Der Verlauf unseres Lebens hängt maßgeblich davon ab, was wir uns zutrauen. Denn um Neues zu wagen, brauchen wir Zuversicht. Und der Glaube an die eigenen Fähigkeiten lässt sich trainieren.

Eva Wlodarek, Dr. Phil, ist Diplom-Psychologin, Coach, Vortragsrednerin und Bestsellerautorin. In ihrer Hamburger Praxis berät sie seit vielen Jahren Menschen, die sich mehr Wirkung und Charisma wünschen. Sie ist Rednerin im Bereich Persönlichkeit und Kommunikation und als Expertin häufig in den Medien.

Ein schwaches Selbstwertgefühl führt häufig dazu, den eigenen Wert durch äußere Dinge zu erhöhen. So wenden die meisten viel Energie für Reichtum, Ansehen und Status auf, um besser dazustehen. Gibt es in Ihren Augen eine Möglichkeit, diesen Kreislauf bei sich zu erkennen und zu durchbrechen?

Zunächst einmal ist es völlig in Ordnung, sich mit Äußerlichkeiten ins rechte Licht zu rücken. Kritisch wird es erst, wenn wir damit hauptsächlich Minderwertigkeitsgefühle kaschieren wollen. Um das herauszufinden, können wir uns Fragen stellen: Habe ich langfristig Freude an der Erwerbung – oder nur für einen kurzen berauschenden Moment?

Bringt sie mir selbst Genuss – oder geht es mir vor allem um den Neid und die Anerkennung der anderen? Kompensations-Konsum lässt sich durchbrechen, indem man als Experiment einmal bewusst darauf verzichtet und stattdessen etwas Persönliches zeigt. Zum Beispiel: Statt ins Sterne-Restaurant einzuladen, kochen wir daheim für Gäste Pasta. Statt des makellosen Designer-Outfits ziehen wir etwas an, in dem wir uns wohlfühlen. Das erfordert zunächst Mut, aber ein positives Ergebnis stärkt das Selbstvertrauen.

Inwieweit ist Selbstwertgefühl ein Spiegel erfahrener Liebe und Zuwendung?

Als soziale Wesen sind wir auf die Reaktion unserer Umwelt angewiesen. Das ist von Anfang an ein Wechselspiel: Wir nehmen schon in frühen Jahren auf, wie uns andere Menschen beurteilen und behandeln. Diese Erfahrungen werden in unserem Gehirn vernetzt, wir entwickeln Glaubenssätze. So entsteht unser Selbstwertgefühl. Je liebevoller und unterstützender unsere Umgebung ist, desto größer sind unsere Chancen für eine positive Selbsteinschätzung.

Hat sich selbst bewusst zu sein, auch damit zu tun, die eigenen Grenzen zu spüren und zu erkennen?

Ja, durchaus. Allerdings sollten wir unsere Grenzen nicht ein für alle Mal festlegen. Meist sind wir nämlich fähiger als wir glauben. Sinnvoller ist es, sich aktuell in einer kritischen Situation zu fragen: Wo ist hier meine Grenze? Was tut mir jetzt gut?

Wie kann es gelingen, sich selbst anzunehmen? Was sind aus Ihrer Erfahrung wichtige Schritte auf dem Weg?

Als erstes müssen wir uns darüber klar werden, dass unser negatives Selbstbild nicht der Wahrheit entspricht, sondern das Produkt von Einflüssen ist. Wir haben es „gelernt“ und reproduzieren es nun in Form von Glaubenssätzen wie „Ich bin nicht schön“ oder „Ich bin ungeschickt“.

Die gute Nachricht: Was man gelernt hat, kann man auch wieder verlernen, indem man immer wieder dem negativen Gedanken bewusst einen positiven entgegensetzt. Hier etwa, indem man schöne Seiten an sich findet (die jeder hat!) oder aufzählt, was man bisher sehr wohl geschickt hinbekommen hat. Auf diese Weise wird das negative Denken gelöscht. Allerdings erfordert das einiges an Willen und Disziplin.

 


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Ist ein einmal erlangtes gesundes Selbstbewusstsein ein Dauerzustand? Oder dürfen wir stetig weiter wachsen und an uns arbeiten?

Unser Selbstvertrauen entsteht nicht schlagartig, es wächst in Stufen. Ein Level, das wir einmal erreicht haben, behalten wir meist auch. Aber jede neue Herausforderung stellt unser Selbstvertrauen wieder auf den Prüfstand. Sogar sehr selbstbewusste Menschen empfinden dann wieder Angst und Aufregung. Doch mit jeder Bewältigung wächst die Sicherheit. Das ist ein lebenslanger Prozess, denn die Prüfungen hören schließlich nie auf.

Wie ist es um Ihr Selbstbewusstsein bestellt? Wie kamen Sie zu diesem Thema?

Ich bin sicher ein gutes Testimonial für meine obige These: Je mehr man sich traut, desto selbstbewusster wird man. Ich habe mich nie vor Herausforderungen gedrückt, selbst wenn ich innerlich vor Aufregung weiche Knie hatte. Etwa als ich für das Fernsehen einen großen Partnertest entwickelt habe und dazu vor 6 Millionen Zuschauern als Co-Moderatorin von Jörg Pilawa in einer Samstagabend-Live-Show aufgetreten bin. Mit jeder Bewältigung ist mein Selbstvertrauen gewachsen. Heute weiß ich, wer ich bin und was ich kann. Ich weiß aber auch, dass jedes Neue wieder neues Selbstvertrauen erfordert.

Das psychologisches Handwerkszeug, das sich für mich und andere bewährt hat, gebe ich in meinen Büchern weiter. Vor allem, weil ich sehe, wie viele Menschen sich mit mangelndem Selbstvertrauen sabotieren, ihre Potenzial nicht entfalten und ihr Licht unter den Scheffel stellen.

Wann reifte in Ihnen der Wunsch, das Bedürfnis, als Schriftstellerin zu arbeiten?

Der Wunsch reifte nicht, er kam von außen. Ein typisches Beispiel dafür, dass einen das Schicksal schon an die richtige Stelle bringt, auch wenn man es gar nicht auf dem Zettel hat. Ich hatte als Psychologin für die „Brigitte“ Seminare gehalten. Spontan fragte mich die Lektorin – „Brigitte“ gab damals selbst Bücher heraus – ob ich nicht zu einem Seminarthema ein Buch schreiben wollte. Ich hatte wenig Zeit und deshalb wenig Lust, mochte aber nicht nein sagen und entdeckte so meine große Leidenschaft. Praktische Lebenshilfe in Buchform weiterzugeben, damit sie jeder nutzen kann.

Was bedeutet Achtsamkeit für Sie?

Achtsamkeit wird derzeit meist als Gegenstrategie zum Burnout eingesetzt, indem man seinen Körper und seine Bedürfnisse wahrnimmt. Ich verstehe es darüber hinaus als eine grundlegende Einstellung, bei der man auch auf andere Menschen, die Umwelt und die Tiere achtet. Das ist leicht gesagt, aber erfordert auch persönliche Einschränkungen. So bin ich zum Beispiel Vegetarierin geworden.

Welche Gedanken kommen Ihnen bei den Worten von Renee Locks? „Die Herausforderung ist, du selbst zu sein in einer Welt, die versucht alle uniform zu machen.“

Interessanter Weise hört man in der Berufswelt häufig die Forderung nach Authentizität, also das Gegenteil der Uniformität. Persönlichkeiten sind immer noch gefragt. Genau das ist meine „Mission“, in Büchern und Vorträgen zu vermitteln, wie man seine Einmaligkeit entdecken und ausstrahlen kann. Nicht mit Arroganz und Egoismus, sondern im Sinne von „werde, der du bist“.

Was erfüllt Sie mit Dankbarkeit?

Geben Sie mir noch ein paar Bildschirmseiten für die Antwort? Tatsächlich habe ich einmal alles aufgeschrieben, für was ich dankbar bin und das war ganze eine Menge. Ich nehme hier deshalb nur ein paar Dinge heraus: Der Cappuccino am Morgen. Dass ich Bücher schreibe, die etwas bewirken. Dass ich eine Familie und gute Freunde habe. Oder das ganz große Rad: Dass ich lebe und immer neue Erkenntnisse haben darf.

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