LebenSieNachIhrenWerten

Leben Sie nach Ihren Werten

Persönliche Werte bieten in vielen Lebenslagen Orientierung. Sie sind unser persönlicher Schatz, den es zu heben gilt. Patrick Hundt arbeitet als Blogger und Buchautor, bereist gerne die Welt und bezeichnet sich als introvertiert. © Patrick Hundt

Als Introvertierter habe ich einige Vorlieben, die sich nicht mit den Wünschen anderer Menschen decken. Ich bin z. B. gern allein, stehe nicht gern im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit und lese lieber ein Buch, als auf eine Party zu gehen. Dennoch habe ich diese Vorlieben die meiste Zeit meines Lebens überspielt, um anderen Menschen zu gefallen. Ich habe gegen meine Werte gehandelt.

Auch in anderen Bereichen des Lebens kam das immer wieder vor. In meinem Job habe ich teilweise Leistungen verkauft, an deren Sinn ich nicht glaubte. Und obwohl ich mein eigenes Unternehmen hatte, musste ich akzeptieren, dass wir nicht immer zuverlässig waren oder hin und wieder jemanden unfair behandelten. Zwar ging das nicht von mir aus, aber ich habe es hingenommen und damit gegen meine Werte gehandelt, denn Zuverlässigkeit und Fairness sind mir wichtig.

In beiden Situationen war ich gestresst und unzufrieden – vor allem mit mir selbst. Heute gehe ich offener mit meinen introvertierten Eigenschaften um, und mein Unternehmen habe ich vor einigen Jahren verlassen. Zwei entscheidende Veränderungen, die mich meinen Werten näher brachten.

Werte führen uns durchs Leben

Kennen Sie eigentlich Ihre Werte? Falls nicht, stünden Sie damit nicht allein da. Viele Menschen haben sich noch nie damit auseinandergesetzt, was ihnen wirklich wichtig ist. Stattdessen leben sie unreflektiert vor sich hin und oder übernehmen einfach die Werte anderer Menschen.

Die meisten – und da bin ich keine Ausnahme – wollen anderen Menschen gefallen. Sie tun Dinge, die sie in einem besseren Licht dastehen lassen. Diese können durchaus positiv sein. Doch mit Werten hat das nichts zu tun. Werte sind nichts, was man nur macht, wenn andere zuschauen. Werte sind die Dinge, die uns auch dann wichtig sind, wenn niemand davon weiß. Die Dinge, die wir wirklich denken, auch wenn wir sie nicht aussprechen.

Sie haben sicherlich ein Wertesystem. Nur, ob sie sich dessen bewusst sind, ist eine andere Frage. Unreflektiert könnte ich meine eigenen Werte auch nicht wie aus der Pistole geschossen nennen. Ich denke jedoch immer wieder bewusst darüber nach, da es mir das Leben erleichtert. Weshalb das so ist, dazu kommen wir gleich.

Um Ihnen konkrete Beispiele an die Hand zu geben, möchte ich einige meiner Werte mit Ihnen teilen: Ich behandle alle Menschen fair. Egal, ob sie anderer Meinung oder unfreundlich sind. Fairness ist mir wichtiger, als Recht zu haben. Es ist mir wichtig, Menschen mit meiner Arbeit zu unterstützen. Ich möchte einen echten Wert schaffen, mit dem was ich tue. Ich bin zuverlässig, halte meine Versprechen und Termine ein. Was ich sage, das gilt. Ich äußere mich nicht zu Dingen, von denen ich nichts verstehe. Was ich erzähle, soll Hand und Fuß haben.

Persönliches Wachstum ist mir sehr wichtig. Ich möchte mich stets weiterentwickeln und an Herausforderungen wachsen. Ich möchte möglichst unabhängig leben und mich nicht nach den Wünschen meiner Mitmenschen richten. Meine Gesundheit ist wichtig. Investitionen in mein Wohlbefinden haben Priorität. Dies sind einige meiner Werte. Das heißt nicht, dass ich in all diesen Aspekten perfekt bin. Ich treffe immer noch Entscheidungen, die gegen meine Werte verstoßen – aber es werden weniger. Und das aus gutem Grund.

Nach Werten zu leben, heißt zufriedener zu leben

Sie fragen sich vielleicht, weshalb ich es so wichtig finde, dass Sie und ich im Einklang mit unseren Werten leben. Es wirkt sich positiv auf unser Wohlbefinden aus!

Weniger Stress: Bin ich mir meiner Werte nicht bewusst, muss ich jeden Tag schwierige Entscheidungen treffen. Haue ich jemanden in die Pfanne, weil er mich verärgert hat – oder behandle ich ihn fair? Mache ich das, wonach mir gerade der Kopf steht – oder halte ich meine Verabredung ein? Arbeite ich an einem Projekt, das schnelles Geld bringt – oder mache ich etwas, das einen Nutzen stiftet?

Mit Werten muss ich mich nicht jedes Mal aufs Neue entscheiden, sondern kann mich an meinem Wertesystem orientieren. Meine Werte sind mein Anker in stürmischen Zeiten. Entscheidungen nach den eigenen Werten können nicht falsch sein. Sie sind immer richtig.

Weniger Schuldgefühle: Was passiert, wenn ich nichts für meine Gesundheit mache, meine Versprechen nicht einhalte oder nichts in mein Wachstum investiere? Ich bekomme ein schlechtes Gewissen! Wenn ich gegen meine Überzeugungen handle, fühle ich mich selbst schlecht. Solche Schuldgefühle haben ihre Berechtigung. Sie sind ein Signal dafür, dass ich mein Verhalten korrigieren sollte. Nur wenn ich dieses Signal beachte, kann es mir zukünftig besser gehen.

Mehr Selbstwertgefühl: Wer nicht in Einklang mit seinen Werten lebt, wird unzufrieden – und zwar mit sich selbst. Das ist die logische Folge davon, nur nach den Erwartungen anderer Menschen zu leben. Wenn wir das tun, haben wir ständig Angst davor, was andere von uns denken und richten unser Handeln danach aus. Das Selbstwertgefühl leidet. Dem können wir nur entgegenwirken, indem wir unsere eigenen Werte kennen und nach ihnen leben. Menschen, in unserem Umfeld zu haben, die unsere Werte teilen und unterstützen, ist dafür sehr hilfreich.

Bessere Beziehungen: Wenn wir für das einstehen, was uns wichtig ist, machen wir uns damit automatisch interessanter für Menschen, die ähnliche Werte haben. Anderen treten wir so zwar hin und wieder auf den Schlips, denn die meisten Menschen sind es nicht gewohnt, wenn jemand konsequent nach seinen Werten lebt. Aber die wissen dann immerhin, woran sie mit uns sind. Das führt zu besseren Beziehungen.

So finden Sie ihre eigenen Werte

Sind Sie überzeugt, dass Sie sich mehr mit Ihren Werten beschäftigen sollten? Dann ist es jetzt an der Zeit, herauszufinden, was Ihnen wichtig ist. Am besten funktioniert dies, wenn Sie sich einige Fragen stellen.

Die offensichtlichste Frage: Was ist mir wichtig im Leben? Wann bin ich besonders stolz auf mich?
Was zeichnet die Menschen aus, die ich am liebsten mag? In welchen Situationen ärgere ich mich über andere Menschen? Woran sollen sich meine Familie, Freunde und Kollegen erinnern, wenn ich einmal nicht mehr auf der Welt bin? Oder vervollständigen Sie die folgende Aussage: „Die Welt wäre ein besserer Ort, wenn alle Menschen …“.

Schreiben Sie sich diese Fragen am besten sofort auf und beantworten sie Sie in den nächsten Tagen, wenn sie die notwendige Ruhe dafür haben.

Rufen Sie sich Ihre Werte später regelmäßig in Erinnerung. Dieses Bewusstsein wird Ihnen im Alltag viele Entscheidungen abnehmen, Schuldgefühle vermeiden, Ihr Selbstwertgefühl steigern und Ihre Beziehungen verbessern.

Patrick Hundt

www.healthyhabits.de

Interview mit Patrick Hundt

Patrick Hundt ist Blogger und Buchautor. Auf seinem Blog Healthy Habits schreibt er zusammen mit Jasmin Schindler über gesunde Gewohnheiten. Gemeinsam möchten sie Menschen dabei helfen, in einem stressigen Alltag gesünder zu leben, um gesund zu bleiben.

  1. Mourlane10-20-2014

    Zu großen Teilen kann ich dem was Sie schreiben zustimmen. Aber nicht zu allem.

    Der Begriff „Wert“ wird aus meiner Sicht zu häufig mit „wertvoll“ verwechselt. Aber nicht jeder Wert, den wir in uns tragen ist automatisch wertvoll. Wenn ich zum Beispiel den gelernten Wert „denk immer erst an die anderen und unterstütze sie“ in mir trage, dann ist das zwar sehr schön und lobenswert aber: ich laufe dann Gefahr meine eigenen Bedürfnisse zu vernachlässigen. Und es gibt sehr viele vergleichbare „Werte“.

    Wenn ich nach diesem Wert dann handle reduziere ich tatsächlich Spannung und wenn ich es nicht tue, entsteht Spannung. Das alles stimmt. Es heißt aber nicht unbedingt, dass dieser Wert ein „guter“ für mich ist.

    Entsprechend geht es, ja, darum seine unverrückbaren Werte zu kennen (z.B. Ich betrüge niemanden). Es geht aber gleichzeitig darum den ein oder anderen Wert mal in Frage zu stellen. So wächst man.

  2. Patrick10-20-2014

    Danke für ihren Kommentar!

    Ich gebe Ihrer Analyse durchaus Recht. Diesen Ansatz könnten wir einmal separat behandeln. Denn, ob ich Werte und Gewohnheiten annehme, die mir schaden, ist ein großes Thema für sich.

    Viele Grüße,
    Patrick Hundt

  3. Viola10-21-2014

    super, habe sehr viel gelernt, DANKE!

  4. Angela10-27-2014

    diesen Beitrag kann ich nur unterstützen, wobei ich das Wort Werte durch Ziele ersetzen würde, zumindest was mich betrifft. Viele Menschen leben das Leben anderer oder führ andere, das Unterbewusstsein meckert zwar ab und zu, aber man traut sich nicht heraus zu treten aus der Masse. mein Ziel oder eines meiner Werte ist, Menschen zu unterstützen ihre Ziele zu erkennen und zu ihrem eigenen Selbstwert zu finden, damit sie glücklich und zufrieden leben können.

  5. Richard02-06-2015

    ja, kann ich auch zustimmen, jedenfalls zum Teil, auch wenn ich eine Weile darüber gerätselt hatte, was eigentlich gemeint ist. Kann sein, „nach meinen Werten leben“ wird umgangssprachlich verwendet und wird normalerweise auch im Gespräch klar. Doch ist wohl Authentizität gemeint. Und dem kann ich voll zustimmen.

    Leider hat die Darstellung auch etwas von Be-wertung, auch von „mich bewerten“, und von Schuldgefühlen, die angeblich gebraucht werden. Klar haben wir ein Wertesystem, das uns eine Idee gibt, was wir anders haben sollten. Doch dem Bewerten folgt auch ein Abwerten und ein Beladen mit Emotionen, woraus dann die genannten Schuldgefühle entstehen.

    Ich denke, da hast du noch nicht ganz das Korsett der Erziehung abgestreift, Patrick. Machen wir uns doch nichts vor, wir können die Ideale nicht erfüllen. Wir sind konditioniert von klein auf. Und wir geben unser Bestes. Doch das Wenigste steht direkt in unserer Macht. Schuldgefühle schaffen auch noch Blockaden und verdecken uns den klaren Blick, den wir brauchen, um zu „guten“ Absichten zu kommen. So seien wir doch großzügig mit uns selber und geben wir einfach weiter unser Bestes.

    Ich meine, wir dürfen auch so authentisch leben, auch ohne „hohe“ Ideale zu erfüllen und ohne Tugenden aufzuweisen.

    LG Richard

  6. Thomas12-02-2015

    Das Leben nach Werten ausrichten ist imho der 2. Schritt.
    Wie entstehen Werte, die wichtig für mich sind, ist der Schritt davor:
    Wir entscheiden uns immer gegen oder für etwas, nur um uns gut zu fühlen, oft genug irrational. Reicht ein gut Fühlen aus, um eine Entscheidung als richtig zu klassifizieren oder belügen wir uns selbst? Identifizieren wir schädliche Konditionierungen der Vergangenheit in unserem Wertesystem oder wundern wir uns, das wir klein bleiben und suboptimal entscheiden?
    Als Beispiel:
    warum fühle ich mich gut wenn ich Menschen fair behandle? Weil ich selber fair behandelt werden möchte? Weil mein Vater mich verprügelte wenn ich ihn belog und ich nun so konditiert bin? Weil ich zu feige bin mit den möglichen Konsequenzen des unfair seins zu leben? Weil ich schlicht unerfahren bin im unfair sein und gar nicht weiß was ich tolles verpasse, opportunistisch zu handeln?

    –> Patrick, bitte schreibe einen Blog, wie du zu deinen Werten gekommen bist, wie du deine Werte mit deinem Empfinden abgleichst, ob du sie sich mit der Zeit wandeln.

  7. Katharina12-02-2015

    Wenn ich mich selbst liebe und nach mir, meinem Selbst handle und mich dadurch durch diese Achtsamkeit mir gegenüber nicht mehr selbst verletzte, also mich und meine Gefühle respektiere, passiert erstaunliches. Ich wachse über mich hinaus und werde ich selbst. ICH BIN.

Wie lautet Ihre Meinung?