DannGeschiehtEinWunder

Und dann geschieht ein Wunder

Der Alltag hat es in sich. Tag für Tag werden wir gefordert. Wir malochen, kämpfen unermüdlich, doch weder der Chef, die lieben Kollegen noch unser Partner scheint das zu bemerken. Eigentlich sind wir ganz wunderbar. Einfühlsam, intelligent, zielstrebig, witzig, unterhaltsam, großzügig. Nicht immer, aber doch die meiste Zeit. Unsere Fähigkeiten sind vielleicht noch begrenzt, das Potenzial jedoch enorm.

Deswegen braucht es ab und an einen kleinen Anstoß von Außen. Damit auch die anderen merken, wie toll wir sind. Ein kleines Wunder und das Leben wäre viel entspannter. Die meiste Zeit bin ich natürlich Realist. Märchen, Fehn und Engel sind nicht so meine Sache. Aber stellen Sie sich doch einmal vor: Einen Sechser im Lotto, ein dickes Lob vom wichtigsten Kunden (= Beförderung), die Traumfrau, der Traummann. Das wär’s doch. Auf einmal scheint die Sonne auch im Alltag.

Oder morgen küsst mich plötzlich die Muse. Verlage werden auf mich aufmerksam, Galerien reißen sich um meine Bilder. Endlich hat das Schattendasein ein Ende und ich stehe im Rampenlicht. Jetzt können alle sehen, was ich drauf habe.

Kommen Ihnen solche Gedanken bekannt vor? Ich bin zumindest nicht frei davon. Besonders dann, wenn die Dinge nicht so laufen, wie ich es gerne hätte.

Wenn nur da Draußen sich etwas ändern soll, ist höchste Vorsicht geboten. Wir träumen gerne vom großen Auftritt, vom Glückslos. Doch sind wir überhaupt schon soweit? Wie wäre es denn wirklich, wenn ich morgen zum Projektleiter werde? Der Titel ist vielleicht ganz nett. Aber kann ich den Job überhaupt ausfüllen?

Die Voraussetzungen für unser Glück sind jetzt schon ausreichend. Wir müssen uns nur erlauben, im gegenwärtigen Augenblick zu leben, damit wir in Kontakt mit ihnen kommen. – Thich Nhat Hanh

Der Kontoauszug zeigt tiefrote Zahlen. Jetzt ein Lottogewinn. Das wär es. Für eine zeitlang ist das Konto sicherlich gerettet. Die Frage ist nur, für wie lange. Denn irgendwie bin ich ja vorher in die roten Zahlen gerutscht, bzw. habe deutlich über meine Verhältnisse gelebt. So mancher Lottogewinner hat ein paar Jahre auf großem Fuß gelebt und alles ausgegeben. Um anschließend vom nächsten Gewinn zu träumen.

Oder ich lerne auf einmal die Traumfrau auf der Party kennen. Ein wunderbares Lächeln, intelligent, gut aussehend, charmant. Einfach wunderbar. Nur dumm, dass bei mir irgendwie die Zeit stehen geblieben ist. Ich wohne immer noch Zuhause und trage am liebsten Schlabberlook. Ob meine Traumfrau darauf wohl abfährt?

Wir tragen in uns die Wunder, die wir außerhalb suchen. – Dag Hammarskjöld

Das Ziel ist sicherlich nicht ständige Selbstoptimierung in Zeiten der Schönheitsideale. Die Werbung und Ratgeberkultur bringen uns schon genug in Bedrängnis. Ständig sehen wir gut aussehende, entspannte und souveräne Menschen. Die Botschaften suggerieren: Lesen Sie dieses Buch, belegen Sie diesen Kurs, kaufen Sie dieses Mittel und Sie werden noch attraktiver, begehrter und es klappt endlich mit der Karriere.

Die Magie kommt allerdings weniger von Außen. Es gilt vielmehr zu erkennen, dass die Quelle der Veränderung in uns liegt. Das Wunder vollzieht sich, sobald wir spüren, dass wir uns in erster Linie Anerkennung schenken dürfen. Dass es darauf ankommt, Freude an den eigenen Vorhaben zu finden und die eigenen Qualitäten zu leben. Und dass es vielleicht ganz sinnvoll ist, noch nicht im Rampenlicht zu stehen, weil wir für den großen Auftritt noch gar nicht bereit sind.

Warum wünsche ich mir eigentlich Anerkennung von Außen, wenn mir meine Arbeit, mein Hobby Freude bereiten? Oder sehe ich erst dann einen Sinn in meiner Tätigkeit, wenn ich Bewunderung von anderen bekomme? Vielleicht verwechseln wir hier manchmal Ursache und Wirkung.

About the Author

Joachim HilbertJoachim Hilbert Vor 10 Jahren begann meine Reise nach Innen, denn ich suchte Antworten auf 3 Fragen. Was berührt mich? Woran habe ich Freude? Was verleiht meinem Leben Sinn? Dafür gibt es natürlich keine allgemein gültigen Lösungen. Mit meinen Artikeln möchte ich anregen, Antworten auf diese Fragen zu finden und hinter die Fassaden und Gewohnheiten zu schauen, damit sich unser innerer Reichtum offenbart. VisionView all posts by Joachim Hilbert

  1. Richard01-04-2015

    Ich denke es ist eine Frage der Bewusstheit. Jedes leichte Gefühl von Unwohlsein birgt auch sich wiederholende Gedanken, die uns meist gar nicht bewusst sind. Und solche Gedanken beinhalten oft auch ein „Rampenlicht“, das uns dann ein illusorisches Ich-Gefühl vermittelt und das Unwohlsein eine Weile überdeckt. Wir verwechseln das Sein, das nichts braucht, mit einem Sein in Gedanken, in dem was war oder in dem was morgen sein könnte. Ohne solche Gedanken kann ich eins sein mit dem Leben, in einem Zustand, der Wunder begünstigt.

  2. Markus01-05-2015

    Hi Joachim

    Ein wichtiger Satz empfinde ich als „Und dass es vielleicht ganz sinnvoll ist, noch nicht im Rampenlicht zu stehen, weil wir für den großen Auftritt noch gar nicht bereit sind.“

    Wir leben in einer rasanten Zeit sodass wir gar nicht mehr Warten wollen bis wir unsere Wünsche realisiert sehen. Veränderungen sollen sofort passieren und dabei vergessen wir was diese für uns bedeuten. Wenn dann die Veränderung eingetreten ist merken wir tatsächlich wie wir überfordert sind. Daher plädiere ich für langsame und nachhaltige Veränderungen. Vorallem in der Persönlichkeitsentwicklung.

    Lieben Gruss
    Markus

  3. Stephanie Merges-Wimmer01-09-2015

    Na, da spricht mir ja jemand aus dem Herzen. Um die guten Artikel alle zu lesen, brauche ich noch etwas Zeit. Soll ich jetzt aufhören zu schreiben? Die Zeit der Eigenverantwortung ist ja wohl angebrochen. Jetzt müssen wir nur noch loslegen. Gibt es etwas, das uns hindert? Bemühungen gibt es ja rundherum! Gegenbewegungen auch. So ist das eben mit der Polarität. Doch wir sind zuversichtlich und das Gesetzt der Resonanz wird schon dafür sorgen, dass das Richtige geschieht. Oder doch lieber eine Fee (Feh?)?
    Auf jeden Fall gefällt mir diese Seite.
    Stephanie

  4. Christine01-28-2015

    Hallo, wie kommen die Kommentatoren zu den Daten, an denen sie sich eingebracht haben: das wirkt sehr unglaubwürdig: 01.09.2015, 01.05.2015.
    schade ….
    Heute ist der 28. 01. 2015
    LG Christine

    • Joachim01-28-2015

      Hallo Christine, das Datumsformat ist in der Tat irreführend. Die Kommentare stammen vom Januar. Es kommt also erst der Monat, dann der Tag und dann das Jahr. Versuche ich demnächst mal umzustellen.
      Liebe Grüße Joachim

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