Worte können weh tun. Worte können uns traurig stimmen, in Rage bringen und verletzen. Wir zucken zusammen, wenn ein unbedachter Kommentar einen empfindlichen Punkt in uns berührt. Und dieser Schmerz kann lange anhalten. Worte sind Schallwellen. Sie transportieren Informationen. Körperlich wird uns kein Schaden zugefügt. Was schmerzt uns also?

Es gibt keine Wahrheit, nur individuelle Wahrnehmungen.

Wir hören eine Bemerkung und deuten blitzschnell den Inhalt. Dabei interpretiert unser Verstand nicht nur die Semantik, sondern auch wie die Worte in Zusammenhang mit unseren Erfahrungen stehen.

Wir erleben die Dinge in Bezug auf unsere vergangenen Erlebnisse. Deshalb hat das Geschehen für jeden Menschen eine besondere Bedeutung. Unsere Gedanken und Gefühle sagen uns, in welchem Zusammenhang das Erfahrene mit uns steht.

Glaube nicht alles, was du denkst

Das eigentliche Problem ist unsere Gläubigkeit. Unsere Gewohnheit, das für wahr zu halten, was wir uns ausdenken. Wir tun so, als sei das, was wir annehmen, eine Tatsache.

Unser Gefühl, verletzt zu sein, entsteht nicht nur durch Worte. Wir tragen unseren Teil dazu dabei, wie wir die Botschaft aufnehmen. Unsere Wahrnehmung bestimmt, was wir für wahr nehmen.

[pullquote2 quotes=“true“ align=“center“ variation=“orange“ cite=“Kegon-Sutra“]Der beste Weg, um deinen Feind loszuwerden, ist zu erkennen, dass er nicht dein Feind ist.[/pullquote2]

Möchten wir anderen die Macht geben, dass wir uns schlecht fühlen? Treffen die Worte uns oder gehen wir einen Schritt zur Seite und atmen tief durch? Reagiere ich vielleicht zu impulsiv, weil ein wunder Punkt von mir „angegriffen“ wurde? Bin ich überhaupt sicher, den anderen richtig verstanden zu haben?

Leicht benutzen wir unsere Gefühle, um unsere Handlungen zu rechtfertigen. Wenn du mich verletzt hast, zahle ich dir das heim. So entsteht schnell ein unheilvoller Kreislauf von Kränkung und Wut.

Ich nehme mir die Freiheit.

Wir können nicht bestimmen, was andere zu uns sagen. Aber wir haben Einfluss, wie wir diese Worte aufnehmen. Die Deutungshoheit liegt bei mir. Je bewusster wir uns diesen Prozess machen, desto leichter wird das Miteinander.

Persönliche Freiheit beinhaltet die Möglichkeit zu wählen. Wir können deshalb bewusst mitentscheiden, was uns verletzt und wie wir damit umgehen. Dadurch brauchen wir weniger zu kämpfen und können spüren, dass da draußen keine Gegner sind.