Viele Menschen sehnen sich nach innerer Stabilität, nach Erfüllung, nach Sinn. Diesem Geschmack von Stimmigkeit und innerem Frieden. Auf der einer Seite wünschen wir uns neue Aufgaben, Herausforderungen und sind neugierig. Wir möchten zu neuen Ufern aufbrechen, unsere Möglichkeiten erforschen. Auf der anderen Seite brauchen wir Halt, etwas woran wir uns ausrichten können.

Doch zu leicht kommen wir ins Stocken zwischen Selbstzweifeln, Überforderung und Orientierungslosigkeit. In der Hektik des Alltags verlieren wir unsere Bedürnisse aus den Augen, haben Angst die Anforderungen nicht zu erfüllen, brennen aus.

Lebensqualität bedeutet nicht, ständig etwas erleben und aktiv sein zu müssen. Ein intensives Leben beinhaltet auch den Blick nach Innen. Was macht das mit mir? Wie geht es mir? Passt das für mich?

Gerade wenn viel anliegt, bedarf es der Einkehr und liebevoller Zuwendung. Ich spüre den Unterschied immer wieder. Gerade in diesen Wochen, in denen ich oftmals nicht weiß, was ich zuerst machen soll. Beruflich und privat strömen so viele neue Dinge und Aufgaben auf mich ein. Vor ein paar Jahren arbeitete ich diese Anforderungen ohne allzu große Reflektion ab. Ich habe überwiegend reagiert. Bis zu einem gewissen Grad ist das sogar effizient. Ja, ich habe viel geschafft und abgearbeitet. Und mich eines Tages erschöpft gefragt, wie ich eigentlich an diesen Punkt gelangen konnte.

Worauf richten wir unseren Fokus?

Im Laufe des Tages sind wir in der Regel von vielen Menschen umgeben. Von den Kollegen, von der Familie, von Fremden und Freunden. Wir bringen uns ein, helfen, hören zu, sind im Dialog, erledigen unsere Aufgaben, checken die Neuigkeiten, werden durch den Verkehr getrieben, geraten in Versuchung, wenn wir die verlockenden Angebote sehen. Jeden Tag zig tausende von Bildern, Geräuschen, Informationen und Gerüchen.

Wie kann uns etwas berühren, wenn wir ständig betriebsam durch die Gegend eilen?

Nehmen Sie sich Zeit für die innere Reflektion, den Fokus nach Innen! Wir brauchen meines Erachtens dieses Gleichgewicht von Außen und Innen. Von Erleben und Verarbeiten. Unsere Seele braucht diesen Raum. Ansonsten wird es innerlich eng. Wir reagieren gereizter, werden unruhiger, können schlecht schlafen, die Konzentration lässt nach.

Zeit zu spüren

Gönnen Sie sich freie Zeit. Verlangsamen Sie für kurze Zeit das Tempo, nehmen sich und die Umwelt in Ruhe wahr. Wie fließt mein Atem? Wie fühlt sich mein Nacken an? Spüren Sie den Boden unter Ihren Füßen? Nehmen Sie den Raum neben, hinter und über Ihnen war? Spüren Sie Ihre Hände?

Das sind Momente, in denen wir uns begegnen. Uns Aufmerksamkeit schenken. Was fühlen Sie jetzt? Geben Sie diesen Emotionen Raum. Lassen Sie sie zu Ihnen sprechen. Was möchten sie Ihnen vielleicht mitteilen?

Es geht dabei nicht um beurteilen. Wenn Sie wütend sind, ist das völlig in Ordnung. Das ist keine intellektuelle oder moralische Übung. Klar, können sie viele Argumente finden, warum Sie jetzt ärgerlich sind oder warum das jetzt völlig daneben ist. Und schon sind Sie wieder im Kopf.

[pullquote2 quotes=“true“ align=“center“ variation=“orange“ cite=“John Daido Loori“]In der Tiefe der Stille schmelzen alle Worte dahin, Wolken lösen sich auf und es steht klar und deutlich vor dir.[/pullquote2]

Gedanken sind rasend schnell. In Lichtgeschwindigkeit bringen Sie uns von einem Ort zum anderen. Denken Sie an irgendetwas. Zum Beispiel an Venedig. Sofort werden Ihnen Bilder geliefert. Unser Innenleben ist da etwas langsamer. Gefühle brauchen mehr Zeit, Geduld. Sie kommen selten auf Knopfdruck.

Gönnen Sie sich deshalb regelmäßige Augenblicke der Reflexion. Am Morgen, am Mittag, am Abend, oder wann es für Sie passt. Fangen Sie klein an. Finden Sie Ihr Tempo, Ihr Maß. Einatmen, ausatmen, spüren. Vielleicht 2-3 Minuten.

Zeit für Gefühle

Was wir spüren ist bekanntlich nicht immer angenehm. Traurigkeit, Wut und Angst sind leider keine gern gesehenen Gäste. Der Konflikt, die Zerissenheit entsteht oftmals durch unsere Vorstellungen, durch Moral und Druck von Außen. Wir meinen, irgendetwas müsste anders sein. Wir müssten anders sein, unsere Mitmenschen müssten anders sein.

Die Dinge sind jetzt so wie sie sind. Vielleicht können wir den Lauf des Lebens beeinflussen. Aber dieser Moment ist so wie er jetzt ist. Investieren wir unsere Energie lieber ins Wahrnehmen, Spüren und Zulassen als in Zweifel, Widerstand und Ablehnung.

In ruhigen Momenten schaffen wir die Voraussetzung für Begegnung. Wir dürfen schwach sein, wir dürfen stark sein, wir dürfen zweifeln, wir dürfen Angst haben. Hier brauchen wir uns nichts mehr vorzumachen, keine Maske mehr tragen. Und werden wahrscheinlich erkennen, wie viel Anstrengung der Widerstand, das Festhalten kostet.