Morgens, wenn wir aufwachen, ist oftmals schon der erste Gedanke damit verbunden, etwas zu wollen. Wir überlegen, was wir gerne hätten oder welche Dinge uns hoffentlich nicht widerfahren.

Unsere Fantasie malt sich gerne aus, wie schön es wäre, wenn wir uns mal wieder etwas leisten würden. Doch das meiste, was wir uns wünschen, brauchen wir nicht wirklich zum Leben.

Natürlich kann niemand anders einem sagen, ob man etwas braucht oder nicht. Jeder darf für sich heraus finden, was im eigenen Bedeutung hat. Es ist ganz wichtig, hier ehrlich zu sein. Und es bedarf Geduld, dies heraus zu finden.

Die eigenen „Begierden“ zu verleugnen, misslingt in der Regel, wenn wir keinen tieferen Sinn im Verzicht entdecken. Vor allem sollte auf uns nicht Druck in Form eines schlechtes Gewissen ausgeübt werden. Das sind alles Dinge, die klein und unzufrieden machen.

Wir haben in der Regel mehr, als man zum Leben braucht. Viele Dinge, die ganz nett sind, verlieren schnell an Reiz. Oftmals fragt man sich hinterher, warum wir so erpicht darauf waren. Die Glücksversprechen funktionieren selten.

Diese Erfahrung haben wahrscheinlich schon viele gemacht. Es scheint allerdings schwer zu sein, daraus zu lernen. Wenn ich mich dagegen an einer heißen Herdplatte verbrenne, ist der Lerneffekt eindeutig, um zukünftige Schmerzen zu vermeiden.

Was sind die Vorteile, wenn ich loslasse?

Innere Ruhe kann sich ausbreiten, wenn wir nicht ständig glauben, etwas zu brauchen. So gewinnt man ein bisschen Raum, um das Wohlbefinden, den Frieden und das Glück zu erreichen, das wir uns alle so sehr wünschen. Entspannung breitet sich aus, wenn wir aufhören, permanent etwas zu wollen.

Welche Kosten ergeben sich, wenn ich weiter unbedacht meine „Gelüste“ verfolge?

Den eigenen Wünschen hinterher zu laufen, kostet Zeit, Energie und Geld. Vor allem unsere Lebenszeit ist ein kostbares Gut, da sie unwiederbringlich verstreicht. Weiterhin stellt sich die Frage, ob es sich lohnt, Aufmerksamkeit und Lohn in Dinge zu investieren, die nur kurzfristige Unterhaltung bieten. Wenn ich mir dabei vor Augen führe, wie lange ich arbeiten muss, um mir das eine oder andere zu leisten, wird der „wahre“ Preis deutlicher.

Gerade in der heutigen von Medien stark geprägten Welt werden wir mit verlockenden Offerten hofiert. Schaufenster, Flyer, Plakate und Werbebanner im Browser versorgen uns mit „Attraktionen“. Ständig werden uns Artikel und Leistungen angepriesen, die Spaß, Status, Genuss, Sicherheit und Glück versprechen.

[pullquote2 quotes=“true“ align=“center“ variation=“orange“ cite=“Andre Gide“]Der Mensch kann nicht zu neuen Ufern aufbrechen, wenn er nicht den Mut aufbringt, die alten zu verlassen.[/pullquote2]

Der Reichtum der uns heutzutage in vielen Ländern umgibt, ist enorm. Deswegen ist Achtsamkeit und Geduld erforderlich, um sich dem Haben-wollen-Impuls zu widersetzen.

Wie kann ich heraus finden, was für mich Bedeutung hat?

Hier finde ich vor allem drei Grundgedanken hilfreich.

Gewinn – Was kann ich machen, was vorher nicht möglich war? Sobald ich einen zusätzlichen Nutzen habe, der mir etwas bedeutet, macht eine Anschaffung Sinn.

Loslassen – Was passiert, wenn ich der Verlockung widerstehe? Welche möglichen Nachteile entstehen mir? Kann ich damit leben?

Zeitpunkt – Ist jetzt der richtige Moment? Setze ich mir eine Frist von zum Beispiel 5 Tagen, kann ich prüfen, ob mein Wunsch immer noch existiert. Gerade mit einem gewissen Abstand erscheinen viele Angebote in einem anderen Licht.

Meistens gibt es keinen Grund, unglücklich zu sein. Aber statt davon auszugehen, dass wir in Ordnung sind, versuchen wir gerne, uns mit äußeren Dingen aufzuwerten.

Vielfalt und Überfluss bieten die Möglichkeit zu wählen. Der Weg zur inneren Ruhe beinhaltet, unwichtige Dinge zu ignorieren. Wir lernen, unsere echten Bedürfnisse von unseren Begierden zu unterscheiden.

Selbstbestimmung ist ein Resultat der Reife. Wir erleben die Unabhängigkeit, die wir uns schaffen. Dabei ist nicht Minimalismus sondern persönlicher Freiraum das Ziel.

Durch Loslassen erlangen wir mehr Kraft und Freiraum im Leben. Doch davor steht die Prüfung, der Versuchung zu widerstehen und unsere Gewohnheiten loszulassen.