Im Herbst 2014 begegnete ich Soul Motion und Edgar Spieker zum ersten Mal auf einem Workshop in Hamburg. Und ich war sofort angetan von seiner einfühlsamen Art und dem freien Tanz. Für mich fließen hier viele Dinge zusammen: Freude, Bewegung, Meditation, Begegnung, Rhythmus, Inspiration. Und das Denken hat endlich einmal Ruhepause. Um so mehr freue ich mich, seine Arbeit vorstellen zu können.

Edgar Spieker ist autorisierter Soul Motion Lehrer, Tanztherapeut und Heilpraktiker für Psychotherapie. Nach einem Musik- und Gesangsstudium, Schauspieltraining, langjährigen Erfahrungen im Shotokan Karate und Modern Dance arbeitete er zunächst als Gesangslehrer und Sänger. Um die Wirkung des Tanzes auf die Seele noch besser zu verstehen, entschloss Edgar Spieker sich zu einer 5-jährigen Tanztherapie Ausbildung beim Institut Pantarhei (Hannover) und beim HIGW (Hamburg). Edgar Spieker absolvierte Weiterbildungen und besuchte Workshops bei Anna Halprin (Tanztherapie), Susan Harper (Continuum Movement), Susannah und Ya’Acov Darling-Khan (Movement Medicine), Pilates Bodymotion und bei verschiedenen Lehrern von Authentic Movement, 5 Rhythmen, Body Mind Centering, Roy Hart Stimmarbeit und Kontemplation.

Im Alltag ist ein Großteil der Aufmerksamkeit gebunden, weil unsere Sinne, insbesondere die visuellen, einer starken Reizüberflutung ausgesetzt sind. Welche Vorteile ergeben sich aus Deiner Erfahrung, wenn wir wieder bewusster den eigenen Körper wahrnehmen?

In unserem Körper spiegeln sich all unsere Befindlichkeiten und Bedürfnisse wider. Wenn wir den Körper aufmerksamer wahrnehmen, erkennen wir daher auch unseren seelischen Zustand deutlicher. Erst diese Bewusstheit für das, was sich in uns regt, ermöglicht uns die richtigen Entscheidungen zu treffen, egal ob es um die großen Lebensthemen geht oder das alltägliche Tun.

Von daher bin ich davon überzeugt, dass wir glücklicher und zufriedener werden, wenn wir mehr auf unseren Körper hören. Auf diese Weise sorgen wir einfach besser für uns selbst.

Inwiefern können wir uns durch Tanzen besser kennenlernen?

Bewegung, der Kontakt zu anderen Menschen und die Musik bringt eine Menge in uns in Gang. Zum einen spüren wir den Körper intensiver wenn wir ihn bewegen. Die Musik berührt uns emotional und löst Impulse aus, gefühlsmässige und auf der Bewegungsebene. Im Kontakt mit anderen im Tanz werden wir mit all unseren Wünschen, Ängsten und Leidenschaften in Bezug auf andere Menschen konfrontiert.

All unsere Prägungen, Erfahrungen, Kränkungen und schönen Erlebnisse, die wir im Laufe unseres Lebens gemacht haben, schwingen da plötzlich mit rein. Neben dem reinen Genuss am Tanzen bietet das auch die Möglichkeit Neues auszuprobieren: mutig einfach mal was anders zu machen als sonst, eine neue Bewegung auszuprobieren, auf eine andere Art in Kontakt gehen. Da das ganze in einem geschützten Rahmen stattfindet, ist das oftmals leichter als im Alltag.

Führt der Weg des Glücklichseins über Fühlen und Tanzen?

Für mich ja. Mehr ins Fühlen zu kommen und die Lebendigkeit, die der Tanz in mir bewirkt, ist mein Lebenselixier. Ich erlebe da Momente der Erfüllung, der Verschmelzung, Zufriedenheit und innerer Stille, die ich glaube, ich auf keinem anderen Weg finden könnte. Jeder muss da seinen eigenen Weg finden. Für andere ist es vielleicht eine andere Ausdrucksform, Malen, Schreiben, Singen…

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Was ist die Idee hinter Soul Motion?

Der Begriff Soul Motion beinhaltet die Wörter „Seele“ und „Bewegung“. Das soll andeuten, dass es in dieser Tanzmethode vor allem um unser Innerstes geht von dem wir uns leiten lassen, dem wir die meiste Aufmerksamkeit schenken. Er sagt auch, dass wir Bewegung als Merkmal unserer Lebendigkeit in uns haben und der Tanz daher nichts ist, was wir erst erlernen müssten. Wir sind Bewegung und Tanz. Von daher geht es in Soul Motion weniger ums aktive Tun, sondern mehr ums Zuhören auf das was sowieso schon da ist.

Die andere Idee hinter Soul Motion ist, dass wir über den Tanz bewusster Erleben können, wie wir Beziehungen gestalten. Das meint die Beziehung zu uns selbst, unserem Körper und unserem Seelenleben. Aber auch wie wir mit anderen Menschen in Kontakt sind, wie wir uns als Teil einer Gruppe wahrnehmen und letztlich wie unsere Verbindung zum großen Ganzen beschaffen ist. Diese Beziehungen nennen wir in Soul Motion „Landschaften“ (Landscapes). Das ist ein bisschen wie eine Schatzkarte, die wir in einer Stunde oder Workshop gemeinsam im Tanz erforschen.

Welche Voraussetzungen braucht man, um an Soul Motion teilzunehmen?

Um an Soul Motion teilzunehmen, braucht es nur Neugier, Offenheit und ein wenig Mut. Es gibt keine körperlichen oder tänzerischen Voraussetzungen. Meditations- oder andere Selbsterfahrungen sind hilfreich aber nicht unbedingt nötig.

Da wir als Gruppe nur gemeinsam einen geschützten Raum kreieren können, erwarte ich von allen Teilnehmern eine achtsame und respektvolle Grundeinstellung sich selbst, den anderen und dem Raum gegenüber.

Wie hast Du für Dich das Tanzen entdeckt?

Getanzt habe ich leidenschaftlich gern so lange ich mich erinnern kann. Als Jugendlicher und junger Erwachsener wurde das dann einige Zeit von Schamgefühlen überdeckt. Mit Mitte 20 bin ich mehr durch Zufall in einer Modern Dance Class gelandet und fand es eine Mischung aus seltsam, peinlich und toll. Das Tolle hat dann immer mehr gesiegt…

Das freie meditative Tanzen habe ich mit Anfang 30 kennengelernt und dann hat es mich sofort gepackt. Seit dem habe ich vieles ausprobiert, bin dann aber vor 13 Jahren bei Soul Motion geblieben, weil sich das wie mein tänzerisches Zuhause anfühlte.

Deine Workshops haben bestimmte Themen wie Hingabe oder Wilde Herzen. Wie entdeckst Du diese Themen?

Meine Workshoptitel haben immer etwas mit mir selbst zu tun. Das sind Themen, die mir wichtig sind, die ich gern tiefer erforschen möchte. Manchmal sind das auch ungewohnte Themen für mich. Das Wort „Hingabe“ z.B. war bei mir bis vor wenigen Jahren negativ besetzt und wäre nicht freiwillig über meine Lippen gekommen.

Jetzt habe ich einen breiteren Blickwinkel darauf und finde es interessant und tief berührend. In einem Soul Motion Workshop geht es immer um Soul Motion, aber der Titel ist dann ein spezieller Blickwinkel, den wir besonders intensiv über die Bewegung betrachten.

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Wie beginnst Du in der Regel Deinen Tag?

Ich bin kein Morgenmensch und mein Körper braucht lange, um auf Touren zu kommen. Von daher geniesse ich es, langsam zu starten und mir Zeit zu lassen, wenn es geht. Ich habe das Glück, dass ich durch meinen Beruf ziemlich flexibel bin und mir das so einrichten kann. So gern ich ein Frühaufsteher wäre und jeden Tag um 6 Uhr hellwach auf meinem Meditationskissen sitzen würde, ich habe mich damit abgefunden, dass mein Rhythmus ein anderer ist.

Welche Gedanken kommen Dir bei den Worten von Henry van Dyke? „Nutze die Talente, die du hast. Die Wälder wären still, wenn nur die begabtesten Vögel sängen.“

Ich glaube, dass jeder Mensch einzigartig ist und allein dadurch viel zu geben hat. Wenn wir versuchen jemand anderes zu sein oder Teile in uns zu verbergen zu denen wir vielleicht (noch) nicht stehen können, dann sind wir ein unscheinbarer, stummer Vogel im Wald. Aber wenn wir unserer inneren Stimme vertrauen und ihr mutig Gehör (oder Bewegung) verschaffen, dann sind wir eine Pracht. Und wir folgen unserer Bestimmung, ein leuchtender, kraftvoller, bewegender Teil der Schöpfung zu sein.

Wofür bist Du dankbar?

Die Liste der Menschen, denen ich Dankbarkeit gegenüber empfinde, ist sehr, sehr lang, und viele würde ich bei der Aufzählung vermutlich vergessen. Jede Begegnung mit anderen Menschen, die mir mit Aufmerksamkeit, Offenheit und Ehrlichkeit gegenübergetreten sind, erfüllt mich mit Dankbarkeit.

Viele Menschen haben mich in wichtigen Momenten mit Worten oder Taten beeinflusst und mir geholfen, meinen Weg zu finden, und dabei geduldig mit mir selbst zu sein. Und über allem steht die Dankbarkeit für das Geschenk des Lebens. Das möchte ich immer mehr wertschätzen lernen.

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Foto: © Jes Klein