Persönlichen Angriffen begegnen wir in vielen Bereichen. Sei es unter Kollegen, im Kreis der Familie, inmitten unserer Freunde, überall kann uns ein Ereignis plötzlich aus der Bahn werfen. Manchmal weckt bereits ein unbedachtes Wort schmerzhafte Erinnerungen und Gefühle wie Traurigkeit oder Ohnmacht und Zorn breiten sich aus.

Warum fühlen wir uns getroffen?

Im Kern bedroht eine Kränkung unser Selbstwertgefühl. Wir fühlen uns plötzlich schutzlos und verängstigt.

Schmerzhafte Erlebnisse, die wir nicht verarbeitet haben, hinterlassen Narben. Wir reagieren dünnhäutig, wenn unterdrückte Gefühle zum Vorschein kommen. Sobald wir darauf gestoßen werden, spüren wir nicht nur den aktuellen Schmerz, sondern die Summe der aufgestauten Emotionen.

Der wunde Punkt

Entsprechend impulsiv fällt dann die Reaktion aus. Ohne groß nachzudenken, richtet sich unsere Wut auf den „Angreifer“. Die Gefahr, dass wir überreagieren, ist groß. Doch Gewalt befreit uns nicht von unserer Ohnmacht. Aggression lindert nicht den Schmerz einer erlebten Demütigung.

Der wunde Punkt bildet sich da, wo Kränkungen und Verletzungen nicht heilen konnten. Es bleibt eine Wunde, die schmerzt, wenn sie berührt wird. Deswegen spüren wir in aktuellen Situationen auch den Schmerz der Vergangenheit.

Die Vernichtung des Gegners löst weder das zugrunde liegende Problem, noch heilt es alte Wunden. Das Gegenteil ist der Fall. Wenn wir verbale Gewalt anwenden, entstehen neue Wunden. Ein Kreislauf der Rache wird in Gang gesetzt.

Kontakt

Es ist nicht einfach, sich den eigenen Ängsten zu stellen. Doch Kränkungen sind ein Teil des Lebens. Wir werden kritisiert, abgelehnt, ausgeschlossen, verlassen und zurückgewiesen. Ebenso werden wir geliebt, gelobt und angenommen.

In Momenten der Hilflosigkeit haben wir es wahrscheinlich noch schwerer, mit unseren Gefühlen und Bedürfnissen in Berührung zu kommen. Doch wenn sich die Wogen glätten, können wir gelassener auf das Geschehene blicken.

Was in mir fühlt sich verletzt? Was schmerzt mich daran? Was steckt hinter meiner Wut?

Indem wir innehalten, können wir in Kontakt mit unseren Gefühlen kommen. Dabei geht es nicht um Gefühlsduselei. Wut, Verachtung und Trotz sind starke Emotionen. Wie lauter Straßenlärm übertönen sie die leisen Töne.

Verantwortung

Fast jede Ursache unserer Umwelt kann uns treffen. Das zeigt, wie viel Verantwortung auch bei uns liegt. Damit sich unser Handlungspielraum vergrößert, macht es Sinn, sich der eigenen Möglichkeiten bewusst zu werden.

Kommunikation erfolgt immer in einem persönlichen Kontext. Deshalb bestimmen wir mit, was uns kränkt. Was den einen kaum berührt, trifft den anderen bis ins Mark. Ob wir uns getroffen fühlen, hat viel mit unserer „Angriffsfläche“ zu tun.

[pullquote2 quotes=“true“ align=“center“ variation=“orange“ cite=“Carl Gustav Jung“]Man wandelt nur das, was man annimmt.[/pullquote2]

Es liegt an mir, wie viel Macht ich anderen Menschen gebe. Es liegt in meinem Ermessen, was ich für mein Selbstwertgefühl tue.

Was können wir tun, damit es uns in Zukunft besser geht?

Wir haben weder alles in der Hand, noch sind wir hilflos ausgeliefert. Indem ich Verantwortung für mein Erleben übernehme, erfolgt ein erster Schritt in Richtung persönlicher Freiheit.

Natürlich sollen wir uns nicht auch noch schuldig fühlen, weil es uns schlecht geht. Vielmehr geht es darum, aus schmerzhaften Erfahrungen zu lernen.

Reden Sie Klartext. Sprechen Sie aus, dass Sie sich getroffen fühlen. Oftmals ist den anderen Menschen gar nicht bewusst, was Sie ausgelöst haben.

Das Annehmen unangenehmer Situationen ist wohl eine der größeren Prüfungen. Es geht dabei nicht um Leiden oder gar alles einzustecken. Es geht um achtsames Schauen und Mitgefühl. Gestehen Sie sich Ihre Gefühle ein. Nicht als Zeichen der Schwäche,
sondern als Schritt in Richtung Veränderung.

Ein gesundes Selbstwertgefühl ist wie ein gutes Immunsystem. Selbst wenn es uns einmal schlecht geht, kommen wir schnell wieder auf die Beine, weil wir wissen, was uns hilft. Nehmen Sie sich deshalb Zeit. Lernen Sie sich besser kennen, um zu erfahren, was Ihnen gut tut.