Das Wort Einfachheit klingt in Zeiten der Fülle ein wenig exotisch. In vielen Lebensbereichen werden wir von Angeboten fast erdrückt. Was im ersten Moment als immenser Reichtum erscheint, hat seinen Preis. Neil Postman wies in seinem Buch „Wir amüsieren uns zu Tode“ schon vor Jahrzehnten darauf hin.

Im Idealfall sind Gegenstände Werkzeuge, Ideen und Projekte umzusetzen. Mein Computer und mein Fotoapparat haben einen konkreten Nutzen. Sie sind wichtige Hilfsmittel, meinen Herzensangelegenheiten Ausdruck zu verleihen.

Was darüber hinaus geht, ist Ballast. Was soll ich mit mehreren Computern oder technischem Spielzeug, welches zwar nett ausschaut, aber ein Schattendasein führt?

Vor ein paar Jahren fiel mir auf, dass meine Wohnung Ansätze eines Lagerraums aufwies. Im Laufe der Jahre hatte sich einiges angesammelt, was inzwischen für mich keine Bedeutung mehr hatte. Gelesene Bücher, alte CD’s oder „Andenken“ nahmen unverhältnismäßig viel Platz ein.

Ich fragte mich: Wozu bewahre ich die Dinge auf? Schnell meldete sich der innere Mahner. Das hat alles viel Geld gekostet! Einfach weggeben?

[pullquote2 quotes=“true“ align=“center“ variation=“orange“ cite=“Friedrich von Schiller“]Einfachheit ist ein Resultat der Reife.[/pullquote2]

Doch seien wir ehrlich. Die meisten Errungenschaften haben höchstens für uns noch einen Wert, wenn überhaupt. Und was macht es für einen Sinn, ein Buch 30 Jahre in den Bücherschrank zu stellen, nur weil es damals 30 € gekostet hat? So wertvoll kann kein Schmöker sein. Passen wir nicht auf, verkommen die eigenen 4 Wände schnell zum einem Museum.

Natürlich spielt der persönliche Geschmack bei der Einrichtung ein Rolle. Ob minimalistisches Zen oder üppiger Barack hängt von den individuellen Vorlieben ab.

Umgeben von all den schönen Werbeversprechen, fällt Durchblick nicht leicht. Angespornt von den Verlockungen, wollen wir mehr. Mehr Spaß, mehr Bequemlichkeit, mehr Abenteuer, mehr Genuss …

Welchen Preis zahlen wir für unseren Lebensstil?

Zerstreuung – Die Gefahr, die für einen wichtigen Dinge aus den Augen zu verlieren, wird größer.

Wertschätzung – Was in rauhen Mengen existiert, verliert subjektiv leider schnell an Wert.

Freiheit – Wenn der Besitz uns besitzt, wird es Zeit, Ballast abzuwerfen.

Persönliches Glück entsteht meines Erachtens, wenn wir einer Aufgabe nachgehen, die uns berührt. Sich darauf zu fokussieren, gibt Energie. Die netten Konsumversprechen dagegen werden schnell zu einer Ausfahrt, die uns vom persönlichen Weg abbringen.