WarumDieSichtweiseEntscheidendIst

Warum die Sichtweise entscheidend ist

Kann meine Sichtweise den Verlauf des Lebens beeinflussen? Ich meine ja. Und wie soll das gehen? Reicht es, wenn ich mir schöne Gedanken mache und schon lösen sich die Schwierigkeiten auf? Das wäre sicherlich naiv.

Ich behaupte mal ganz dreist: Wir haben bewusst oder unbewusst zu allem eine Einstellung. Und wie hilfreich diese Sichtweise ist, merken wir in der Regel, wie gut wir uns in den jeweiligen Situationen fühlen. Der entscheidende erste Schritt ist also, sich der eigenen Denkmuster bewusst zu werden.

Wie sehe ich die Dinge? Was verbinde ich mit Geld? Welche Erwartungen regen sich in mir in Bezug auf Liebe und Partnerschaft? Sind meine Mitarbeiter für mich Leistungsträger oder Kostenfaktor? Habe ich Angst vor Veränderung? Wie stelle ich mir das Älterwerden vor? Habe ich Vertrauen zu meinen Mitmenschen oder befürchte ich ständig, benachteiligt zu werden? Fühle ich mich persönlich abgelehnt, wenn ich mit einem Nein konfrontiert werde?

Die innere Sichtweise

Motivation ist eine Kraft, die in uns entsteht, sie kommt aus dem Herzen. Sie wirkt von Innen nach Außen. Eine Energie, die riesig sein kann und es uns ermöglicht, viele Jahre an einem Ziel, einer Herzensangelegenheit zu arbeiten. Wobei es aus meiner Erfahrung ein großer Unterschied ist, ob ich überwiegend für meinen eigenen Vorteil agiere oder mich für ein Anliegen engagiere, das mehreren Menschen hilft.

Ich brauche kein Gutmensch zu sein, ein sozialer Held, der sich auf die Fahnen geschrieben hat, die Welt zu verbessern. Nein, es geht ganz unspektakulär. Ich mache etwas, weil es mir wichtig ist. Ohne großen Aufhebens.

Warum investiere ich Zeit in diese Seiten? Weil es mir Freude bereitet, ich interessante Menschen kennenlerne und das Gefühl habe, einen sinnvollen Beitrag zu leisten. Warum engagieren sich Menschen freiwillig für soziale Projekte? Was ist der Grund, dass manche Leute morgens gerne zur Arbeit gehen? Ich vermute mal, weil es ihnen ein inneres Anliegen ist, ein Thema voran zu bringen.

Dem Denken sind keine Grenzen gesetzt. Man kann denken, wohin und soweit man will. – Ernst Jandl

Die innere Sichtweise entwickelt Kraft, wenn ich aus Mitgefühl und zum langfristigen Wohle vieler Menschen handele. Diese Begeisterung entfacht in mir Wärme und Tatkraft. Sie wirkt zudem anziehend, so dass ich auf dem Weg Gleichgesinnte treffe und wir uns gegenseitig helfen.

Die äußere Sichtweise

Klarheit ermöglicht uns, die Dinge aus verschiedenen Perspektiven zu sehen. Unser Denken findet oftmals in den gleichen Bahnen statt. Deswegen ist es so wichtig, sich einmal zurück zu lehnen, um zu schauen, in welche Richtung die Gedanken gehen.

Unsere momentanen Gedanken sind eine Möglichkeit von vielen. Welche Perspektiven gibt es noch? Ich bin manchmal erstaunt, über die Ansichten meiner Mitmenschen. Bis ich sie frage. Dann offenbart sich mir ein neuer Kontext. Ich muss dem freilich nicht zustimmen. Aber mir wird ihre Motivation klarer.

Unsere Gedanken haben einen großen Einfluss auf unser Erleben. Habe ich Angst zu kurz zu kommen, bin getrieben von Neid, dann erlebe ich meine Kollegen wahrscheinlich als Kontrahenten. Bin ich sehr misstrauisch, werden meine Reaktionen eher abwartend und skeptisch sein. Wobei es sicherlich nicht verkehrt ist, auch mal abwartend und skeptisch zu sein. Die Frage dabei ist nur, ob ich noch andere Möglichkeiten auf Lager habe.

Veränderungen zulassen

Zum Thema positives Denken gibt es jede Menge Literatur. So nach dem Motto: Du brauchst nur die richtige Einstellung und schon kannst Du alles erreichen. Das mag sein. Ich finde dabei den Ansatz oftmals etwas fragwürdig. Weil ich mir etwas wünsche, etwas haben will, tune ich meine Einstellung. Der Fokus geht dabei oftmals von Außen nach Innen und nicht umgekehrt. Ich will etwas haben, anstatt ich möchte etwas geben, realisieren, umsetzen.

Wir brauchen nicht so fortzuleben, wie wir gestern gelebt haben. Macht euch nur von dieser Anschauung los, und tausend Möglichkeiten laden uns zu neuem Leben ein. – Christian Morgenstern

Werden Sie zum Entdecker Ihrer Möglichkeiten. Sie brauchen nicht alles anders zu machen, das wäre eine Überforderung. Prüfen Sie am besten ab und an die Ergebnisse, die Reaktionen Ihrer Handlungen. Fühlen Sie sich wohl damit? Könnten Sie das Thema vielleicht auch einmal anders angehen? Passt es zu Ihnen?

Und natürlich geht es nicht darum, sich ein Wolkenkuckuksheim zu basteln, eine rosarote Plüschwolke, nur um sich wohl zu fühlen. Wir dürfen selbstverständlich unsere Sichtweise mit der Realtität abgleichen. Die Sichtweise hat nichts mit Beliebigkeit zu tun. So nach dem Motto: Meine Fahne dreht sich mit dem Wind, so wie es gerade passt.

Möchten wir Verantwortung für unser Leben übernehmen? Wir gestalten unser und das Leben anderer durch unsere Einstellung, durch unsere Sichtweise. Weil wir mit all unserem Denken, Reden und Handeln eine Antwort auf die Dinge des Lebens geben. Unsere Antwort. Sind wir Gefangene unserer Sichtweise oder Entdecker neuer Möglichkeiten? Produzieren wir Ängste, Ärger, Neid oder Neugierde, Begeisterung und Mitgefühl?

üben, ausprobieren, verbessern

Oftmals schlußfolgern, interpretieren wir Situationen unbewusst und bewegen uns damit automatisch in eine bestimmte Richtung. Wir biegen bildlich gesprochen immer an der gleichen Stelle ab. Anstatt zu erkennen, dass wir ja auch gerade aus weiter fahren können. Oder links abbiegen, oder umdrehen, oder langsamer fahren oder was auch immer.

Mir fällt zum Beispiel in bestimmten Situationen der Umgang mit dem Wort Nein schwer. Oder wenn mir Misstrauen entgegen gebracht wird. Warum mir das Schwierigkeiten bereitet? Nach mehreren unschönen Situationen ist mir bewusst geworden, dass ich mich als Person abgelehnt fühle. Zuerst glaubte ich (unbewusst), die andere Person lehnt mich ab. Das war allerdings eine falsche Schlußfolgerung. Das „Problem“ liegt also eher bei mir. Und damit habe ich Einfluß, zukünftig anders agieren zu können.

In welchem Bereich Ihres Lebens möchten Sie neue Wege gehen? Wo stoßen Sie momentan an Ihre Grenzen? Können Sie die Dinge vielleicht auch anders sehen? Welche Wirkung zieht eine andere Reaktion nach sich? Wann interpretieren Sie das Verhalten Ihres Gegenübers und ziehen womöglich unzulässige Schlufolgerungen?

About the Author

Joachim HilbertJoachim Hilbert Vor 10 Jahren begann meine Reise nach Innen, denn ich suchte Antworten auf 3 Fragen. Was berührt mich? Woran habe ich Freude? Was verleiht meinem Leben Sinn? Dafür gibt es natürlich keine allgemein gültigen Lösungen. Mit meinen Artikeln möchte ich anregen, Antworten auf diese Fragen zu finden und hinter die Fassaden und Gewohnheiten zu schauen, damit sich unser innerer Reichtum offenbart. VisionView all posts by Joachim Hilbert

  1. Karl03-31-2015

    Hallo,
    ein sehr aufschlussreicher Artikel vielen Dank dafür. Um neue Wege zu gehen war bei mir eines wichtig; nämlich stehen zu bleiben um mir Zeit zu nehmen für Reflexion. Das hat mir die Augen geöffnet und neue Wege konnten beschritten werden. LG Karl

  2. Richard04-03-2015

    Ja, diese Station kenne ich auch gut. Ich schaute auf mich und dachte, es liegt an mir, dass mich jenes nervt, ich bei anderem blockiert bin, nicht frei einfach NEIN sagen kann. Das Denken ist darauf irgendwie schon eingerichtet. Oft biegt sich das Denken die Sichtweise zurecht. Damit es irgendwie stimmt. Werden wir uns dieses Denkens bewusst, ist es oft nicht zu halten und ich sehe MEIN Problem wieder.

    Ich argumentiere mit mir selber und beruhige meine Emotionen. Für den Moment. Meine Absicht hat auch Wirkung. Ich kontrolliere mein Denken besser. Das EGO möchte auch teilhaben. Aus Sicht des Anderen zu schauen, das ist ehrenwert. Etwas tun für Menschen, mit Motivation. Umso mehr umso „besser“. Ich fühle mich gut damit. So ist meine Sicht nicht zu kritisieren. Ein Nein lässt sich auch leichter anbringen. Das muss ja jeder sehen, dass ich meine Zeit schon ausgeplant habe. Ich jedenfalls übernehme Verantwortung.

    Bei mir war es der berufliche Werdegang über den 2. Bildungsweg. Und dann noch ganz vorne in Mathematik. Leistung auf irgend eine Art, immer weiter, die keine Kritik mehr zulässt.

    Es ist heute allein das Wort „Verantwortung“, das mich aufhorchen lässt. Wenig verantwortungsvoll heißt dann auch Schuld. Das hat man uns gesagt. So und so musst du sein. Und der da …

    In Wahrheit sprechen wir mit diesen Worten über uns selbst. Diese Worte sind ein wesentliches Thema für uns – nur wenn es in der Tiefe auch ein eigenes Gefühl von Unwertsein gibt. Wenn wir nicht großzügig über Dinge hinweg sehen. Wenn wir nicht vergeben haben. Wir richten uns selbst.

    Und so endet das Thema eben nicht mit einer angepassten Sichtweise. Sie hilft vielleicht mariginal. Es geht um tiefere Ursachen. Weil wir so gut erzogen sind, schauen wir oft nicht auf das, was mit unseren Eltern zu tun hat. Denn wenn wir das tun würden, sorgten wohl unsere Sichtweisen für noch mehr Unwertsein. So braucht es erst eine Sichtweise, dass niemand die Dinge wirklich in der Hand hat und seine Haut verlassen könnte. Eine Sichtweise, mit der es nicht wirklich Schuld gibt und das Thema Verantwortung eher emotionslos ist. Mit solcher Vergebung erlauben wir uns dann, auf die Ursachen zu schauen und unsere Gleichgültigkeit weicht eher authentischem Handeln als Antwort. Eben weil Blockaden aus dem Weg geräumt sind.

Wie lautet Ihre Meinung?