Rolf Sellin zeigt in seinem Buch „Bis hierher und nicht weiter. Wie Sie sich zentrieren, Grenzen setzen und gut für sich sorgen“, warum Grenzen setzen so schwerfällt. Er vermittelt Methoden, wie Abgrenzung gelingt.

 

Rolf Sellin

Der Autor ist Heilpraktiker für Psychotherapie und Coach. An seinem HSP-Institut in Stuttgart arbeitet er mit Hochsensiblen.

 

Mit sich selbst in Einklang sein

Sich einzugestehen, Grenzen zu haben, ist gar nicht so einfach. Leben wir doch in einer, wie der Autor es ausdrückt, Ideologie der Grenzenlosigkeit. „Alles ist machbar!“ ist die Losung der Zeit. Und doch wird uns auch oft gesagt: „Grenz dich doch ab!“, und das klingt so einfach. Doch das ist es mitnichten.

„Erst wenn wir unsere Grenzen annehmen, können wir sie überwinden.“

Rolf Sellin macht deutlich, dass der erste Schritt zur Abgrenzung im Kontakt mit dem eigenen Körper liegt. Mit zahlreichen Übungen zeigt er, wie wir uns zentrieren und Kopf, Herz und Bauch in Balance bringen können.

Der Autor stellt noch weitere Methoden der Abgrenzung vor, mit anschaulichen Beschreibungen und Einladung zu Übungen. Zum Beispiel: Wird es in einer Situation ganz schwierig: „Bärenfell anziehen“. Es wirkt dann wie ein Schutzschild. Rolf Sellin weist darauf hin, dass diese energetische Abgrenzungsmethode nur als letzte Möglichkeit eingesetzt werden sollte, wenn sonst gar nichts mehr geht. Denn sie könnte auch dazu führen, uns nicht weiterzuentwickeln.

 

Die eigene Position im Leben einnehmen

An unseren Grenzen zeigen wir Kontur. Wir werden für andere greifbar. Und es kann durchaus auch zu Konflikten kommen. Es gilt, kommunikative Fähigkeiten zu entwickeln. Auch dafür stellt der Autor  Methoden vor und macht sie mit Beispielen anschaulich. Der naheliegendste Weg: Das Thema offen ansprechen.

 

Abgrenzung ermöglicht Entwicklung

Das Einhalten unserer Grenzen ermöglicht es uns, unsere Grenzen auszuweiten. Was zunächst paradox klingt, erläutert der Autor  sehr schön anhand der Dynamik zwischen Über- und Unterforderung. Stellt uns jemand eine Aufgabe, der wir uns nicht gewachsen fühlen, erzeugt das Stress. Wir scheitern oder werden vielleicht sogar krank. Wir lehnen neue Aufgaben dann vielleicht generell ab, und bewegen uns damit im Bereich der Unterforderung.

Ist etwas neu für uns, bewegen wir uns im Bereich direkt an unserer derzeitigen Grenze. Durch Wahrnehmung unseres Körpers und seiner Signale  können wir erkennen, ob wir uns überfordern und uns einen Schritt zu weit hinauswagen. Wachsen wir in dem für uns gerade passenden Maß über unsere Grenze hinaus, so zeigt sich das im Erleben von Kraft und tiefer Freude. Wir fühlen uns im Fluss.

 


Bis hierher und nicht weiter. Wie Sie sich zentrieren, Grenzen setzen und gut für sich sorgen

von Rolf Sellin Erschienen 2014 im Kösel-Verlag 206 Seiten, broschiert, ISBN: 978-3-466-309998-6

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Fazit

Ein sehr hilfreiches Buch, um die eigenen Grenzen zu erkennen und behutsam zu erweitern. Mit einem Test zur Selbsteinschätzung, vielen Beispielen und praktischen Methoden. Was mir besonders gefällt: Der Autor setzt bei unserer Körperwahrnehmung an. Und er gibt spannende Hintergrundinformationen, was unsere Abgrenzung unterlaufen kann.

 

Regina Schlager

Homepage Regina Schlager

Regina Schlager öffnet als Coach, Autorin und Podcast-Gastgeberin Räume, um in lebendigen, kreativen und achtsamen Kontakt mit sich selbst, anderen und der Welt zu kommen und aus dieser Verbindung heraus zu handeln. Sie studierte Germanistik und Philosophie in Wien und arbeitete 20 Jahre lang in Beratungsunternehmen im Informations- und Wissensmanagement sowie der Aus- und Weiterbildung. Sie lebt in Zürich.