„Das kannst du nicht nicht.“
„Dafür braucht man Talent.“
„Schau dir doch die Nachbarin an, die hat die nötige Begabung.“

Kennen Sie solche Sätze?
Ich schon.
Und zwar aus meiner Kindheit.

Mir vermittelten solche „Wahrheiten“,
dass ich zu bestimmten Aktivitäten nicht fähig war.
Ich brauchte gar nicht erst anzufangen.

So kam ich zu dem Ergebnis,
Kreativität ist nicht mein Betätigungsfeld.
Ich kann weder Malen wie Picasso, noch Schreiben wie Hermann Hesse.
Die Muse hat mich einfach nicht geküsst.
Da kann man nichts machen.

Oder vielleicht doch?

Neuere Untersuchungen weisen darauf hin,
dass Genialität nicht genetisch bedingt ist.
Zum Beispiel war Picassos Genie in seinen jungen Jahren nicht zu erkennen.
Seine Bilder waren nicht besser, als die seiner Altersgenossen.
Erst durch kontinuierliches Üben, wuchs seine Schaffenskraft.
Das Gleiche gilt für viele erfolgreiche Sportler wie Shaquille O’Neal
oder Wayne Gretzky. Sie wurden zu Stars, weil sie kontinuierlich übten.
Weil Sie am Ball blieben.

Doch was können wir daraus lernen?

Vielleicht brauchen wir gar kein „Talent“.
Vielleicht gibt es gar keine geniale Veranlagung.
Dann können wir doch einfach anfangen,
dass zu machen, was uns Spass bringt.
Vor allem: Wir müssen nicht schon am Anfang perfekt sein.

Ich habe auf jeden Fall meine Freude am Schreiben entdeckt.
Ich erlebe die Welt in einem besonderen Licht, seitdem ich fotografiere.
Vor allem spüre ich noch mehr Begeisterung, seitdem ich nicht mehr perfekt sein muss.

Das Wichtigste ist aus meiner Sicht, den eigenen Impulsen zu folgen.
Ungeachtet aller äußeren und inneren Kritiker.
Oder um es mit den Worten von Nitzsche zu sagen:
Das Leben ist viel zu kurz, um sich selbst zu begrenzen.

Wenn ich meine Beschränkungen ablege,
darf ich dass tun, wonach mir ist.
Ich darf anfangen, neue Wege zu gehen.
Mich auszuprobieren.
Zu spüren, ich kann auch kreativ sein.

Das Traurige an der Talentlüge ist aus meiner Sicht,
dass wir oftmals gar nicht erst anfangen, neue Dinge auszuprobieren.

Wir lassen es zu, dass uns Fähigkeiten von vorn herein abgesprochen werden.
Wir machen mit, wenn Ansprüche ins Unendliche wachsen.

Muss ich mit Worten jonglieren können, wie Paul Auster oder Richard Ford?
Nein, das ist nicht mehr mein Anspruch.
Zum Glück.
Ich brauche kein Talent oder keine Begabung mehr, um neue Dinge auszuprobieren.

Wie sieht es bei Ihnen aus …

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