NeulandBetreten

Mathias Fischedick – Was wir bewusst machen ist gut

Im Alltag stoßen wir oftmals auf die gleichen Probleme. Nein bitte nicht schon wieder, kommt uns dann in den Sinn. Vielleicht ist es höchste Zeit, einmal innezuhalten, um alte Begrenzungen zu entdecken. Und zu überlegen, ob es nicht andere kreative Lösungen gibt.

Mathias Fischedick unterstützt seit über 10 Jahren Menschen darin, ihre Ressourcen zu nutzen und ihre persönlichen Ziele zu erreichen. Als ehemaliger Producer in der Medienbranche kommt er aus der Praxis. Durch seine Führungspositionen bei internationalen TV-Konzernen wie »Eyeworks Entertainment« und »Endemol Deutschland« weiß er, was nachhaltige Mitarbeitermotivation, kreative Lösungsfindung und klare Kommunikation bedeuten. Mathias Fischedick ist diplomierter Mental Coach und diplomierter Systemischer Coach mit eigener Praxis in Köln.

Woran liegt es, dass viele Menschen leichter ihre Schwächen aufzählen können, als selbstbewusst die eigenen Stärken zu benennen?



Ich glaube, es liegt an unserer Erziehung. Wir wachsen in einer Welt auf, in der Werte wie „höher, schneller, weiter“ propagiert werden. Gerade wenn ich mit Führungskräften arbeite werde ich oft gefragt „Wie kann ich an meinen Schwächen arbeiten?“ Die Devise scheint zu sein „Das Leben ist ein Kampf! Nur wer sich selbst besiegt kann erfolgreich sein!“

Jammern kostet Energie und erzeugt ein Gefühl der Ohnmacht. Wie gehen Sie mit Coachees um, die in Selbstmitleid baden?

Ich bringe sie auf die ein oder andere Art zu der Erkenntnis, dass es nur einen Menschen auf der Welt gibt, der dafür sorgen kann, dass wir ein glückliches Leben führen: Wir selbst. Bei extremen Fällen hat sich das „provokative Coaching“ bewährt. Dabei lasse ich mich auf das „Opfer-Weltbild“ der Klienten ein und bemitleide sie extrem übertrieben, dass sie ja so schrecklich hilflos sind. Das ganze mit einem Augenzwinkern. Irgendwann fängt dann jeder an zu lachen und erkennt, dass die Welt vielleicht doch gar nicht so schlecht und ungerecht ist.

Viele wünschen sich Veränderung, kommen aber über das Stadium des Grübelns und Träumens nicht hinaus. Wie können wir es schaffen, konkret zu werden, anstatt weiter Luftschlösser zu bauen?


Je konkreter wir uns die „gute Zukunft“ vorstellen, um so besser. Der erste Schritt ist es, sich in allen Details auszumalen, wie unser Ziel aussieht. Das alleine aber reicht nicht. Die intensive Visualisierung sorgt dafür, dass wir siegessicher werden. Nur manchmal ist das der Grund, dass wir nicht genug unternehmen, um dieses Ziel zu erreichen, da wir ja in Gedanken „schon da sind“. Deshalb ist es wirkungsvoller, sich nicht nur immer wieder das Ziel plastisch vorzustellen, sondern auch den Weg dorthin. Das heißt, stellen Sie sich vor, was Sie genau tun werden, um Ihr Ziel zu erreichen.

Sind Veränderungen vor allem eine Frage der Willenskraft? Oder spielen Kreativität und Flexibilität auch eine wichtige Rolle?

Veränderungen können mit Willenskraft erreicht werden. Nur ist das mühsam und Willenskraft ist begrenzt, wie Studien gezeigt haben. Veränderungen fallen uns viel leichter, wenn wir eine starke Motivation haben uns zu verändern. Einfach so Chinesisch zu lernen wird sicher Vielen schwer fallen. Ist aber unsere neue Liebe aus China und spricht unsere Sprache nicht, werden wir viel leichter Chinesisch lernen, da wir mit voller Liebe dabei sind.

Ein Zweiter Aspekt, der Veränderungen erschwert ist, dass unser Gehirn jede Veränderung als Gefahr sieht. Alles Unbekannte stellt für unsere grauen Zellen eine Gefahr dar. Ein Trick ist, unser Gehirn mit kleinen Übungen daran zu gewöhnen, dass nicht jede Veränderung riskant ist. Es reicht schon, einen anderen Weg zur Arbeit zu nehmen oder beim Essen oder bei Besprechungen an einem anderen Platz zu sitzen.

Sie werden zum einen merken, wie es in Ihnen rumort, obwohl es nur eine kleine Veränderung ist. Wenn Sie dennoch nicht wieder in Ihre alten Muster verfallen ist das ein guter Schritt, um Ihre Flexibilität zu steigern. Wenn Sie mögen, dann abonnieren Sie meinen „Flexi-Newsletter“. Dort erhalten Sie 12 Wochen lang jeden Sonntag eine E-Mail mit einer kleinen Flexibilitätsübung. Weitere Infos finden Sie unter www.mathias-fischedick.de im Menü „aktuell“.

Die Qualität einer Antwort hängt in einem hohen Maße von der Art der Frage ab. Was sind aus Ihrer Sicht Fragestellungen, die uns weiter bringen?


Die nach vorne gerichteten Fragestellungen bringen uns weiter. Ein „Warum“ führt dazu, dass wir nach Ursachen forschen und uns noch mehr mit dem Problem beschäftigen. Aus meiner Erfahrung ist es besser zu fragen „Wo will ich hin?“, „Wann war die Situation schon einmal besser und was kann ich daraus lernen?“, „Was läuft gerade gut in meinem Leben?“ etc.

Gute Fragen bringen uns in vielen Lebenslagen weiter, als ein gut gemeinter Ratschlag. Eine Führungskraft, die es versteht durch gezielte Fragen die Mitarbeiter zum Nachdenken zu bringen, wird mehr erreichen, als ein Chef, der meint alles besser zu wissen und nur Ansagen macht. In meinem Führungskräfteprogramm „Leading Excellence“ hat deshalb der Aspekt „Führen durch Fragen“ einen großen Stellenwert. Die Teilnehmer sind oft überrascht, wie viel motivierter und leistungsfähiger die Mitarbeiter werden, wenn sie durch Fragen geführt werden.

 


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Was ist Ihre Motivation als Coach zu arbeiten?

Ich habe über 15 Jahre in der Medienbranche gearbeitet. Zu Beginn als Fragenschreiber bei „Jeopardy!“, dann habe ich Beiträge für Disneysendungen gemacht und mich dann bei Medien-Konzernen wie „Eyeworks“ und „Endemol“ zur Führungskraft hochgearbeitet. Irgendwann konnte ich mich nicht mehr mit den Inhalten identifizieren. Es ging immer mehr darum, Menschen bloß zu stellen und sich über sie lustig zu machen. Ich merkte, dass es mir wichtiger ist, Menschen in ihrer Entwicklung zu unterstützen, als sie zu Unterhaltungszwecken vorzuführen.

Ich wollte nach dem Abi Psychologie studieren und hatte damals die Idee verworfen. Jetzt erschien mir der richtige Zeitpunkt, mich mit diesem Thema zu beschäftigen. Und so machte ich Ausbildungen zum diplomierten Systemischen Coach und zum diplomierten Mental Coach. An meiner Arbeit erfüllt mich, Menschen wachsen zu sehen und sie darin zu unterstützen, eigene Lösungen zu entwickeln. Eigentlich müsste ich meinen Klienten Geld dafür bezahlen, dass ich in meinen Coachings so viel von ihnen lernen kann.

Welche Situationen haben Ihr Leben besonders geprägt?

Vor allem der Sprung in die Selbständigkeit. Ich hatte keine Sicherheit, wusste aber, dass mein Job beim Fernsehen mich nicht mehr ausfüllt. Es war die beste Entscheidung meines Lebens, mich komplett auf eigene Füße zu stellen.

Außerdem hat mich meine Erziehung extrem geprägt. Meine Mutter ist Schauspielerin, mein Vater Unternehmensberater. Von beiden habe ich gelernt, auch an schwierige Situationen mit Humor heranzugehen und, dass es immer eine Lösung gibt.

Was bedeutet Achtsamkeit für Sie?

Ich finde das Wort „Bewusstsein“ passender. Alles was wir bewusst machen ist gut. Wenn wir nicht einfach so aus Gewohnheit Essen in uns hineinstopfen, sondern uns bewusst sind, was und wie viel wir essen, ist das der erste Schritt zu einer gesunden Ernährung. Wenn uns bewusst ist, wie wir mit unseren Mitarbeitern umgehen, ist das ein erster Schritt zu guter Führung. Wenn uns bewusst ist, dass wir uns manchmal selbst im Weg stehen, ist das der erste Schritt, um etwas zu ändern und glücklicher zu werden.

Welche Gedanken kommen Ihnen bei den Worten von Tom Morris? „Wir müssen die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass Ungewissheit ein Geschenk ist.“


Dieses Zitat kannte ich noch gar nicht. Sehr interessant! Ich sehe Ungewissheit auch als Geschenk. Wir blockieren uns viel zu sehr damit, alles unter Kontrolle haben zu wollen. Wir sind mit unseren „Steuerungsversuchen“ so beschäftigt, dass wir oft unvorhersehbare Chancen und Möglichkeiten übersehen. Je mehr Selbstvertrauen wir haben, desto neugieriger können wir auf das Ungewisse zugehen, die wirklich guten Dinge entdecken und so unseren Horizont erweitern.

Wofür sind Sie dankbar?

Dass ich jeden Tag etwas Neues lernen kann und neue Seiten an mir entdecken kann.

Mathias Fischedick

www.mathias-fischedick.de

About the Author

Joachim HilbertJoachim Hilbert Vor 10 Jahren begann meine Reise nach Innen, denn ich suchte Antworten auf 3 Fragen. Was berührt mich? Woran habe ich Freude? Was verleiht meinem Leben Sinn? Dafür gibt es natürlich keine allgemein gültigen Lösungen. Mit meinen Artikeln möchte ich anregen, Antworten auf diese Fragen zu finden und hinter die Fassaden und Gewohnheiten zu schauen, damit sich unser innerer Reichtum offenbart. VisionView all posts by Joachim Hilbert

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