Rund 2.500 Jahre ist es her, dass Siddharta Gautama, der zum Buddha wurde (das bedeutet „der Erwachte“), gelebt hat. Noch heute ziehen uns die Seelenruhe und Entspanntheit in ihren Bann, die von allen Bildnissen seiner Person strahlen.

Wie hat Buddha es geschafft, vom unglücklichen Königssohn zum glücklichen Menschheitslehrer zu werden? Ist seine Botschaft noch aktuell? Können wir modernen Menschen von seiner Lehre profitieren, auch wenn wir nicht buddhistische Mönche oder Nonnen werden möchten? Lässt sich der Kern dessen, was Buddha verkündete, verständlich, bodenständig und umsetzbar auf den Punkt bringen?

In meinem neuen Buch „10 Dinge, die jeder von Buddha lernen kann“ beschäftige ich mich mit diesen Fragen und den Antworten darauf. Hier möchte ich eines der „10 Dinge“ herausgreifen:

Das Leiden nutzen, um zum Glück zu finden

Buddha war als Königssohn quasi mit einem goldenen Löffel im Mund geboren worden. Ihm standen alle Annehmlichkeiten zur Verfügung, von denen die meisten seiner Mitmenschen nur träumen konnten. Sein vorgezeichneter Lebensweg war als Nachfolger seines Vaters mit Reichtum und Macht gepflastert. Trotzdem war er als junger Mann zutiefst unglücklich.

Er litt am Leiden der Welt und konnte sich mit Krankheit, Alter und Tod nicht abfinden. Er wusste bereits, dass sich Glück nicht mit materiellem Besitz, sei er auch noch so kostbar, herbeizwingen lässt, sonst hätte er als Prinz mehr als zufrieden sein müssen. Diese Erkenntnis erleichterte seine Suche. Aber sein Leiden war nicht nutzlos. Es motivierte ihn, einen Ausweg zu finden.

Was ist der Hauptgrund allen Leidens?

Was ist der Hauptgrund allen Leidens fragte Siddhartha sich und erkannte, dass es Gier, Hass und Wahn sind, die uns das Leben schwer machen. Etwas unbedingt haben oder erleben wollen, das ist Gier. Kennen wir das nicht alle? Das Haus auf dem Hügel, der Oldtimer, die TraumpartnerIn, der berufliche Aufstieg, aber auch die Weltreise oder die Sehnsucht, von allen geliebt zu werden und in allem erfolgreich zu sein.

Gier ist etwas fundamental anderes als ein Wunsch. Wer wünscht, zieht das eine dem anderen vor, kann sich jedoch auch damit abfinden, das Gewollte nicht zu bekommen oder es wieder zu verlieren.

Gier ist so absolut und brennend, weil die Überzeugung dahinter steht: „Wenn ich dies nicht bekomme, kann ich niemals glücklich sein“.

Beim Hass handelt es sich um Gier mit umgekehrten Vorzeichen. So wie man das eine unter allen Umständen begehrt, so will man etwas anderes – koste es, was es wolle – vermeiden. Objekt des Hasses kann alles Mögliche sein: ein verregneter Sommer, Menschen aus fremden Ländern, die sich anders benehmen als man selbst, oder Alter und Tod, die in Zeiten des Jugendwahns einen ausgesprochen schlechten Ruf haben.

Wer glaubt, etwas unbedingt erreichen oder vermeiden zu müssen, unterliegt einem großen Irrtum. Man könnte dies auch Unwissenheit oder Wahn nennen, wie Buddha es tat. Wer sich von Gier und Hass leiten lässt, verkennt die wahren Ursachen von Glück, Gelassenheit und Liebe.

Glück stellt sich nicht unbedingt ein, wenn man alles bekommt, was man begehrt oder von allem verschont bleibt, was man zutiefst ablehnt.

 


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Die Kunst, die Buddha ausgezeichnet beherrschte, besteht darin, trotz der Unvollkommenheit und Vergänglichkeit aller Wesen und Dinge das Gute in allem zu bemerken und wertzuschätzen und gleichzeitig das vermeintlich Schlechte zu akzeptieren. Nicht selten macht man dabei die Erfahrung, dass etwas, was zunächst übel aussah, sich später als überaus segensreich erweisen kann, so wie das Leiden Siddharthas in jungen Jahren, das er in Gelassenheit, Toleranz, Mitgefühl und Freundlichkeit verwandelte.

Der Versuch, Unzufriedenheit und Stress komplett aus dem Leben verbannen zu wollen, ist zwecklos. Das wäre Gier nach Glück bzw. Hass auf das Unglück und würde alles nur noch schlimmer machen.

Schmerz an sich ist nicht das Problem

Körperlicher und seelischer Schmerz dient nicht dazu, uns zu quälen, sondern enthält eine Botschaft, die verstanden werden will. „Gehe hier nicht weiter. Tue das nicht mehr. Versuche etwas anderes“, das ist es, was der Schmerz uns mitteilen möchte.

Wenn wir die Botschaft verstehen und danach handeln, können wir den Schmerz nicht in jedem Fall sofort abschalten, aber verhindern, dass er sich ausbreitet, und wir dem unvermeidlichen Schmerz vermeidbares Leiden hinzufügen.

Was könnte die Lehre aus einer schmerzlichen Erfahrung sein?

Wie kann man sich entwickeln, um widerstandsfähiger zu werden? Wie gelingt es einem, trotz aller Hindernisse die Freuden des Lebens zu genießen? Das sind die Fragen, die jede/r von uns früher oder später zu beantworten hat.

Denken Sie an Kleinkinder, die laufen lernen. Sie fallen immer und immer wieder hin. Aber sie stehen auch Hunderte Male wieder auf, um einen neuen Versuch zu starten. Manchmal weinen sie herzzerreißend – besonders wenn Erwachsene in der Nähe sind -, aber dann machen sie wieder weiter. Niemand kann sie aufhalten, sich zu entwickeln und selbstständig zu werden. Sie lassen sich nicht unterkriegen. Diese Widerstandsfähigkeit besitzen wir im Grunde immer noch.

Die Lehre Buddhas kann uns dabei unterstützen, innere Stärke zu entwickeln und Glück und Seelenruhe in uns selbst zu finden.

Er war davon überzeugt, dass jeder Mensch zum Buddha werden kann, der bereit ist, dazuzulernen, und die richtigen Schlüsse aus leidvollen Erfahrungen zieht.