SuchenUndFinden

Ich suche nicht – ich finde

Suchen – das ist Ausgehen von alten Beständen und ein Finden-Wollen von bereits Bekanntem im Neuem.

Finden – das ist das völlig Neue! Das Neue auch in der Bewegung. Alle Wege sind offen und was gefunden wird, ist unbekannt.

Es ist ein Wagnis, ein heiliges Abenteuer! Die Ungewissheit solcher Wagnisse können eigentlich nur jene auf sich nehmen, die sich im Ungeborgenen geborgen wissen, die in die Ungewissheit, in die Führerlosigkeit geführt werden, die sich im Dunkeln einem unsichtbaren Stern überlassen, die sich vom Ziele ziehen lassen und nicht – menschlich beschränkt und eingeengt – das Ziel bestimmen.

Dieses Offensein für jede neue Erkenntnis im Aussen und Innen: Das ist das Wesenhafte des modernen Menschen, der in aller Angst des Loslassens doch die Gnade des Gehaltenseins im Offenwerden neuer Möglichkeiten erfährt.

Pablo Picasso

  1. sonja12-20-2015

    Aus „Andere Zeiten“? Den Text haben wir zu unserem Adventsfenster am 3. Dezember vorgelesen ;-)
    Liebe Grüße,
    Sonja

  2. Richard12-22-2015

    Urvertrauen. Oft erscheint es erst, wenn wir Ängste durchschritten haben.

  3. Ruth Scheftschik12-22-2015

    Lieber Joachim,

    das ist ein ganz wunderbarer Text! Danke für die Veröffentlichung! Ein großes Thema, mit dem ich mich gerade sehr beschäftige. Sich im Ungeborgenen geborgen fühlen; das Ungewisse des Lebens aushalten lernen, das führt zu einer Offenheit, in der auf einmal das Leben einen ganz neuen „Geschmack“ bekommt. Da wird die Fülle des Lebens erst richtig sichtbar – die Vielfältigkeit der Möglichkeiten und Perspektiven. Es entstehen eine große innere Befreiung, Inspiration, Leichtigkeit, Gelassen- und Zufriedenheit. Man fängt an, mit einem „buddhistischen“ Lächeln durch die Tage zu gehen.

    Wie findet man dahin? Die Antwort ist in Kürze nicht zu schreiben.

    Liebe Grüße
    Ruth

  4. Erwin Schmäh12-27-2015

    Dieser Text würde bedeuten, dass wir keine Pläne brauchen und aufhören können Ziele zu setzen weil die Dinge zu uns finden. Herrlich, wieder ein grosser Künstler der damit bestätigt, dass Ungewissheit der Anfang des Neuen ist. Ungeborgen sind nur diejenigen die ihr Alleinsein erkennen und sich der Bewegung des Leben überlassen. Und wahrscheinlich kann man sich dem nur öffnen ohne etwas tun zu müssen oder tun zu können.

    Danke Joachim.

    Erwin

    • Ruth Scheftschik12-28-2015

      Es ist nicht verkehrt, wenn sich der Mensch Ziele setzt, Marker in der Zukunft, und darauf hinarbeitet. Schließlich ist er ein gestaltendes, schöpferisches Wesen. Sein Geist ist immer auf etwas hin ausgerichtet. Schon allein seine körperlichen Sinne brauchen immer ein ‚Objekt‘, mit dem sie sich beschäftigen – sehend, hörend, tastend, usw.

      Aber es gibt immer wieder Phasen, in denen das Ziel nicht erreichbar ist, so sehr man auch darauf hinarbeitet. Und es gibt ungewollt ziellose Phasen, in denen vorübergehend kein Ziel ersichtlich ist. Hier offen zu bleiben und die Ungewissheit auszuhalten; weiterzugehen und darauf zu vertrauen, dass man im Nebel bzw. in der Dunkelheit vom Lebensgrund getragen wird, aus dem uns irgendwann dann wieder Neues entgegenkommt, das ergibt die Geborgenheit im Ungeborgenen. Es ist eine anderes Geborgenheitsgefühl als das gewohnte, das zum Beispiel teilweise in einer Beziehung erlebt wird. Es ist viel größer und umfassender, tiefer. Diesen Lebensgrund können wir ‚Lebensgrund‘ nennen, Gott oder Höheres Bewusstsein oder auch anderes.

      Wir können aber auch nur sagen: Dem Leben zu vertrauen und uns ihm gegenüber nicht zu verschließen, eröffnet neue Möglichkeiten nach dem Motto der Bremer Stadtmusikanten ‚Etwas Besseres als den Tod finden wir allemal.‘
      Die Begrenztheit unseres Lebens zu akzeptieren, den Tod, ist jedoch eine der ganz großen Hilfen um Geborgenheit im Ungeborgenen zu finden. Hierzu gehört ausserdem, zu akzeptieren, dass das Leben ein Auf und Ab ist, zyklisch verläuft; dass wir auch einmal irren und scheitern. Wenn wir das alles akzeptieren können, fühlen wir uns auch im Ungeborgenen geborgen. Dann öffnet sich ein ganz neues Lebenspanorama mit Möglichkeiten, an die wir vorher nie gedacht haben, und sei es, dass wir wieder Dinge zu schätzen lernen, die wir zuletzt übersehen haben.

      Dem Leben gegenüber offen zu bleiben, es als Bewegung wahrzunehmen und nicht als etwas Statisches, verursacht das Gefühl der Freiheit. Unfrei sind wir nur durch unsere Bewertungen und Einteilungen nach Gut oder Schlecht.

  5. Richard01-02-2016

    Aus meiner Sicht ist mit dem Ungeborgenen etwas gemeint, was wir mit dem Verstand nicht erfassen können. Bei entsprechenden Umständen vermittelt uns der Verstand oft eine Art Sicherheit und Geborgenheit. Doch ist dies offenbar nicht für jeden auch notwendig, um das Gefühl der Geborgenheit zu erfahren. Wir können dieses Gefühl auch erfahren, wenn der Verstand still wird. Wir können es nicht beschreiben. Es ist etwas nicht Beschreibbares. Und dennoch erfahren wir diese Geborgenheit, die sagt „es ist alles gut“.

    Natürlich brauchen wir trotzdem den Verstand und sollten auch planen. Letztlich gebrauchen wir den Verstand sogar, wenn wir Geborgenheit im Ungeborgenen „erfahren“. Denn nur der Verstand kann uns diese Information zunutze machen. Z.B. wenn er als sinnlose erkannte Aktionen abstellt und neu plant.

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