Eigentlich ist Aufgabenplanung doch eine ganz simple Angelegenheit. Ich notiere zunächst meine Aufgaben samt Terminen und sortiere sie in einem zweiten Durchgang nach Wichtigkeit. Da steht dann meine Agenda für den kommenden Monat. Fein säuberlich in einen Organizer eingetragen.

Noch effektiver sind meines Erachtens entsprechende Computerprogramme. Die erinnern mich sogar vollautomatisch, was zu tun ist. Jetzt brauche ich nur noch Tag für Tag eine Aufgabe nach der anderen abarbeiten. David Allen oder Lothar Seiwert wären stolz auf mich. Ist doch ganz einfach, oder?

Wenn ich ganz offen sein darf: Bei mir klappt das nicht. Und das nagt allmählich an meinem Ego. Da haben sich viele schlaue Leute großartige Techniken und pfiffige Tools ausgedacht und ich kriege meine Dinge nicht geregelt. Da steht mir die Power mehrerer CPUs in meinem Notebook zur Seite, ein einzigartiges Betriebssystem und das Wissen, dass ein Tag genau 24 Stunden hat. Und trotzdem …

Allerdings habe ich das Gefühl, an diesen ToDo Listen und Produktivitätstechniken stimmt etwas nicht. Jetzt denken Sie sicherlich, ich möchte mir nur heraus reden. Doch ich möchte ganz offen sein. Das vertrackte an meiner Planung ist nämlich, dass diese nie abgeschlossen ist. Laufend kommen neue Aufgaben dazu. Und ja, zu manchen Dingen auf der Agenda habe ich auch keine Lust. Diese unliebsamen Aufgaben sind besonders hartnäckig. Vielleicht weil ich versuche, ihnen aus dem Weg zu gehen.

Doch dann hatte ich die erfolgsversprechende Eingebung. Oder genauer gesagt. Die Eingebung kam zu mir. Und zwar so deutlich, dass es nicht zu übersehen war.

Lektion 1: demonstrative Gelassenheit Aufgaben zu denen mein Sohn keine Lust hat, lässt er einfach liegen. Manche erledigt er später, andere Aufgaben erledigen sich von alleine. Das nenne ich wahre Effektivität.

Lektion 2: selektive Ignoranz Zum Glück lernte ich die Philosophie von John Perry kennen. Sein Credo lautet: „Einfach liegen lassen“. Die Überschrift des gleichnamigen Buches fiel meinem Sohn übrigens sofort ins Auge. Er lächelte vielsagend.

Ich brauchte natürlich einige Zeit, die Tragweite dieser Botschaften zu verdauen. ToDo Listen sollen nicht meinen Alltag ruinieren, sondern sind dazu gedacht, mein Leben erleichtern. Ich darf sogar mitbestimmen, welche Aufgaben anliegen. Und halten Sie sich fest, es kommt noch besser: Die Aufgaben dürfen obendrein Spaß bringen. Leider musste ich dabei feststellen, dass ich diese Einträge am schnellsten wegarbeite, was natürlich schade ist, weil danach die kommen, zu denen ich keine Lust habe.

Das habe ich dann, natürlich mit der Hilfe meines Sohnes, auch noch geregelt bekommen. „Papa, du brauchst das nicht alles so genau machen.“ Vielleicht hat er recht. Wenn ich meine Ansprüche herunter schraube, erledigen sich die Aufgaben viel schneller.

Früher habe ich viele Dinge, zu denen ich wenig Lust hatte, sehr genau gemacht. Trotzdem wurde ich selten fertig und hatte am Ende oftmals schlechte Laune. Heute mache ich mit Freude wenige aber spannende Aufgaben. Dafür genieße ich jetzt ein viel besseres Lebensgefühl.

Und ganz wichtig: Die gewonnene Zeit nicht mit neuen unwichtigen Aufgaben verplanen …