Die Rezension stammt von Regina Schlager, Business Coach und Berufungscoach WaVe®.

Ein weiteres Buch über Kommunikation? Warum hat mich gerade dieses sofort angesprochen? Zum einen die Autoren Bernhard Pörksen und Friedemann Schulz von Thun, deren frühere Publikationen ich schätze. Zum anderen die bereits im Titel angesprochene Verbindung von Kommunikation und Lebenskunst sowie von Philosophie und Praxis.

 

Thema des Buches

Die Qualität unserer Kommunikation ist entscheidend für unsere Lebensqualität

In „Kommunikation als Lebenskunst. Philosophie und Praxis des Miteinander-Redens“ geht es darum, wie es gelingen kann, den Herausforderungen der Kommunikation gewachsen zu sein. Am Anfang steht die Annahme, dass die Qualität der Kommunikation entscheidend ist für unsere Lebensqualität.

Das Buch gliedert sich in drei Abschnitte. Zunächst sprechen die Autoren im Abschnitt „Die großen Fragen“ über die Kommunikationsmodelle, die Schulz von Thun bereits in seinem dreibändigen Standardwerk „Miteinander reden“ entwickelt hat (das Kommunikations- und Wertequadrat, das Bild des Teufelskreises und das innere Team). Grundlegend ist für ihn das Ideal der Stimmigkeit mit den Fragen: Was ist mein Bedürfnis und was verlangt die konkrete Situation?

Im zweiten Abschnitt geht es um „Die konkreten Fragen“ für Führungskräfte, Pädagogen und in der interkulturellen Kommunikation. Es wird deutlich, wie die Modelle für die lösungsorientierte Reflexion, die Selbst- und Teamentwicklung sowie die Konfliktanalyse verwendet werden können.

Das Buch schließt mit den „letzten Fragen“ über das Glück und den Tod. Was bedeutet Kommunikation angesichts der Tatsache, dass wir sterblich sind?

 

Autoren

Bernhard Pörksen ist Professor für Medienwissenschaften an der Universität Tübingen. Er hat Bücher über das systemische Denken verfasst, unter anderem im Dialog mit Heinz von Foerster und Humberto Maturana.

Friedemann Schulz von Thun war Professor für Psychologie an der Universität Hamburg und ist als Berater und Trainer im „Schulz von Thun. Institut für Kommunikation“ tätig. Auf der Website des Instituts finden Interessierte Beschreibungen zu den Kommunikationsmodellen und weitere Informationen.

 

Einschätzung

„Kommunikation und Lebenskunst“: Da steckt Kunst drin. Das Leben nicht als etwas, das sich mit Rezeptwissen und Verhaltensschablonen meistern lässt. Die hier vorgestellten Modelle der Kommunikation bieten Werkzeuge, um damit zunächst das eigene Verhalten zu beobachten und zu analysieren. Aufgrund der Selbstreflexion werden individuell stimmige Lösungen möglich.

Die Kraft des Dialogs

Mir gefällt sehr, dass das Buch in der Form des Dialogs abgefasst ist. Und es ist, wie Bernhard Pörksen im Vorwort beschreibt, auch so entstanden: in Gesprächen der beiden Autoren. Und Dialog wird dabei nicht in dem Sinne verstanden, dass die beiden dauernd in Harmonie miteinander sind. Pörksen bleibt oft hartnäckig beim Fragen. Er lässt nicht locker. Er bringt seinen eigenen Standpunkt ein.

Das alles geschieht wertschätzend und respektvoll. Unterschiede werden zugelassen, ja willkommen geheißen. Es geht nicht darum, Konflikten aus dem Weg zu gehen. Dabei entfaltet sich der Dialog humorvoll und elegant. Und Friedemann Schulz von Thun kommt durch die Gesprächsbeiträge von Bernhard Pörksen zu neuen Erkenntnissen. Bei mir löste das beim Lesen Aha-Erlebnisse aus und einfach Freude, bei diesen Gesprächen dabei sein zu dürfen.

Wie gelingt das eigene Leben?

Schulz von Thun erläutert seine Auffassung von der Doppelgesichtigkeit des Menschen, der sowohl das Bedürfnis nach Verbundenheit und Nähe hat, als auch das Bedürfnis nach Freiheit und Distanz. Diese zwei Grundbedürfnisse in eine dynamische Balance zu bringen ist die Voraussetzung dafür, dass das eigene Leben gelingt. Der eine wird ein ausgeprägteres Bedürfnis nach Nähe haben, der andere nach Distanz, und auch das ist nicht das ganze Leben lang statisch, sondern verändert sich.

Das spricht mich sehr an, verweise ich doch mit „Wachstum in Verbundenheit“ genau auf diese zwei Grundbedürfnisse.

Die Fragen leben

Am Schluss des Buches zitiert Friedemann Schulz von Thun Rainer Maria Rilke. Es handelt sich um eine Textstelle aus den „Briefen an einen jungen Dichter“, die mir seit 2008 – als ich mich auf einer Kroatienreise in das Buch vertiefte – lieb und teuer ist. Es geht dabei darum, das Unbekannte zuzulassen, von den Fragen auszugehen, nicht von den Antworten.

„Es handelt sich darum, alles zu leben. Wenn man die Fragen lebt, lebt man vielleicht allmählich, ohne es zu merken, eines fernen Tages in die Antwort hinein.“

 

Kommunikation als Lebenskunst

Kommunikation als Lebenskunst

von Bernhard Pörksen, Friedemann Schulz von Thun Erschienen September 2014 im Carl-Auer-Systeme Verlag 217 Seiten, Gebunden, ISBN: 978-3-8497-0049-2

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Fazit

Für mich ist das Buch selbst ein Beispiel für gelungene Kommunikation.

Aus meiner Sicht richtet sich „Kommunikation als Lebenskunst“ an alle, die mit der Qualität ihrer Kommunikation ihre Lebensqualität verbessern wollen. Insbesondere Menschen, die sich fragen: „Wie will ich leben?“ werden in diesem Buch wertvolle Impulse finden. Es kann vor allem auch für Führungskräfte und Pädagogen, denen eigene Kapitel gewidmet sind, sowie Coaches und Trainer interessant sein.

Ich habe dieses Buch mit großem Vergnügen, Erkenntnisgewinn und neuen Fragen gelesen. Es bringt mir praktisches Handwerkszeug, um gleich in Alltags- und Coachinggesprächen aktiv zu werden, und es öffnet mir einen Horizont für weitere Entdeckungen.

Wer sich davon angesprochen fühlt, stimmig zu kommunizieren und sich keine Kommunikationsrezepte erwartet, die für jeden und jederzeit passen: große Empfehlung!

 

Regina Schlager

Homepage Regina Schlager

Regina Schlager öffnet als Coach, Autorin und Podcast-Gastgeberin Räume, um in lebendigen, kreativen und achtsamen Kontakt mit sich selbst, anderen und der Welt zu kommen und aus dieser Verbindung heraus zu handeln. Sie studierte Germanistik und Philosophie in Wien und arbeitete 20 Jahre lang in Beratungsunternehmen im Informations- und Wissensmanagement sowie der Aus- und Weiterbildung. Sie lebt in Zürich.