VertrauenInDasLeben

Vertrauen in das Leben

Wenn das Leben nicht nach unseren Vorstellungen verläuft, dann greifen wir gerne ein. Ich muss nur genug wollen, dann werde ich meine Wünsche schon realisieren. Und wenn es nicht funktioniert, habe ich mich zu wenig angestrengt oder die falsche Strategie verfolgt. Auf jeden Fall geben uns jede Menge Ratgeber Tipps und Anweisungen, wie wir unser Leben optimieren können. Das Dumme an der Sache ist nur, wir werden damit irgendwie nie fertig. Schon komisch, dass die Welt so unvollkommen ist.

Was muss eigentlich anders werden? Wovon habe ich nicht genug? Da kann wahrscheinlich fast jeder von uns ein paar Punkte aufzählen. Mich eingeschlossen. Und was wäre, wenn diese Wünsche in Erfüllung gehen? Sind wir dann zufrieden? Oder tauchen vielleicht wieder neue Wünsche auf?

Vorsätze – Was lassen wir uns vorsetzen …

Ab nächster Woche, kommenden Monat oder im neuen Jahr wird alles anders. Dann ernähre ich mich gesünder, höre mit dem Rauchen auf, gebe im Job richtig Gas, kümmere mich mehr um meine Familie, bringe meine Finanzen in Ordnung. Den Vorsatz habe ich schon mal. Und irgendwie fühlt es sich ja auch gut an, es zumindest zu wollen, ein „besserer“ Mensch zu werden. Manche Menschen verleihen dem Ganzen dann noch ein bisschen Dramatik, indem sie sich öffentlich verpflichten. Schaut her, ich meine es diesmal wirklich ernst.

Wenn bestimmte Dinge in der Vergangenheit nicht funktioniert haben, hatte das vielleicht einen Grund. Denn wir machen selten etwas ohne Grund. Im Nachhinein gerät das leicht in Vergessenheit. Was waren denn damals die Bedürfnisse hinter unseren Verhalten?

Und warum ist uns dieser Wunsch heute so wichtig? Welches Bedürfnis würden wir damit stillen? Oder vielleicht noch entscheidender: Ist es überhaupt unser Wunsch?

Ziele – Worauf ziele ich?

Ziele finde ich sinnvoll. Sie zeigen mir, wie wichtig mir ein Anliegen ist. Ich plane gewisse Aktivitäten und erhalte dadurch einen Überblick, wie lange die Reise in etwa dauern wird. Aus Luftschlössern werden so konkrete Anliegen.

Ich bin mir allerdings bewusst, dass meine Vorstellung von der Zukunft nur eine von unendlich vielen Möglichkeiten ist. Insofern wäre es ungünstig, daran mit aller Kraft festhalten zu wollen.

Geduld ist das Vertrauen, dass alles kommt, wenn die Zeit dafür reif ist. – Andreas Tenzer

Wir neigen dazu, unseren Lebensweg im Griff haben zu wollen. Auf Dauer erschöpft das, denn zu der momentanen Anstrengung addiert sich der vergangene und zukünftige Ballast. Wir wollen auf alles gefasst sein, unsere Ziele stets vor Augen. Kann das überhaupt gelingen? Wie können wir den Moment unbeschwert genießen, wenn wir gleichzeitig in Gedanken alle Eventualitäten abwägen sowie in unseren Träumen und Ängsten gefangen sind?

Vertrauen in Dich

Wir leben in einer Gesellschaft, die uns permanente Befriedigung durch Konsum verspricht. Konsum garantiert Befriedigung. Wir kaufen neue Kleidung, angesagtes technisches Spielzeug, bereisen exotische Länder und schlemmen wie in 1001 Nacht. Die meisten Glücksmomente wären allerdings nur kurz. Dann möchte unser Gehirn wieder stimuliert werden.

Fühlen wir uns unwohl, ist das nicht automatisch ein Hinweis, dass mit uns irgendetwas nicht stimmt. Ob wir uns unwohl fühlen, hat vor allem damit zu tun, wie wir auf das Erlebte reagieren. Enttäuschung, Wut, Angst sind mögliche Reaktionen. Müssen es aber nicht sein.

Stellen Sie sich den Verlauf des Lebens als eine Landschaft vor. Mal geht es bergauf, mal bergab. Mal scheint die Sonne, mal regnet es. Sind Berge, die Steigungen verkehrt, nur weil es anstrengend ist? Vielleicht ermöglichen Sie uns eine andere Sicht auf die Dinge. Ist es falsch, wenn es regnet? Ist es verkehrt, wenn manche Menschen schneller oder langsamer unterwegs sind? Ist es verdächtig, wenn Reisende unterschiedliche Richtungen einschlagen? Wer sagt denn, dass wir alle das gleiche Ziel haben und vom gleichen Ort aus starten.

Vielleicht will, was ich nicht ändern kann, mich ändern. – Kyrilla Spieker

Vielleicht gilt es erst einmal tief durchzuatmen und zu erkennen, dass ich völlig in Ordnung bin. Ich bin heute an diesem Ort aufgrund meiner Entscheidungen in der Vergangenheit. Und die hatten ihre Gründe. Ich bin der, der ich bin, weil das Leben mich so will. Und bin eben nicht der große Kinoheld, der alles in der Hand hat.

Vertrauen leben

Vom Intellekt hört sich das wahrscheinlich plausibel an. Die Frage ist nur, wie können wir das leben. Vertrauen kann man leider nicht kaufen. Wie und wo finde ich also das Vertrauen? Oder das Vertrauen mich. Vielleicht fragen Sie sich, ob mir das überhaupt gelingt. Manchmal ja, manchmal nicht. Es gibt Momente, da fühle ich mich ratlos, verstehe ich den Lauf des Lebens nicht. Da hab ich mich angestrengt, mein Bestes gegeben und lande anscheinend in einer Sackgasse.

Manche Situationen im Leben machen mich demütig. Schöne Momente rauben mir den Atem, schwierige Zeiten haben mir den Boden unter den Füßen weggezogen. Mit der Erkenntnis, dass es stets einen neuen Morgen gibt, dass das Leben, die Kraft, in mich zurück strömt, wenn ich am Boden lag. So hab ich gleichermaßen viele Illusionen verloren und Vertrauen gewonnen.

Was können wir also tun?

Hingabe – Gehen wir achtsam und mit Hingabe durch das Leben, laden wir mit dieser Haltung ein gutes Resultat ein. Wir sind bereit, mehr zu geben und fragen weniger, welche Vorteile wir davon haben. Naiv wird es erst dann, wenn wir blind vertrauen. Natürlich macht es Sinn, das Erlebte einzuordnen.

Reflektion – Wie viel Anstrengung kostet es sie, den Alltag nach Ihren Vorstellungen zu formen? Wie glücklich fühlen Sie sich damit? Was löst der Impuls in Ihnen aus, die eigenen Vorstellungen mal ein wenig loszulassen und dem Leben mehr zu vertrauen?

Selbstannahme – Wann bin ich mir genug? Gut genug für wen und was? Vielleicht ist das viele Wünschen und Wollen auch ein Ausweichen vor dem was jetzt ist. Sich selbst anzunehmen und wertzuschätzen, hat nichts mit Selbstgefälligkeit zu tun. Ich bin wunderbar und gleichzeitig einer unter vielen. Ich bin jetzt genau richtig und das Leben verändert mich jeden Moment.

Für 2016 habe ich mir übrigens auch ein Ziel gesetzt. Weniger zu wollen und mehr Vertrauen in das Leben und mich zu haben.

About the Author

Joachim HilbertJoachim Hilbert Vor 10 Jahren begann meine Reise nach Innen, denn ich suchte Antworten auf 3 Fragen. Was berührt mich? Woran habe ich Freude? Was verleiht meinem Leben Sinn? Dafür gibt es natürlich keine allgemein gültigen Lösungen. Mit meinen Artikeln möchte ich anregen, Antworten auf diese Fragen zu finden und hinter die Fassaden und Gewohnheiten zu schauen, damit sich unser innerer Reichtum offenbart. VisionView all posts by Joachim Hilbert

  1. Richard12-31-2015

    Vertrauen in das Leben. Oder nennen wir es „leben im Fluss“. Sich dem Fluss hingeben. Auf dem Feld arbeiten, wenn die Sonne scheint. Sich unterstellen, wenn es regnet. Die Arbeit bleibt zurück, wer bewertet das?

    In der Tat ist der Körper intelligent und bietet sich an mit Signalen und Intuition. Fluss bedeutet für mich auch, dem Impuls oder der Intuition zu folgen und nicht weiter nachdenken. Und wenn Zweifel aufkommen wollen, mischt sich nur der Verstand ein, der nur ein grobes Raster kennt und vielleicht Naives ausfiltert. Vertrauen heisst oft, gar nicht weiter reflektieren. Vertrauen heisst auch, nicht zu geben, wenn dieser Impuls da ist, es sich stimmig anfühlt, an mich zu denken.

  2. Kühnapfel, Ludger01-06-2016

    Glückwunsch zu diesem guten Vorsatz!
    ich mag im prinzip keine Vorsätze , denn mein Alltag ist zu ungewiss, die zukunft betreffend. da ist alles möglich beso. das neg. deswegen versuche ich weitens gehend das „jetzt“ zu leben, undc damit zufrieden zu sein. es ist halt 1 Kampf

  3. Dario01-28-2016

    Hi Joachim,

    genialer Artikel, gefällt mir sehr gut :) Im Prinzip sagt, deine Überschrift schon alles. Es geht darum, dass man darauf vertraut, dass alles schon gut wird.

    Es geht nicht darum, da zu sitzen und nichts zu tun, aber darauf zu vertrauen, dass irgendwie alles zusammen kommt.

    Da fällt mir ein Zitat von Oskar Wild ein – Am Ende wird alles gut. Wenn es noch nicht gut wird, ist es noch nicht das Ende.

    Liebe Grüße
    Dario

  4. Markus02-08-2016

    Ich merke immer mehr, das nichts wirklich Zufall ist. Sondern alles dem Erreichen meiner Lebensaufgabe gilt und überall Chancen aber auch Hilfen liegen. Man musst nur seine Augen immer auf sein bestimmtes Ziel richten, sie offen halten und diese dann nutzen.

  5. Christina Schindler02-09-2016

    Hi Joachim,

    ich finde Ziele, Planung und ein gewisses Maß an Selbstwirksamkeit, also Kontrolle ungemein wichtig. Es geht weniger darum diese Dinge zu erreichen und dann zufrieden zu sein. Es geht vor allem darum Spaß an der Planung und an der Ausführung zu haben und natürlich das Gefühl zu haben, das eigene Leben gestalten zu können. Natürlich kommt immer wieder etwas Neues, ganz einfach deswegen, weil wir uns auf erreichtem eben nicht einfach ausruhen können, weil in diesem Zusammenhang tatsächlich der Weg das Ziel ist.

    Ich mag die Vorstellung auch nicht, dass alles so kommt wie es muss oder soll. Wenn man daran glaubte, dann könnte man einfach nichts tun und darauf warten, dass die Dinge passieren. So läuft es aber nicht. Ich glaube daran, dass jeder Mensch einen starken Einfluss hat auf das, was für ihn kommt.

    Vertrauen ist dennoch ungemein wichtig. Das Vertrauen in sich selbst, vertrauen darauf, dass man alles irgendwie hin bekommt, dass man Wege findet – nicht jedoch, dass irgendetwas von selbst passiert. Dieses Vertrauen in sich selbst und damit in die Zukunft ist in meinen Augen also eine wichtige Zutat, die man braucht um selbst die Zukunft zu gestalten. Kein Widerspruch also, es gehört beides zusammen.

    Die Schwierigkeit ist wie so oft die Balance zu finden, zwischen Unzufriedenheit, also Wünschen und Zielen und Zufriedenheit, also dem Genießen des Moments und der Dankbarkeit für alles was ich schon habe.

    Danke für den Artikel, der so schön dazu anregt, über genau diese Dinge nachzudenken.

    Alles Liebe
    Tina

    • Richard02-16-2016

      Ja liebe Christine, solange wir die Dinge überschauen können, glauben wir oft, dass wir alles kontrollieren können, was die Zukunft bringt. Wird es uns einmal zu viel, was zu Tun ansteht, und sorgen ein paar Enttäuschungen für Ängste, dann braucht es vielleicht Vertrauen im Ungewissen und in der Gefahr, wieder verletzt zu werden oder sich ärmlich zu fühlen. Dann wird vielleicht auch klar, dass Vertrauen die Basis ist, die Kontrolle der kleinen Schritte ein Werkzeug und Ziele oft nur Illusionen, die uns den Schein von Selbstvertrauen geben.

Wie lautet Ihre Meinung?