Es gibt Momente, da kann ich aus der Haut fahren. Wenn in mir die Spannung steigt und ich keinen Ausweg mehr weiss, wird der Handlungsspielraum eng. Emotionen wie Wut und Ohnmacht kochen hoch. Schließlich versucht der Druck sich zu entladen und ich verliere die Fassung.

Im Nachhinein bin ich meistens erstaunt über mein impulsives Handeln. Wenn die Gefühle nicht mehr so hohe Wellen schlagen, kommt die Stimme der „Vernunft“ wieder stärker zum Tragen. Da ich eher ein stiller Mensch bin, ärgere ich mich hinterher über meine Ausbrüche. Das hätte ich auch besser hinbekommen können.

Was ist eigentlich so schlimm daran, mal aus der Haut zu fahren? Im Grunde genommen zeigt es doch oft nur, dass sich im Laufe der Zeit einiges angestaut hat. Dann kommt der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.

[pullquote2 quotes=“true“ align=“center“ variation=“orange“ cite=“Gandhi“]Wut ist eine Säure, die das Gefäß, in dem sie steht, stärker beschädigen kann als alles, über das sie geschüttet wird.[/pullquote2]

Liegt es nun am letzten „Tropfen“, dass ich meine Beherrschung verliere, oder habe ich vielleicht schon vorher unachtsam gehandelt? Ist meine Überreaktion nicht vielmehr ein Indiz, dass seit einiger Zeit etwas schief läuft? Vielleicht darf ich für den Hinweis sogar dankbar sein. Brennt bei uns im Haushalt eine Sicherung durch, ist das zwar ärgerlich, letzten Endes aber nur ein Schutz, damit der Schaden nicht noch größer ausfällt.

Natürlich bin ich kein Freund der verbrannten Erde. Habe ich mit meinem Verhalten andere vor den Kopf gestoßen, dann hilft meistens ein aufrichtiges „Es tut mir leid.“ Und dann heisst es, nach vorne zu schauen. Was kann ich tun, damit ich mich in Zukunft besser fühle? Wo kann ich besser für mich sorgen?

Die Dinge haben oft einen Sinn, der uns im ersten Moment verborgen bleibt. Nehmen wir unser Verhalten an, ermöglicht uns das, genauer hinzuschauen. So können wir aus unserem Verhalten lernen und die in uns wohnenden Möglichkeiten entdecken.