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Katharina Maehrlein – Wie Sie Ihre inneren Kräfte stärken

Die Frage ist weniger, ob wir in schwierige Situationen kommen, die uns fordern, sondern viel mehr, wann das sein wird. Denn Leben bedeutet Veränderung, beinhaltet Abschiede und fordert von uns Entscheidungen.

Katharina Maehrlein hat sich als Expertin für Resilienz etabliert und ist seit 15 Jahren als Trainerin, Beraterin und Coach tätig. Als Autorin schreibt Sie zahlreiche Fachartikel in Print- und Onlinemedien und hat zudem einen Lehrauftrag an der Wiesbaden Business School. Katharina Maehrlein ist Lehrtrainerin für Neurolinguistisches Programmieren, hat zahlreiche Zertifizierungen zur Anwendung wissenschaftlich abgesicherter und international anerkannter Persönlichkeitsmodelle und hat darüber hinaus mehrere eigene wirkungsvolle Instrumente zur Stärkung der Persönlichkeit entwickelt.

Viele fühlen sich Stress hilflos ausgeliefert. Wie kommt es, dass einige Menschen gelassener mit Belastungen, Konflikten und Misserfolgen umgehen können? Ist das eher Veranlagung oder hat das auch viel mit Übung zu tun?


Sowohl Veranlagung als auch Übung spielen eine Rolle. Interessanterweise besteht kein Zusammenhang zwischen „Belastung“, also dem was an Rahmenbedingungen von außen auf Menschen zukommt, und „Beanspruchung“, das ist die Art, wie sie mit Belastungen umgehen und darauf reagieren.

Es ist individuell sehr unterschiedlich, wie zwei Menschen unter gleichen Bedingungen reagieren: der eine hat kein Problem und fühlt sich fit, ein anderer fühlt sich unter den gleichen Bedingungen überfordert und reagiert vielleicht mit psychosomatischen Störungen und wird krank.

Darin liegt im übrigen ja auch die Problematik für Unternehmen, die versuchen, den Frühverrentungsgrund Nr.1 und den Hauptgrund für Fehlzeiten in den Griff zu bekommen: die psychischen Belastungsstörungen und Erkrankungen. Anders als im Feld der körperlichen Gesundheit gibt es hier keine standardisierte Vorgehensweise, keine Checkliste und kein Patentrezept für alle Fälle.

Ob jemand unter den gleichen Umständen gelassen bleiben kann, in denen andere überfordert aussteigen, hängt unter anderem davon ab, wie stark die individuelle Resilienzfähigkeit ausgeprägt ist- also der Grad der seelischen Widerstandskraft. Diese wiederum ist in jedem Menschen durchaus angelegt, allerdings in unterschiedlichem Ausmaß.

Abhängig von 11 resilienzfördernden Faktoren ist das seelische Immunsystem besser oder schlechter in Schuss. Wer beispielsweise in seiner Kinderzeit keine Person an seiner Seite hatte, die wirklich hinter ihm stand, wird weniger in der Lage sein, mit Belastungen gelassen umzugehen.

Die gute Nachricht: auch im Erwachsenenalter lässt sich Resilienz weiter entwickeln und dies hat tatsächlich viel mit „Üben“ zu tun. So wie ein Mensch, der als Vielfahrer häufig im Stau steht in den meisten Fällen irgendwann lernt, dass es sich nicht lohnt, sich aufzuregen und dabei eine Menge Energie zu verlieren, so können wir auch unsere Gelassenheit in allen anderen Situationen steigern.

Die vielfältigen Anforderungen heutzutage verlangen uns einiges ab. Doch kommt der Druck nur von Außen? Inwieweit stressen uns innere Muster wie Perfektionismus, schlecht Nein sagen können, usw.

Nein, der Druck kommt nicht nur von außen, sondern ganz erheblich auch aus unserem Inneren. Genau die beiden Punkte, die Sie schon benennen halte ich für die stärksten „Drucktreiber“! Deshalb fokussiere ich mit meiner Arbeit auf die innere Kraft der Menschen: was kann er aus eigener Kraft tun, um seine Situation zu verbessern und gesund zu bleiben? Wie kann er seine persönliche Widerstandskraft- seine Resilienz- steigern?

Nicht alle Beschäftigten sind auf das Resilienzkonzept gut zu sprechen, manch einer meiner Kunden muss zum Start unserer Zusammenarbeit erst einmal davon überzeugt werden, dass es nützlich sein wird, das eigene Wohlergehen selbst in die Hände zu nehmen und dass dies nicht automatisch ein Eingeständnis ist, selbst schuld daran zu sein, wenn man sich überlastet fühlt.

Eine verständliche Befürchtung liegt nämlich häufig darin, dass die Verantwortung dafür, wie viel Druck sie aushalten können, ihnen wie der „schwarze Peter“ untergeschoben wird, und dass es nur darum geht, auch noch den allerletzten Tropfen Energie aus ihnen heraus zu pressen.

Auch wenn es wünschenswert wäre, wenn sich beispielsweise das Arbeitspensum verringern ließe, glaube ich: die einzige Chance, dem Druck von außen auf Dauer standzuhalten liegt darin, die eigene innere Kraft weiter zu entwickeln, statt nur zu hoffen, die Rahmenbedingungen im Unternehmen entscheidend verändern zu können. Das wäre nicht sehr realistisch und liegt meist nicht im Einflussbereich der Betroffenen.

Aber die eigene Resilienz kann jeder für sich selbst weiter entwickeln- unabhängig von den Rahmenbedingungen, ganz gleich, wie auch immer die geartet sein mögen.

Wenn der Druck irgendwann zu groß wird und wir keine adäquaten Antworten finden, reagiert unserer Körper. Was sind aus Ihrer Erfahrung typische Symptome für eine Erschöpfungsdepression?

Aus meiner Sicht besteht ein hohes Risiko, entweder bis zum kompletten Zusammenbruch gar nicht mitzubekommen, dass man am „Anschlag“ ist, oder dass man versucht, sich selbst zu heilen obwohl man unter einer behandlungsbedürftigen Depression leidet.

Denn hinter einer Erschöpfungsdepression oder dem Burnout-Syndrom kann sich auch eine „echte“ Depression verbergen, die zu Kraftlosigkeit und als deren Folge zu Überforderung und letztendlich Erschöpfung am Arbeitsplatz geführt hat. Das kann von Betroffenen leicht fehlinterpretiert werden.


Eine sogenannte „Erschöpfungsdepression“ ist ja eine Depression, die im Zusammenhang mit einer andauernden Belastungssituation, wie zum Beispiel ständige Überforderung, schwere Konflikte oder auch Perspektivlosigkeit am Arbeitsplatz, auftritt. Die Erschöpfungsdepression zeigt sich auf der körperlichen Ebene mit auffälliger Gewichtszunahme oder Abnahme, Schmerzen oder Druckgefühle auf der Brust.

Typische Symptome sind außerdem Unruhe, Schlafstörungen, Kraftlosigkeit wenig Antrieb und Lustlosigkeit. Aber eben auch alle anderen Symptome einer Depression können auftreten, das macht die Abgrenzung so schwierig: weder Freude noch Trauer fühlen können, sich von der Welt getrennt fühlen, das Gefühl von Sinnlosigkeit und innerer Leere.

Charakteristisch sind außerdem „Schwarzsehen“, die übertriebene Sorge um die Zukunft, Hoffnungslosigkeit, Minderwertigkeitsgefühle, Selbstisolation, dazu ständige Müdigkeit, verminderte Konzentrations- und Entscheidungsfähigkeit, Reizbarkeit und Ängstlichkeit.

Frauen reagieren eher mit Mutlosigkeit und Grübeln, häufiger bei Männern kann sich eine Depression auch in einer Tendenz zu aggressivem Verhalten äußern.

Unter Umständen kann es darauf hinauslaufen, dass selbst einfachste Tätigkeiten wie Körperpflege, Einkaufen oder Abwaschen nicht mehr verrichtet werden können.

Dauerhafte hohe Anspannung gefährdet auf Dauer unsere Gesundheit. Hinzu kommt, dass wir den Überblick verlieren was uns gut tut und was nicht. Welche Möglichkeiten gibt es, diesen Kreislauf Schritt für Schritt zu verlassen?

Wenn jemand gerade in einem akuten Burnout ist, sollte sein erster Schritt sein: psychosomatische Klinik! Coaching, Gesprächstherapie oder ähnliches wird in diesem Moment nicht greifen. Erst einmal wieder zu sich kommen, vom Alltag Abstand nehmen und sich alles abnehmen lassen, was möglich ist, das ist meine Empfehlung. Das geht am besten in einem Rahmen, wie ihn nur eine spezialisierte Klinik bietet.

Allerdings besteht ein großes Risiko, danach schnell wieder in die alten Muster zu fallen. Um dem vorzubeugen und für diejenigen, die noch handlungsfähig sind, empfehle ich die 11 Schritte der Bambusstrategie.

Ich bekomme jede Woche Emails von Betroffenen, die mir von ihren guten Erfahrungen mit der Bambusstrategie berichten und die die Übungen zu den 11 Faktoren für mehr innere Kraft als sehr hilfreich empfanden.

Hier eine stark verkürzte Übersicht über die 11 Faktoren der Bambusstrategie.

Bambus-Strategie

Stärken Sie Ihre 3 Wurzeln!

Wurzel Nr. 1Akzeptanz. Akzeptanz ist ein Prozess, der in 4 Phasen verläuft. Akzeptieren Sie als erstes, dass es menschlich und normal ist, wenn Sie in einer Krise nicht sofort dazu kommen, diese akzeptierend anzunehmen.

Wurzel Nr. 2Verbundenheit. Priorisieren Sie auch unter hohem Druck und bei Zeitknappheit Ihre Beziehung zu sich selbst, zu den Kraftspendern in Ihrem Umfeld und zu Ihrer Umgebung hoch. Verbinden Sie sich mit sich selbst und nehmen Sie Ihre Bedürfnisse wahr, treffen Sie Menschen endlich wieder, die Sie lange nicht gesehen haben, von denen Sie aber wissen, dass Sie Ihnen gut tun und putzen Sie Ihre Wahrnehmungskanäle, um in Verbindung mit den Schönheiten der Welt zu bleiben.

Wurzel Nr.3Positive innere Einstellung. Richten Sie Ihren Fokus auf das, was gut, richtig und positiv ist indem Sie beispielsweise ein Glückstagebuch oder Erfolgsbuch führen. Fragen Sie sich, was der Vorteil einer misslichen Situation sein könnte. Erinnern Sie sich gezielt daran, wie sich aussichtslos erscheinende Situationen in der Vergangenheit dann doch noch ohne Drama aufgelöst haben.

Stärken Sie Ihren „Stamm“, die 4 „Ich-Stärker“

Ich-Stärker Nr. 1Selbstbewusstsein. Beschäftigen Sie sich mit Ihrem Innenleben, werden Sie sich Ihrer Selbst bewusst. Machen Sie sich klar, was Sie können, welches Ihre Werte sind und wo Ihre Belastungsgrenzen liegen.

Ich-Stärker Nr. 2einem Leitstern folgen. Richten Sie sich auf ein für Sie persönlich wichtiges Ziel aus und finden Sie einen Grund, einen Sinn für das, was Sie tun. Arbeiten Sie an einem klaren Commitment, damit Sie in der Lage sind, ein klares „Ja“ zu dem zu sagen, was Sie tun. Dauerzweifel und Dauerunzufriedenheit höhlen Sie von innen aus! Der alte Spruch „Love ist, Leave it or change it“ birgt viel wahres!

Ich-Stärker Nr. 3Selbstliebe. Üben Sie, sich selbst ein guter Freund, eine gute Freundin zu sein. Stoppen Sie hässliche Selbstdialoge, in denen Sie sich selbst nieder machen oder setzten Sie diesen zumindest aktiv etwas entgegen. „Kann sein, dass mir das hier nicht gelungen ist, aber dafür habe ich die Situation xy sehr gut gemeistert.“

Ich-Stärker Nr. 4Selbstsicherheit. Stretchen Sie in kleinen Schritten Ihre „Homezone“, den Bereich, in dem Sie sich sicher und versiert fühlen. Gehen Sie auch einmal dahin, wohin die Angst ist. Da liegen die größten Chancen für mehr Selbstsicherheit! Je mehr Sie aus Unsicherheit vermeiden, um so mehr schrumpft Ihre Selbstsicherheit!

Stärken Sie Ihre „Blätter“, die 4 Energiespender

Energiespender Nr. 1Spielräume und Lösungen. Trainieren Sie sich darauf, immer wieder auch auf die Aspekte zu achten, die funktionieren. Fokussieren Sie auf das Machbare! Konzentrieren Sie sich auf den wenn auch noch so kleinen persönlichen Handlungspielraum statt nur auf die unveränderlichen Rahmenbedingungen zu schauen. Lernen Sie, in Lösungen zu denken und zu sprechen: Was geht? Nicht: „Was geht nicht?“

Energiespender Nr. 2Vitalität. Das Stresshormon Cortisol lässt sich nur durch Bewegung aus dem Körper entfernen! Bringen Sie regelmäßig Ihr Cortisol weg, indem Sie zumindest einen kleinen Gang machen, einmal Aufstehen und strecken oder ähnliches. Vitalität meint auch geistige Vitalität: schauen Sie aus einer anderen Perspektive auf Ihre Belastungen, erweitern Sie Ihren Horizont und sprechen Sie mit Menschen, die vergleichbares gut bewältigen konnten.

Energiespender Nr. 3Souverän Durchsetzen. Üben Sie sich im konsequenten Nein sagen und lernen Sie sich rechtzeitig abzugrenzen. Gute Übungsfelder für den Einstieg sind im Zug oder bei einem Metzger, bei dem Sie normalerweise nicht einkaufen: „Nein, ich möchte es bitte genau. Nein, es darf nicht etwas mehr sein.“ Üben Sie, sich dabei nicht unhöflich zu fühlen!

Energiespender Nr. 4Arbeitsumfeld gestalten. Fragen Sie sich, wie Sie Ihren Arbeitsplatz und die daran geknüpften Arbeitsbedingungen ein Stück weit zu Ihrem persönlichen Wohlfühl- Biotop machen können: was können Sie verändern? Was würde Ihnen die Arbeit erleichtern? Wie würden Sie sich wohler fühlen? Denken Sie an das, was SIE SELBST tun können und setzten Sie es schrittweise um.

 


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Was sind aus Ihrer Erfahrung die Hauptursachen für ein geringes Selbstwertgefühl?


Vor allem abwertendes, vernachlässigendes oder desinteressiertes Verhalten wichtiger Bezugspersonen in der Kindheit spielen eine entscheidende Rolle dabei. Die Folge: ein Gefühl von Minderwertigkeit, die daraus resultierende Sucht nach Anerkennung von außen, die man sich selbst nicht geben kann und der verzweifelte Versuch, durch Leistung zu überzeugen, wo man eigentlich auf der Suche nach Liebe ist.

Fehler zu machen, sehen viele Menschen eher als Makel, anstatt als Chance zum lernen. Wie fühlen Sie sich, wenn Sie spüren, Ihnen ist ein Irrtum unterlaufen?


Das kommt darauf an: einen einfachen Irrtum nehme ich mir nicht übel und ich habe ihn schnell vergessen. Beispielsweise so etwas wie die versehentliche Doppelbelegung eines Termins oder wenn ich irrtümlich die falsche Zeit eingetragen habe und deshalb später als geplant dran bin. Daraus lerne ich für das nächste Mal: achte mehr auf deine Organisation, überprüfe demnächst gründlicher und fertig.

Schwieriger finde ich es persönlich, wenn ich mich „falsch“ verhalte, wenn ich es nicht immer schaffe, mich so zu verhalten, wie es zu meinem ethischen Anspruch passen würde. Beispielsweise wenn ich mich beim Lästern über Kollegen ertappe oder bei einer gereizten Reaktion auf ein negatives Feedback. Dann fühle ich mich zunächst einmal beschämt und unprofessionell. Kein schönes Gefühl! Ich komme da raus, indem ich erstens ganz offen zugebe, wenn ich mich falsch verhalten habe und zweitens mich darin übe, mir das zu verzeihen und mir eine neue Chance gebe, es beim nächsten Mal anders zu machen.

Und ich mache mir klar, dass gerade bei eingeschliffenen Verhaltensweisen der gute Vorsatz alleine nicht genügt, und dass die Selbstgeißelung hinterher das Problem nur verstärkt. Verhalten zu ändern ist ein Prozess, der dauern kann. Hilfreich empfinde ich dabei, immer auf das zu fokussieren, was schon besser geworden ist und nicht auf das, was noch nicht gelingt.

Sie können so resilient sein, wie Sie wollen, Fehler zu machen fühlt sich nie gut an und die werden davon auch nicht weniger! Es wäre nur schade, wenn man beschämt bleibt und das eigene Fehlverhalten als Makel empfindet, den man kräftezehrend aufwändig verstecken muss.

Wie treffen Sie wichtige Entscheidungen? (Was sind für Sie wichtige Kriterien? Was beinhaltet für Sie eine stimmige Entscheidung?)


Meine Definition, ob eine Entscheidung „wichtig“ ist, beinhaltet: ist sie weichenstellend für mein weiteres Leben? Wie passt sie zu meinem „Leitstern“ (2. Ich-Stärker der Bambusstrategie) auf den ich mich ausrichte? Nur wenn ich mich auf etwas ausrichte und einem Ziel oder einer Vision folge, kann ich überhaupt abschätzen, ob eine Entscheidung vor diesem Hintergrund sinnvoll und zielführend ist, oder nicht.

Bei diesen wichtigen- also weichenstellenden- Entscheidungen analysiere ich im ersten Schritt kurz, wie hoch mein Stresslevel ist. Je höher der ist, um so weniger vertraue ich auf mein Bauchgefühl. Das Bauchgefühl wird aus meiner Sicht deutlich überbewertet, zumindest wenn jemand wirklich unter Druck ist. Weil sich etwas im Bauch gut anfühlt, muss es noch lange nicht eine gute Entscheidung sein! Ganz im Gegenteil! Nimmt der Druck zu, werden gerne „Jetzt als recht!“ oder „alles vermeiden, was noch mehr Stress macht“ Strategien gefahren, die oft völlig kopflos (aber dafür eben mit dem Bauch gesteuert…) ablaufen.

Ich treffe im zweiten Schritt eine „Probeentscheidung“ und überprüfe, wie diese geartet ist: ist es eine „Weg von…“ Entscheidung, also eine die von einer Situation, einem Gefühl, einer Person wegführt und dabei hilft etwas Unangenehmes zu vermeiden, oder ist es eine „Hin zu…“ Entscheidung, also eine, die zu etwas Positivem hinführt und die mich meinem Ziel, meiner Vision näher bringt?

Nach meiner Erfahrung, sind die „hin zu“ Entscheidungen die besseren. Bei diesen geht es nicht darum, vor etwas zu flüchten, was sich beängstigend anfühlt (und das Bauchgefühl schreit „lass es!!!“) sondern häufig führen sie direkt dahin, wo die Angst liegt- gleichzeitig aber auch die größtmögliche Entwicklungschance!

Ich nenne das „Stretching der Homezone“: nicht immer nur so entscheiden, dass ich in meiner sicheren Komfortzone bleiben kann, sondern dahin, wo ich mich maximal weiter entwickeln kann und außerdem auf dem Weg bleibe, den mein Leitstern vorgibt.

In der 3. Phase lasse ich die Entscheidung nach Möglichkeit ein wenig ruhen, spreche vielleicht auch noch einmal mit jemandem darüber. Erst danach treffe ich endgültig eine Entscheidung.

Natürlich müssen Entscheidungen im Arbeitsalltag häufig sehr schnell getroffen werden und es scheint keine Zeit für eine scheinbar so aufwendige Analyse zu bleiben. Es ist aber glücklicherweise einfach Übungssache, diesen Ablauf sehr schnell zu durchlaufen! Und wenn ich mich auf einen Leitstern ausrichte und den Analyseprozess einige Male durchlaufen habe, kann ich mich auch wieder eher auf mein Unterbewusstsein verlassen und es als Navigationsgerät nutzen.

Also doch wieder auf mein „Bauchgefühl“ hören. Bis dahin ist es aus meiner Sicht IMMER möglich, kurz zur Toilette zu gehen, mich zu sammeln und zu analysieren bevor ich entscheide. Wenn auch dazu keine Zeit bleibt, kann ich zumindest noch mental „kurz um die Ecke gehen“.

Wie schaffen Sie es, sich zu erholen, sich zu sammeln?


Ich meditiere regelmäßig, baue immer wieder Achtsamkeitsübungen in meinen Alltag ein und genieße es, mit meinen Hunden und meinem Pferd in der Natur unterwegs zu sein. Dazu kommt ein bisschen Joggen, täglich ein paar Yogaübungen und ab und an ein schönes Glas Rotwein☺.

Welche Gedanken kommen Ihnen bei den Worten von Serge Poliakoff? „Stille ist nicht bloss Abwesenheit von Lärm, sondern ein Schweigen, das den Menschen Augen und Ohren öffnet für eine andere Welt.“


Das sind schöne Worte, die ich noch nicht kannte! Mir kommt dabei sofort das Thema Achtsamkeit und Meditation in den Sinn. Die Welt, die sich in dieser Form der Stille entdecken lässt, lohnt sich zu entdecken- gerade wenn man sich unter Druck und im Stress fühlt!

Ich halte Achtsamkeitsmeditation für den Königsweg aus der Stressfalle. Die einzige mir bekannte Möglichkeit, die uns Menschen gegebene Fähigkeit zu entwickeln, die Lücke zwischen Reiz und Reaktion zu erkennen und als Gestaltungsraum zu nutzen. Dieser Gestaltungsraum könnte die von Poliakoff gemeinte „andere Welt“ sein. In dieser Welt bin ich nicht mehr Opfer, sondern Gestalter meiner Welt.

Wofür sind Sie dankbar?

Da gibt es eine ganze Menge! Ich bin beispielsweise sehr dankbar dafür, dass meine erwachsenen Töchter gerne mit mir zu tun haben, obwohl ich ganz sicher nicht die Mutter bin, die sie verdient gehabt hätten.

Ich bin dankbar, dass es in meinem Leben immer wieder Menschen gab und gibt, die auch dann an mich geglaubt haben, wenn ich ganz unten und mutlos war. Wie z.B. Michaela oder Silke, meine besten Freundinnen, die ich seit 30 Jahren kenne.

Ich bin dankbar dafür, Vipassana Meditation kennen gelernt zu haben, ich bin dankbar, dass ich von meinem Traumberuf leben kann und fühle mich privilegiert, mein Leben so führen zu dürfen, wie ich es mir zumindest in den meisten Teilen gewünscht habe.

Ich bin dankbar, dass ich Freude und Begeisterung fühlen kann und jeden Tag mindestens einen Grund dafür finde. Besonders dankbar bin ich auch, dass ich nach einer langen Zeit der Suche meinen Sinn im Leben gefunden habe und dass ich weiß, was ich tun kann, um ganz selbstvergessen und im Flow zu sein. Es gibt so viele Menschen, die das für sich noch nicht entdeckt haben.

Katharina Maehrlein

katharina-maehrlein.de
stark-wie-bambus.de

About the Author

Joachim HilbertJoachim Hilbert Vor 10 Jahren begann meine Reise nach Innen, denn ich suchte Antworten auf 3 Fragen. Was berührt mich? Woran habe ich Freude? Was verleiht meinem Leben Sinn? Dafür gibt es natürlich keine allgemein gültigen Lösungen. Mit meinen Artikeln möchte ich anregen, Antworten auf diese Fragen zu finden und hinter die Fassaden und Gewohnheiten zu schauen, damit sich unser innerer Reichtum offenbart. VisionView all posts by Joachim Hilbert

  1. Jürgen T. Knauf10-09-2014

    .. vielen Dank für den interessanten Artikel und die vielen Tipps.

    Allein die Aussage, dass die Töchter nicht die Mutter haben, die sie verdient hätten, passt für mich gar nicht..

    Anbei meine Sichtweisen und Ideen zum Thema Stress und Burnout:

    Bleiben sie gesund und entspannt :-)

  2. Katharina Maehrlein10-20-2014

    Hallo Herr Knauf,
    danke für Ihren Dank:-) Ich bin neugierig, was Sie meinen mit „Allein die Aussage, dass die Töchter nicht die Mutter haben, die sie verdient hätten, passt für mich gar nicht.“
    Auch würden mich Ihre Sichtweisen und Ideen interessieren, sie sind für mich in Ihrem Kommentar allerdings nicht sichtbar.
    Ihnen eine zufriedene Zeit! Ich sende Ihnen eine Extraportion innere Kraft für alles, was Ihnen wichtig ist und Freude bringt:-)

  3. Detlef01-24-2015

    „Sie können so resilient sein, wie Sie wollen, Fehler zu machen fühlt sich nie gut an und die werden davon auch nicht weniger!“

    Oh ja, insbesondere wenn man eine wertvolle Person durch sein Fehlverhalten derart verletzt hat, dass diese fortan eine Entschuldigung und jegliche Kontaktaufnahme ignoriert – tut verdammt weh …

  4. Isabelle Romann01-25-2015

    Liebe Frau Maehrlein,

    das ist wirklich ein großartiger Beitrag, der aus meiner Sicht unbedingt mehr Menschen erreichen sollte. In kurzer Form werden die wichtigsten Erklärungen und Tipps zur Stärkung der inneren Kräfte präsentiert. Das wurde bisher selten so kompakt und verständlich zusammengefasst.

    Vielen Dank dafür und weiterhin viel Erfolg.
    Isabelle Romann

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