014

    Danke für den tollen Blog und den vielen inspirierenden Artikeln, die allesamt das Leben bereichern!!

  3. Stefan Eberhard08-07-2014

    Ich bin froh, daß ich diese Seite gefunden habe. Hier meine Gedanken zum Thema, die als Draft gespeichert hatte. Ich finde aber sie passen hier fast besser rein als bei mir „Zuhause“ :)

    Entdeckung und Erschaffung lösen sich ab bei der Entwicklung der Persönlichkeit. Du entdeckst neue Seiten an dir, während du älter wirst und erschaffst diese Entdeckung teilweise durch dein Leben selbst, weil du entscheiden darfst, wie du leben willst. Du musst nur den Mut haben, den Weg der Kreativität zu gehen und den Schmerz der Entdeckung ertragen, falls sie weh tun sollte. Deine Realität ist das Erbe deines Geistes. Das Erbe, das du an andere Menschen weitergibst, wenn du dich traust, verletzlich zu sein und zu zeigen, wer du bist. Wenn du dich traust, jeden Tag neu zu entdecken und zu erschaffen. Es gibt viel zu sehen. Reflektiere deine Sicht auf die Dinge, denn sie sind ein Spiegel deiner Welt. Deine Angst ist der Kompass und dein Lachen der Ausweg. Der Tod ist die letzte Station und sollte dich inspirieren, heute damit anzufangen.

  4. Johannes Poscharnig08-07-2014

    Der Gedanke, dass heute mein letzter Tag wäre, ist schwierig. Ich glaube es geht nicht nur mir so, dass ich mich fragen würde ob ich schon alles gemacht und erreicht habe, was ich machen und erreichen wollte.

    Die Frage die ich mir stelle ist sicherlich auch „Was ist wirklich wichtig in meinem Leben?“

    LG Johannes

  5. Richard03-01-2015

    Weniger als ein Jahrzehnt ist es her, da hätte mich diese Frage auch erschreckt. Ich hätte mir überlegt, was ich noch gut machen könnte an dem, was ich besser hätte machen sollen. Menschen noch etwas sagen. Materielle Dinge klar stellen. Meinen Nachlass ordnen. Noch etwas geben.

    Doch nun lebe ich in einem anderen Bewusstsein und mit einem anderen Glaubenssystem. Das „hätte wäre wenn“ nehme ich nicht mehr sehr persönlich, auch wenn scheinbar Dinge in meiner Hand lagen. So war es eben nur scheinbar. In der Regel bestimmen die Muster in uns, was wir tun und denken. Und diese Muster haben wir angenommen in unserer Unbewusstheit. Im Grunde geben wir stets unser Bestes. Nur Bewusstheit kann uns helfen, nicht getrieben, sondern voll da zu sein, und unsere Absicht bestimmt unser Bewusstsein morgen, nicht an erster Stelle Schuldgefühle, die mit Blockaden einher gehen und gute Absichten behindern. Es kommt wie es kommt, es war wie es war und es ist wie es ist. Und es gibt definitiv höhere Mächte, die das Geschehen so begünstigen, wie es meistens kommt. Den höheren Plan kennen wir nicht. Er wirkt höchstens in uns in Form von Sehnsüchten, Intuition und Impulsen.

    Muss ich trotzdem etwas ordnen? Ja, ich würde eine Liste machen mit den Informationen, die nicht klar sein würden. Doch spüre ich nicht, dies jetzt zu brauchen. Und wo würde ich hingehen? Nun, ich kann jetzt schon Lebende, Verstorbene, Engel und aufgestiegene Meister spüren, wenn ich den Fokus darauf richte in einem etwas mehr meditativen Zustand, kann Kanal sein für ihre Energie. Die „Welt“ tritt dann in den Hintergrund, ist weitgehend nicht vorhanden in meinem Bewusstsein. Genauso ist es bei Luzidem Träumen oder beim Wechsel zwischen Wach- und Schlafzuständen.

    Diese Verbindungen würde ich wohl intensivieren an meinem Letzten Tag und Liebe versenden an die Menschen.

    LG Richard

  6. Glücksdetektiv03-03-2015

    Ein wunderbarer Artikel!
    Die Sonne habe ich schon auf der Haut gespürt, meditieren werde ich später. Gleich werde ich mich voller Freude meinem Blog zuwenden, mit meinem Mann, werde ich später einen wundervollen Abend verbringen und die fünfte Sache, die mir heute wichtig ist, hast du mir gerade gegeben: mich mit deinen Worten berührt! Danke dafür!

  7. sam04-24-2015

    ja ein guter artikel…mein leben wäre zu kurz, wenn heute mein letzter tag wäre…ich würde ihn mit meinen sechs wichtigsten personen verbringen…so wie wir oft schöne tage erleben…ich denke ich würde aber niemanden informieren….aber ein testament schreiben….

    meine eltern konnten in den letzten tagen nichts mehr machen, was sie wollten, sie waren ans bett gebunden und wussten auch nicht, dass der letzte tag kommt….oder wollten es nicht wissen….

    naja….ich nehms wies kommt…nachher ist man ja eh tot…
    ich denk da gibts sogar grund sich zu freuen…ich wollt nämlich schon immer wissen wies nach dem tod so ist…auch erwarte ich eine unbedingte liebe, die ich zu vermissen glaube im hier und jetzt, ich meine mich sogar zu erinnern, dass ich vor der geburt ganzer war oder mich ganzer fühlte…und auf dies freu ich mich…daran würde ich mich in den letzten minuten erinnern…

  8. Rosina Kaiser08-12-2016

    Ich würde nichts anderes tun, als das was ich aktuell täglich tue. Im Bewusstsein, dass ich jeden Moment diese Erdenplattform verlassen könnte – lebe ich aktiv, achtsam, im Moment weret-voll bewusst und für mich best-möglich.

Wie lautet Ihre Meinung?