Gewohnheiten haben die Tendenz, eine enorme Schwerkraft zu entwickeln. Ist eine Vorgehensweise einmal erfolgreich, sind wir geneigt, diese Strategie zu wiederholen. Gelangt man damit sogar häufiger ans Ziel, geht von dieser Methode eine besondere Anziehungskraft aus.

Energiesparmodus

Das macht natürlich auch Sinn. Unser inneres Navigationssystem prüft ganz genau, wie wir mit möglichst wenig Aufwand unsere Pläne verwirklichen können. In einem bekannten Umfeld spare ich Energie, weil ich nicht nach neuen Wegen suchen muss. Was wir noch nicht können, muss dagegen erst geübt werden, bevor wir das Neue für gut befinden und in unser Repertoire übernehmen.

„So haben wir das vorher aber nie gemacht!“ Wir möchten vor uns und anderen konsistent wirken. Um uns gut zu fühlen, brauchen wir eine Legitimation, um plötzlich anders zu handeln. Betrifft die Veränderung nur uns, fällt die Rechtfertigung leichter. Gibt es dagegen mehrere Beteiligte, müssen wir schon mehr Überzeugungsarbeit leisten.

[pullquote1 quotes=“true“ align=“center“ variation=“orange“]In der Veränderung liegt der Kern des Lebens.[/pullquote1]

Die Art, wie wir das Problem sehen, ist oftmals das Problem.

Wird der Wandel von Außen angestoßen, fühlen wir uns schnell in der Defensive. Dem Druck von Außen begegnen wir in der Regel mit Widerstand. Die Ich-Muss-Motivation erfordert viel Energie, weil wir keinen eigenen Antrieb haben. Vielmehr suchen wir nach Ausreden und investieren unsere Kraft in Vermeidungsstrategien.

Ist unsere innere Einstellung darauf ausgerichtet, an einer Lösung mitzuwirken, geht vieles leichter von der Hand. Die Anstrengung ist auf einmal ein Schritt zu etwas Wichtigerem. Es ist so ähnlich wie bei spielenden Kindern. Die Freude am Spielen ist wichtiger als der Kraftaufwand. Das Gefühl, das Ergebnis mit gestalten zu können, macht uns zu einem Teil des Ganzen, anstatt unbeteiligt am Rand zu stehen.

Wenn ich nicht weiß, wie etwas geht, bedeutet das nicht, dass es unmöglich ist. Was ich heute bin, ist lediglich ein Hinweis auf das, was ich bislang gelernt habe. Lerne ich etwas anderes, entstehen neue Möglichkeiten.

Mit der Zeit wird klarer, dass wir meistens eine Wahl haben. Manchmal besteht die Veränderung lediglich darin, die Dinge anders zu sehen.